Europa war bekanntlich
komplett unfähig, am Innovationsschub des Internets in irgendeiner Weise zu partizipieren. Alle großen Geschäftsmodelle wurden in den USA entwickelt -
bis hin zur KI, die in den Händen dubioser Oligarchen liegt. Dagegen fordert der Kulturpolitiker
Carsten Brosda in bewährter SPD-Manier "
regulative Dämme". Liest man seinen Artikel auf der Medienseite der
FAZ, fragt man sich, ob man schon das Internet überhaupt hätte zulassen dürfen: "Schon der erste große Digitalisierungsschub hat bei aller technologieoptimistischen Euphorie letztlich
zu einem Kontrollverlust geführt, indem die Verbreitung medialer Inhalte auf große, meist
US-amerikanische Plattformen verlagert wurde. Journalistische und kreative Medienhäuser produzieren seitdem zwar nach wie vor die Inhalte, aber an die Kunden kommen sie oft nur vermittelt über Plattformen und Intermediäre, wie Suchmaschinen, Videoportale oder soziale Medien."
Die unheimliche Machtentfaltung der "
Broligarchen" geht unterdessen weiter. Winand von Petersdorff beschreibt sie auf den Wirtschaftsseiten der
FAZ: "Nvidia-Chef Jensen Huang hatte mindestens
sechs private Treffen mit Trump in diesem Jahr, neben direkten Telefongesprächen, notierte die Zeitung
Financial Times. Trump beantworte SMS zu jeder Zeit, verriet Huang der Onlinepublikation
Axios. Vom Kryptogipfeltreffen im Weißen Haus, einer Reise in die Golfregion (Saudi-Arabien, Qatar, Vereinigte Arabische Emirate) bis zum Bankett mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman - Amerikas Tech-Titanen
waren stets dabei."
Die
KI-Blase wird ohnehin demnächst platzen, prophezeit
SZ-Feuilletonredakteur Felix Stephan unter Bezug auf Thesen des amerikanischen
Kognitionswissenschaftlers und Bestsellerautors Gary Marcus: "Dieser Punkt könnte jetzt schon bald erreicht sein. Zum ersten Mal ist die Verbesserung zwischen dem neuen Chat-GPT-Modell, Chat-GPT 5, zu seinem Vorgänger geringfügiger, als es jeweils die Abstände zwischen den Modellen 2, 3 und 4 gewesen sind. Wenn Marcus recht hat, könnte das bereits der
erste Knick in der Kurve sein. Seither mehren sich auffällig die Stimmen, die auf die Linie von Gary Marcus einschwenken." (Wir erinnern bei solchen Artikeln gern an eine Voraussage von
SZ-Feuilletonredakteurin Sonja Zekri aus dem Jahr 2001, die der
Perlentaucher damals resümierte: "Schon heute dürfte Amazon in die Netz-Geschichte als eines der am stärksten überschätzten Unternehmen eingehen,
ein Riesenbluff...". Mehr
hier)
Ebenfalls für die
SZ hat Philipp Bovermann eine selten benannte Funktion der
boomenden Podcasts entdeckt: "Berühmte Podcaster berichten immer wieder, dass Fans ihnen erzählen, es sei schon komisch, der Stimme jetzt in Fleisch und Blut gegenüberzustehen, die sie
allabendlich als Einschlafhilfe mit ins Bett nehmen."