Befinden wir uns im Zeitalter der
tertiären Oralität?
Tilman Baumgärtel, Professor für Medientheorie an der Hochschule Mainz,
denkt im
Perlentaucher über die Form des "
Reels" nach, die sich allenthalben in den sozialen und den stets folgenden traditionellen Medien durchgesetzt haben: "Reels sind ein Medium, das auf verwirrende Weise Eigenschaften
ganz unterschiedlicher Medienformen zusammenbringt. Meist zeigen sie Menschen, die frontal in die Kamera reden - manchmal in Kabelkopfhörern mit eingebautem Mikro, aus unerfindlichen Gründen gerne in einem Auto sitzend. Oder vor Ort in ein Mini-Mikrofon mit Fellwindschutz. Oder im selbst gebastelten Studio mit Profigerät mit Schwenkarm und Poppfilter. Sie sind - neben Podcasts und Livestreams - die wichtigsten Mittel einer neuen, oralen Kultur, die im Zeitalter der Sozialen Medien
die Schriftkultur zu ersetzen scheint."
Selbst die Trump-Regierung erkennt nun an, dass sie gewisse Sicherheitsvorkehrungen treffen muss, was die
Veröffentlichung neuer KI-Produkte angeht, berichtet Andrian Kreye in der
SZ. Softwares sollen nun staatlich geprüft werden, der Anlass war das neue KI-Modell
Mythos Claude der Firma
Anthropic, das laut der Firma zu gefährlich für die Öffentlichkeit war: "Das neue Modell könne selbstständig Schwachstellen in digitalen Systemen aufspüren und daraus Angriffsketten entwickeln, was es zur Bedrohung mache. Streitkräfte, Regierungen und Banken müssten sich dann darauf einstellen, dass
Cyberangriffe künftig schneller und ohne großen Aufwand vorbereitet werden können." Wie genau die Prüfungsmechanismen aussehen werden, bleibt abzuwarten, aber Kreye sieht eine Bewegung in die richtige Richtung: "Die alte Silicon-Valley-Logik des erst Bauens, dann Reparierens, greift deswegen nicht mehr. Die eigentliche Erkenntnis ist nun: KI ist keine Software. Sie ist eine
Infrastruktur, die man nicht denen überlassen darf, die sie bauen."