Die
SZ bringt eine Seite zum hundertsten Jahrestag der Ermordung
Walther Rathenaus. Jüdische Politiker sind stets von Antisemitismus umstellt, schreibt
Michael Brenner, Professor für jüdische Geschichte und Kultur in München und Washington, Rathenau nützte es nicht, dass er bis zur Selbstverleugnung assimiliert war.
Drei prominente jüdische Politiker wurden in der Weimarer Zeit umgebracht:
Rosa Luxemburg,
Kurt Eisner und Rathenau. "In gewissem Sinn waren die Attentäter langfristig
durchaus erfolgreich. Eisner sollte mit Ausnahme seines Zeitgenossen Paul Hirsch in Preußen der einzige Jude bleiben, der den Titel eines Ministerpräsidenten eines deutschen Flächenstaates trug - und zwar bis heute (lediglich Hamburg hatte als Bundesland mit Herbert Weichmann in den Sechzigerjahren einen jüdischen Bürgermeister). Und nach der Ermordung Rathenaus gab es auch
nie wieder einen jüdischen Politiker von Rathenaus Rang aufs Reichsebene." Und Brenner bennent einen erstaunlichen Umstand in der
deutschen Gegenwart: "In den deutschen Bundesregierungen gab es bis heute
keinen einzigen jüdischer Minister, und im Bundestag saßen in mehr als sieben Jahrzehnten mit Peter Blachstein, Jakob Altmaier und Jeanette Wolff nur drei sich zum Judentum bekennende Abgeordnete."
Thomas Hüetlin, Autor eines
Buchs über den Mord an Rathenau, versucht eine Linie zu ziehen zwischen diesem Mord, der von Erwin Kern geplant wurde, und dem
heutigen Putinismus. "Nicht umsonst fordert Björn Höcke ein sofortiges Ende der Sanktionen gegen Russland. Kern und seine Verschwörer waren eine Art
Avantgarde des Faschismus, der Deutschland später in den Abgrund stürzen sollte, Putin ist der späte Nachfahre solchen Denkens."