Dass das aktuelle Transsexuellengesetz nicht mehr zeitgemäß ist,
liegt für
taz-Autor Jan Feddersen auf der Hand, "weil trans eben nicht als Krankheit zu gelten hat". Das geplante
Selbstbestimmungsgesetz, das es jedem ermöglicht, sein Geschlecht selbst festzusetzen, aber nennt er ein "ein
krass weitgehendes Reformprojekt, so fundamental ausgreifend, das vor allem unter diesem Umstand jetzt schon leidet und das es Konservativen leicht machen wird, es zu deligitimieren und als Top-Down-Vorschrifterei der akademisch orientierten Politiken zu charakterisieren". Die Bevölkerung folgt laut Umfragen diesem Voluntarismus nicht, so Feddersen: "Diese Zahlen sollten vielleicht die Regierung vielleicht alarmieren, die Aktivist*innen und Fellows aber ganz besonders: Eine Reform, die so wenigen Menschen wirklich nützt, aber
so vieles umstülpt - wie soll die akzeptiert werden, nicht nur in woken Kreisen?"
Die Frauenrechtsorganisation "
Terre des Femmes", die sich dem klassischen Feminismus verschrieben fühlt und zum Beispiel gegen Zwangsheiraten und Beschneidung von Frauen engagiert, hat unterdessen letzte Woche eine kritisches "
Positionspapier Transgender, Selbstbestimmung und Geschlecht" zurückgezogen und von der Website
gelöscht. Die Begründung
argumentiert nicht unbedingt inhaltlich: "Dem
Vorwurf der Transfeindlichkeit, der sich insbesondere auf das Positionspapier bezieht, ist inzwischen mit keinem Argument mehr zu begegnen. Solange das Positionspapier öffentlich ist und nicht transparent zurückgenommen wird, wird dieser Vorwurf bleiben. Dadurch wird unser Auftrag - der Einsatz für Frauenrechte -
bis zur Unmöglichkeit erschwert, Kooperationen und wichtige Bündnisse sind und werden aufgekündigt, bereits begonnene Kampagnen können nicht umgesetzt oder müssen abgebrochen werden. Das Thema Transgender und das Positionspapier überschatten alle unsere wichtigen Referatsthemen." Im Google-Cache ist das Positionspapier aus dem Jahr 2020
hier noch zu lesen.
Bei rechtspopulistischen oder -extremen Bewegungen wie etwa unter
rechten Impfgegnern werde die Gefahr regelmäßig zunächst nicht ernst genommen, sagt die Expertin
Pia Lamberty im Gespräch mit Anna-Lena Ripperger in der
FAZ: "Dann gibt es erst einmal Debatten darüber, ob das nicht nur die Ängste und Sorgen der '
normalen Bürger' sind. Dadurch, dass das Ganze nicht eindeutig aussieht wie ein rechtsextremer Protest, wird es in seiner Gefährlichkeit nicht erkannt. Und während die Gesellschaft noch diskutiert, können sich
antidemokratische Räume ausbilden. Das hat man bei Pegida gesehen und jetzt auch bei Corona. Da gab es leider bisher keinen Lerneffekt."