9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.06.2019 - Ideen

Nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke denkt Georg Seeßlen in einem Essay auf ZeitOnline über den politischen Mord nach, der stets ins Herz einer poltischen Kultur treffe: Beim politischen Mord, auch bei der neuen Form des faschistischen Terrorismus, gehe es es immer darum, die Selbstzerstörungsmechanismen einer Gesellschaft in Gang zu setzen, glaubt Seeßlen. Und: Eine Frage allerdings bleibt unbeantwortbar: "Ist es ein Mörder, der sich eine politische Ideologie sucht - oder ist es eine politische Ideologie, die einen Mörder findet? Mit hoher Wahrscheinlichkeit jedenfalls wird niemand als ein politischer Mörder geboren. Zum politischen Mörder wird man gemacht. Der politische Mord trägt seine Begründung wie seine eigene Absolution in sich. Daher kann die Allgemeinheit, mit welchen Affekten sie auch reagieren mag auf die Tat, weder mit Einsicht noch Reue beim Täter oder den Tätern rechnen, wohl aber mit einer dramatischen Aussicht: Die Verhandlung des politischen Mordes später vor Gericht wird in aller Regel noch einmal zur Bühne für die Mörder und ihre Unterstützer."

In der NZZ hat Florian Coulmas die Nase voll vom Diversity-Kult an Universitäten, der vor allem zur Diskriminierung von Studierenden beitrage. Der Begriff entstamme der Betriebswirtschaftslehre, erklärt er: "Diversity Management bedeutet, dass Vielfalt gesteuert werden muss. Marktwirtschaftlich arbeitenden Unternehmen muss daran gelegen sein, dass die Vielfalt ihrer Belegschaft bezüglich Geschlecht, Rasse, Ethnizität, Sprache, Religion, körperlicher Konstitution usw. dem Profitstreben nicht in die Quere kommt. Wenn sich Gruppen bilden, die sich ungerecht behandelt fühlen, nicht miteinander auskommen oder sonst ihre Energie vergeuden, dann muss das Management etwas dagegen tun."

Ebenfalls in der NZZ hält Judith Sevinc Basad ein leidenschaftliches und ganz ironiefreies Plädoyer für den seicht-reaktionären Psychologen Jordan Peterson, der sich nie "frauenverachtend, nationalistisch oder gar rassistisch" geäußert habe, sondern nur von einer aufgebrachten Linken diffamiert werde: "Viele Aktivisten glauben, im Westen herrsche eine patriarchale Dominanzkultur, die seit Jahrhunderten den Rest der Welt und Minderheiten in den eigenen Gesellschaften unterdrücke. Vor allem Schwarze, Homo-, Transsexuelle und Frauen würden aus der Norm ausgegrenzt. Die Lösung erblicken die Aktivisten in der Political Correctness, also in Sprach- und Verhaltensregeln, die darauf zielen, die ausgegrenzten Gruppen vor Diskriminierungen zu schützen oder ihnen durch positive Diskriminierung Wiedergutmachung angedeihen zu lassen. Wer sich diesen Regeln widersetzt, ist in der Welt der PC-Befürworter wahlweise ein Reaktionär, ein Chauvinist oder ein Rassist. Glaubt man Peterson, steckt hinter diesen Regeln nicht der Wunsch nach Gleichstellung, sondern der Wille zur Macht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.06.2019 - Ideen

In der NZZ macht sich Hans Ulrich Gumbrecht die Mühe, den Begriff vom "wütenden weißen Mann" abzuklopfen und auf seine Ursprünge in der französischen Theorie zurückzuführen. Denn es war natürlich Lacan, der uns die Denkfigur beschert hat: "Vernunft = Logik = binäres Denken = männliches Dominanzverhalten = totalitär. Man könnte eine derartige Ansammlung von Umkehrungen, Verwirrungen und Unsinn als brüchiges Kapitel aus der Geschichte der Geisteswissenschaften abtun, wenn nicht speziell dieses Kapitel über das Konzept des Phallogozentrismus der heutigen Formel vom 'angry white man' ihr eigenartiges intellektuelles Prestige verliehe. Kaum zufällig haben feministische Philosophinnen von Rang wie Hélène Cixous, Donna Haraway oder Judith Butler einen weiten Bogen um die Phallogozentrismus-Vereindeutigung gemacht und stattdessen weiter an nichtbinären Geschlechtsunterscheidungen gearbeitet. Doch nur selten haben sie leider auch den Gebrauch jenes bestenfalls unterkomplexen Bildes von den Männern als testosterongeladen-autoritären Monstern explizit kritisiert - wohl aus einem Gefühl geschlechtspolitischer Solidarität, das ihrer Geschlechterphilosophie nicht gutgetan hat. Viel später erst, nämlich mit einer um die Jahrtausendwende aufbrandenden Theoriewelle, die unter den Namen der 'Postcolonial' und der 'Identity Studies' die Verteidigung kultureller Minderheiten auf ihr Banner geschrieben hatte, steigerte sich die Verknüpfung von Logozentrismus und Phallus zu einem auch ethnisch diskriminierenden Stereotyp."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.06.2019 - Ideen

In der NZZ hat der Kulturtheoretiker Jan Söffner ein Problem mit der KI: fehlende Verantwortung, wenn etwas schief geht. Ohne Verantwortung gibt es aber auch keine Ethik mehr. Ein "selbstlernendes Programm würde in etwa so funktionieren wie eine ihre Gesetze bis in den kleinsten Absatz eines Paragrafen selbstgenerierende Verfassungspräambel - ohne legislative Kontrolle durch ein Parlament und ohne menschlichen Richter. Sie käme niemals in die Situation, für die Konsequenzen des eigenen Tuns geradestehen zu müssen, würde in den Konsequenzen ihrer Entscheidungen niemals auf sich selbst zurückgeworfen werden. Künstliche Intelligenz braucht Regeln, kann aber nichts verantworten, sie gehorcht Prinzipien und Maximen, muss aber für keinerlei Folgen einstehen: In dieser extremen Form hätte sich [Max] Weber eine Gesinnungsethik zu seiner Zeit noch kaum denken können."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2019 - Ideen

Wenn er Bücher bei Amazon kauft oder einen Kurzflug bucht, dann tut er das in einem Zustand der "Nichtwachheit", der der Komplexheit unserer Realität geschuldet sei, erklärt der Jesuit und Philosoph Dominik Finkelde in der NZZ: "Sind wir daher - so könnte man fragen - als soziale Wesen notwendig mit einer eigentümlichen Form mentaler Abwesenheit ausgestattet, wie man sie von Zombiefilmen her kennt? 'Warum kann ich nicht mit anderen Menschen interagieren?', fragt in der postapokalyptischen Filmkomödie 'Warm Bodies' aus dem Jahr 2013 der 18-jährige Zombie namens R. 'Ach ja, verdammt, ich bin tot. Ich sollte nicht so hart zu mir sein. Wir sind alle tot.' Der amerikanische Philosoph Daniel Dennett bringt diese Art von Nichtwachheit, unter der R. leidet, mit Kriterien der Evolutionstheorie auf den Punkt. Er spricht von 'competence without comprehension', das heißt von Fertigkeiten, die ohne Verstehenszusammenhänge ausgeführt werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.06.2019 - Ideen

Die FR hat ihre Geburtstagsartikel für Jürgen Habermas online nachgereicht: Hier gratuliert Arno Widmann dem "Weltgeist", "guten Hirten der Bundesrepublikaner" und "Visionär der Demokratie", und hier gratuliert Otfried Höffe dem "deutschen Voltaire".
Stichwörter: Habermas, Jürgen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2019 - Ideen

Im Interview mit Zeit online ist der britische Publizist und linke Theoretiker Paul Mason stolz darauf, ein einzigartiges, freies, vergängliches und vernetztes Schneeflöckchen zu sein - mit einer Vision für eine Gesellschaft nach dem Neoliberalismus: "Ich rede oft auf Investorenkonferenzen über meine Vision: eine Gesellschaft, in der Maschinen den Großteil der Arbeit erledigen und Innovationen schaffen. Wir müssen uns vom marktbezogenen Denken verabschieden und uns auf das Menschliche und die Umwelt konzentrieren." Mit Kommunismus habe das nichts zu tun, denn: "Das postkapitalistische System muss sich spontan selbst reproduzieren können. Diese Funktion erfüllt heute der Markt. Eine Planwirtschaft kann das nicht leisten. Ich glaube, eine freie, spontane und gemeinschaftliche Produktion, eine Art Open-Source-Ökonomie, kann das. Ich bin der festen Überzeugung, nachhaltiger Fortschritt ist nur auf Basis von Freiheit und Demokratie möglich."

In der NZZ ermuntert Hans Ulrich Gumbrecht dazu, die späten Schriften des Medienwissenschaftlers Friedrich Kittler wiederzuentdecken, dessen These zur Entstehung unserer Schriftkultur in der Antike er höchst aktuell findet: "Die Parallelsetzung zwischen Antike und Gegenwart erhellt, wie wir uns im Gebrauch der elektronischen Technik bisher eigentlich allein auf den Pol von Mathematik und Logik konzentriert haben, das heißt auf die Optimierung unseres vernunftzentrierten Verhältnisses zur materiellen Umwelt. So haben Computer unsere Fähigkeit exponentiell verbessert, das Wetter vorherzusagen und uns gegen Wetterkatastrophen zu schützen. Doch so wie Zeus neben dem Blitzeschleuderer auch 'der ungeheure Himmelsglanz' war, haben elektronische Apparaturen das Potenzial, auch unser sinnliches Verhältnis zur materiellen Umwelt zu verändern, jenes Verhältnis, das angesichts der mittlerweile selbstverständlichen Dauerfusion von Software und Bewusstsein gleichsam ausgezehrt ist und zu verschwinden droht."

Der Soziologe Armin Pfahl-Traughber wendet sich bei hpd.de gegen die grassierende Verwendung des Begriffs "antimuslimischer Rassismus". Der Begriff des Rassismus werde verwässert, weil er hier auf ein kulturelles Phänomen angewendet werde. Und der Kultur werde dabei sowohl von Linken wie von Rechten ein überhöhter Stellenwert gegeben: "Beide sprechen von einem Eigenwert, den jede Kultur als Kultur habe. Dagegen soll hier kein Einwand erhoben werden, gegen den damit verbundenen Kulturrelativismus indessen schon. Denn durch diese Grundeinstellung nehmen Menschenrechte nur noch einen niedrigeren Rang ein. Gegenüber der Identität in der Kultur sollen sie hinten anstehen, was auf eine Immunisierung vor Kritik von einschlägigen Verletzungen hinausläuft."

Das SZ-Feuilleton feiert heute auf zwei Seiten den Geburtstag von Jürgen Habermas: Johan Schloemann (hier) und Jens Bisky gratulieren. In der FAZ sekundiert Kollege Jürgen Kaube. Im Kursbuch schreibt Armin Nassehi. In der NZZ macht Angelika Brauer fünf Versuche, mit Habermas zu kommunizieren. In der Welt verbeugt sich Andreas Rosenfelder: "Dass es Jürgen Habermas seit inzwischen 57 Jahren gelingt, als intellektueller Influencer eine Öffentlichkeit zu bespielen, die immer schon (fast) verfallen, verraten und verschwunden ist: Das ist ein Kunststück, das jedem Mut machen muss, der gegen alle Apokalyptik an die Zukunft des Lesens, Schreibens, Redens und vor allem des Denkens glaubt - und also auch daran, dass auch zum hundertsten Geburtstag des Denkers die Feuilletons nur so glühen werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.06.2019 - Ideen

Zu Ralf Dahrendorfs zehntem Todestag erinnert der Soziologe Gernot Volger in der NZZ an den großen Liberalen, der den Deutschen in puncto Modernität nicht viel zutraute: "'Wahrscheinlicher als die Etablierung der Verfassung der Freiheit scheint der moderne Autoritarismus.' In Deutschland sei 'das Syndrom der rückwärtsgewandten Modernität unverändert lebendig'. Das bedeutet: Nimmt man als Kriterien Industrialisierung, Demokratisierung und Bürokratisierung, unterschied sich die Modernität Deutschlands ab Ende des 19. Jahrhunderts nicht von der Englands und der Vereinigten Staaten. Sie unterschied sich in der Weltanschauung der Deutschen im Vergleich zu den beiden angelsächsischen Nationen: dort Fortschrittsoptimismus, hier ängstliche Abwehr der Moderne. Es war vor allem die antiwestliche deutsche Ideologie, die später zu dem Eindruck führte, Deutschland sei zu Beginn des 20. Jahrhunderts weniger modern als die großen westlichen Länder gewesen."

Weitere Artikel: Die Deutschen sind auf dem besten Wege in die Psychose, prognostiziert der Psychologe Holger Richter in der Welt mit Blick auf die zunehmende Rechts-Links-Spaltung der Gesellschaft.
Stichwörter: Dahrendorf, Ralf

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.06.2019 - Ideen

Vor Jürgen Habermas' neunzigstem Geburtstag mehren sich die Gratulationen. In der Welt macht Stephan Schlak klar, dass Habermas kein Theoriegott war, sondern ein intellektuelles Ereignis. Und lässig! "Es zeichnet Habermas' intellektuelle Größe aus, dass er seit über einem halben Jahrhundert neben all dem Ruhm und Preisen so viel Kritik und auch Spöttelei auf sich zieht - und das aus allen Richtungen. Nicht nur die Rechte antwortete Jürgen Habermas, sondern auch die Linke. Selbst die Renegaten, die von links nach rechts wanderten - eine besonders verhaltensauffällige Spezies unter heute publizistisch tonangebenden Achtundsechziger-Intellektuellen -, konnten aus allen Kleidern ihrer alten Weltanschauung steigen; aber in einem blieben sie sich meist treu: im Hochmut gegen Habermas. All die Verdächtigungen und Dämonisierungen der Krakenarme des kritischen Paten ins Feuilleton erzählen von der Verdruckstheit des eigenen juste milieus, das sich stets zu kurz gekommen fühlt. Nirgendwo war das Land so karlsruhisch provinziell wie in den ewigen Aperçus gegen Habermas - dem einzigen deutschen Denker der Nachkriegszeit von Weltrang."

In der taz folgt Jörg Später den Lebensstationen des Philosophen, bleibt aber in sicherer Äquidistanz: "Habermas war und ist ein Denkraumöffner und Stichwortgeber ohne Gleichen, der mindestens so viel Aggression wie Bewunderung auf sich gezogen hat. An Habermas rieben sich früher scholastische Links-Adorniten und deutsche Nationalkonservative, heute beschimpfen ihn Popliteraten und rechte Kulturkämpfer."

Der Kieler Philopsoph Ralf Konersmann erhebt in der NZZ ohne konkreten Anlass mit Albert Camus Einspruch gegen die Maßlosigkeit und die Vorstellung, dass Entgrenzung Freiheit bringe: "Camus nennt das Denken, das gegen den Konformismus der Maßlosigkeit aufbegehrt, 'mittelmeerisch' und teilt diese Intuition mit Paul Valéry. Als Hinterlassenschaft des mediterranen Denkens, hatte Valéry Anfang der dreissiger Jahre geschrieben, bilde das Mass das humane Gegengewicht zum alles mit sich reißenden Absolutismus der Geschichte. Nicht die Geschichte bewahrt die Fülle des Menschseins, sondern das Maß."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2019 - Ideen

Jürgen Habermas wird Neunzig. Die Zeit gratuliert als erste und widmet ihm gleich ihr ganzes Feuilleton - mit Glückwünschen von Kollegen aus aller Welt (nur ein Franzose ist nicht dabei). Agnes Heller würdigt ihn im Interview als "aktiven, denkenden Philosophen": "Jürgen Habermas glaubt an die Rationalität, das ist einfach schön in einer Welt, die von nichtrationalen Instinkten beherrscht wird. Aber mit Habermas' Projekt, die Aufklärung zu radikalisieren oder zu Ende zu führen, hatte ich immer Schwierigkeiten. Welche Aufklärung denn? Um es im Bild des Doktor Faustus zu fragen: Ist die Aufklärung der Teufel, oder ist sie die Erlösung? Habermas gewichtet den Widerspruch innerhalb der Aufklärung nicht, er will ihn im Grunde nicht wahrnehmen. Er ist ein konsequenter Kantianer und Universalist, das bin ich auch. Aber Kant war vorsichtiger als er. Man kann nicht alle Widersprüche versöhnen."

Ivan Krastev fehlte zugegebenermaßen immer das "Ohr für Habermas", aber: "Nachdem die europäische Demokratie in einer Krise steckt und die Notwendigkeit, sie zu bewahren, politisches und intellektuelles Engagement erfordert, ist mir klar geworden, dass man sich zur Verteidigung der demokratischen Regierungsform Europas hinter Jürgen Habermas' Vision von demokratischer Politik stellen muss. So fühle ich mich wie Molières Monsieur Jourdain, als er entdeckt, dass er sein ganzes Leben lang Prosa gesprochen hat, ohne es zu wissen. Während ich dem Denken Dahrendorfs immer noch näher stehe, habe ich in letzter Zeit festgestellt, dass ich als Habermasianer argumentiere."

Weitere Würdigungen kommen unter anderen von Peter E. Gordon, Martin Seel, Zhang Shuangli, Richard J Bernstein, Kenichi Mishima, Rajeev Bhargava, Claus Offe, Andrea Sangiovanni und Seyla Benhabib.

Weiteres: In der NZZ resümiert Marc Neumann die Debatte um den von der Cambridge University entlassenen Sozialwissenschaftler Noah Carl, der einen Zusammenhang zwischen Genen und IQ propagiert und von vererbbaren kognitiven Unterschieden zwischen Bevölkerungsgruppen und Ethnien ausgeht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2019 - Ideen

In der SZ denkt Thomas Steinfeld über das "Volk" nach, das angeblich im Gegensatz zu den "Eliten" steht: "In dieser Radikalisierung gibt sich ein Grundwiderspruch des Demokratischen zu erkennen: Es hat nur Bestand, wenn sich eine deutliche Mehrheit des Wahlvolks in den wesentlichen Anliegen einig ist. Ist es mit der Wertegemeinschaft vorbei, wird offenbar, dass es keine inhaltliche Bestimmung der Demokratie gibt und ihr vielmehr rein mathematische Verhältnisse zugrunde liegen. Anders formuliert: Die Demokratie, im herkömmlichen Sinn begriffen, kann sich nicht verteidigen, wenn der lange Zeit bestehende 'Common Sense' von einer großen Wählergruppe in Zweifel gezogen oder gar bekämpft wird. Sie kann, weil sie sich über den Willen des 'Volkes' definiert, nur mitmachen."

In der NZZ ist Klaus-Rüdiger Mai entsetzt über den undemokratischen Geist, den er an deutschen Universitäten ausmacht: "An den Aktionstagen unter dem Hashtag #wessenfreiheit rufen eine Reihe von Kunsthochschulen ... zu nicht weniger als zur Abschaffung der Freiheit der Kunst auf, wenn sie unterstellen, dass mit der Forderung nach Freiheit in der Kunst die 'Facetten institutioneller und gesellschaftlicher Macht im System Kunst' verdeckt werden, und behaupten, dass '... die sogenannte Freiheit der Kunst zum Freibrief für eine Einschränkung der Freiheit von Frauen in der Kunst' geworden sei. Man muss nur einmal Lenin oder Stalin lesen, um das Muster zu erkennen, um die Sprache zu verstehen, welche die Sprache von Zensoren ist."
Stichwörter: Volk, Demokratie, Kunstfreiheit