9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.02.2021 - Kulturmarkt

Der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) hat vor einigen Tagen eine Gleichstellung von Ebooks und physischen Büchern gefordert. Dagegen wehrt sich Nadja Kneissler, Vorsitzende des Verleger-Ausschusses des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, im Börsenblatt: "Die Forderungen des dbv schaden Autor*innen und Verlagen, denn sie zielen auf eine deutliche Einschränkung ihrer Rechte hin. Der vorgeschlagene Eingriff ins Urheberrecht hebelt die Vertragsfreiheit der Verlage aus und hätte massive Umsatzverluste bei Verlagen, Autor*innen und im Buchhandel zur Folge. Letztlich würden die Bibliotheken einen kostenlosen Parallelmarkt aufbauen, der schnell den bestehenden Markt angreifen und die Existenz von Verlagen und Buchhandlungen gefährden würde."
Stichwörter: Bibliotheken, Ebooks

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.01.2021 - Kulturmarkt

Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis tritt in diesem Jahr ab und hat auf einer Tagung Klartext über die Buchbranche geredet, berichtet der Buchreport. Selbst ein gewisser paradoxer Effekt der heiligen Kuh Buchpreisbindung wird angesprochen: "Das System des festgesetzten Ladenpreises funktioniere auch und werde gut kontrolliert. Aber das Buchpreisbindungsgesetz wolle im Paragraf 6 (3) auch verhindern, 'dass marktmächtige Unternehmen unbotmäßige Margen im Schutz der festgelegten Preise erreichen'. Derzeit sei es 'offensichtlich so, dass der Schutzzweck, nämlich Vielfalt und Kleinteiligkeit zu bewahren, sich ins Gegenteil verkehrt zum Schutz der Marktmacht'." Mit anderen Worten: Gerade die Großen expandieren durch die garantierte Marge.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.12.2020 - Kulturmarkt

Einige Universitätsbuchhandlungen auf Unigeländen in Deutschland werden wegen Corona schließen und nicht wieder öffnen, berichtet Uwe Ebbinghaus in der FAZ. Der Trend ist allerdings nicht neu: "Schon lange vor der Corona-Pandemie hatte sich der digitale Wandel auf dem Fachbuchmarkt bemerkbar gemacht. Viele Dozenten setzen in ihren Veranstaltungen inzwischen Buch-Exzerpte oder Online-Quellen ein. 'Die Beziehung zu Texten ist funktionaler geworden', sagt Hans-Peter Richter, Geschäftsführer eines auf Jura und Wirtschaftswissenschaften spezialisierten Fachbuchverlags. Für viele Studenten ist zudem die Bestellung bei Amazon geradezu selbstverständlich geworden. Diese Entwicklung brachte in den letzten Jahren schon Traditionsgeschäfte wie Luce auf dem Bielefelder Campus zum Aufgeben."
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Stichwörter: Buchhandel, Corona, Pandemie

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2020 - Kulturmarkt

Trotz Lockdown kurz vor Weihnachten wird die Buchbranche wohl recht unbeschadet durch die Coronakrise kommen, meint Gerrit Bartels im Tagesspiegel: "Allein schon, weil laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels die erste Dezemberwoche umsatztechnisch fast sechs Prozent über dem des Vorjahres lag und auch die Dellen nach dem ersten Lockdown im Frühjahr im Sommer und Frühherbst ganz gut ausgeglichen werden konnten. Von einer 'Aufholjagd' sprach der Börsenvereinsgeschäftsführer Alexander Skipis in diesem Zusammenhang."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.12.2020 - Kulturmarkt

Die Frankfurter Buchmesse schließt das "German Book Office" in New York, meldete schon am Donnerstag der Buchreport: "Das German Book Office wurde 22 Jahre lang unterhalten und war 2017 in Frankfurt Book Fair in New York umbenannt worden. Die Dependance kümmerte sich um den Verkauf von Ausstellungsflächen in Frankfurt an Verlage des weltgrößten Buchmarktes und um die Teilnahme nordamerikanischer Literaturagenten am 'Literary Agents & Scouts Center' (LitAg) in Frankfurt. Diese Markt-Aktivitäten sollen künftig von Mitarbeitern in Frankfurt übernommen werden. Das New Yorker Büro hat sich in der Vergangenheit auch um die Unterstützung von Buchübersetzungen aus dem Deutschen sowie um Lektorenreisen nach Deutschland und verschiedene Kulturveranstaltungen gekümmert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.12.2020 - Kulturmarkt

Die durch das Streaming wieder erstarkte Musikindustrie geht wieder auf Einkaufstour. UMP, die Verlagssparte des Mediengiganten Universal, hat sich die Rechte an Bob Dylans Kompositionen und Texten gesichert, berichtet Volker Briegleb bei heise.de: "UMP macht keine Angaben dazu, wie viel Geld das Unternehmen für diese in Streaming-Zeiten besonders attraktiven Rechte bezahlt. Laut einem Bericht der New York Times wird das Paket auf über 300 Millionen US-Dollar (rund 250 Millionen Euro) geschätzt. Der 79-jährige Folk-Rock-Pionier Dylan zählte bisher zu den wenigen Künstlern, die den Großteil der Rechte an ihrem Werk selbst kontrollieren."

"Der Deal ist der jüngste und auffälligste im brummenden Markt der Musikkataloge", schreibt Ben Sisario im angesprochen New-York-Times-Artikel. "Jüger und ältere Künstler haben ihre Songs verkauft, während Verleger und Investoren Milliarden Dollar von Unternehmen und Privatpersonen eingesammelt haben, um Autoren zu überzeugen, sich von ihren Werken zu trennen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2020 - Kulturmarkt

Jan Wiele blickt in der FAZ auf das Corona-Jahr aus der Perspektive der Buchbranche zurück und hat mit einigen Verlegern gesprochen. Der erste Lockdown sei eine Katastrophe gewesen, sagt etwa Wolfgang Hörner von Galiani: "Allerdings erwartet Hörner für das gesamte, 'wirklich anstrengende Jahr' überraschenderweise ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr, denn der Verlag habe 'gerade eine ziemliche Aufholjagd' hingelegt. Anderen Häusern ging es ähnlich. Andreas Rötzer, Verleger bei Matthes & Seitz, sagt: 'Wir fielen im März und April in ein Loch mit knapp unter sechzig Prozent unseres normalen Umsatzes. Aber davon haben wir uns sehr schnell wieder erholt.' Wichtig war die Zeit nach dem ersten Shutdown, denn im Sommer habe der Verlag eine Art Weihnachtsgeschäft gemacht, so dass er schnell wieder auf dem Niveau des Vorjahres angekommen sei."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2020 - Kulturmarkt

Bertelsmann will nicht nur den Verlag Simon & Schuster übernehmen (Unser gestriges Resümee), sondern auch eine neue Digital-Plattform für seine Medieninhalte entwickeln, weiß Kai-Hinrich Renner in der Berliner Zeitung: "Ein Portal, wie es die Now GmbH entwickelt, wäre einzigartig, vergleichbar vermutlich nur mit Amazon, wo auch digitale Inhalte aller Mediengattungen erhältlich sind. Einen gewichtigen Unterschied gibt es jedoch: Amazon vertreibt vor allem Medieninhalte Dritter. Dort, wo der US-Konzern eigene Inhalte anbietet, wie etwa Serien auf Amazon Video, muss er sie für sein Portal extra produzieren. Dagegen soll die Plattform der Now GmbH fast ausschließlich Bertelsmann-Inhalte anbieten, die es bereits gibt und die sich großenteils bereits monetarisiert haben."

Der Verkauf von Simon & Schuster an Bertelsmann gefährdet die "Bibliodiversität" auf dem Buchmarkt, sagt Verleger Stefan Weidle im Dlf-Gespräch mit Miriam Zeh. Vor allem die Literaturagenturen seien betroffen: "'Die haben jetzt einen Player weniger.' Weil die Rechte an kommerziell erfolgreichen Autorinnen und Autoren in der Regel in verdeckten Versteigerungsrunden dem zahlungskräftigsten Verlag zugesprochen werden, gehen hier zum Teil horrende Summen über den Tisch. 'Dabei fehlt jetzt einer. Simon & Schuster wird kein Gebot mehr gegen Penguin Ramdom House abgeben', so Weidle. Auf dem US-amerikanischen Buchmarkt, seinem wichtigsten Auslandsmarkt, stärkt Bertelsmann seine Präsenz damit erheblich. 'Die können im Grunde Marktpreise diktieren, wenn sie das wollen.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2020 - Kulturmarkt

Der Verlag Penguin Randomhouse, schon jetzt der bei weitem größte der Welt, kauft Simon & Schuster, meldet die New York Times: "Penguin Random House, der größte Buchverlag in den Vereinigten Staaten, ist im Besitz des deutschen Medienkonzerns Bertelsmann. Mit Simon & Schuster, dem drittgrößten Verlag, würde ein Buchgigant entstehen, eine Kombination, die kartellrechtliche Bedenken auslösen könnte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2020 - Kulturmarkt

Die Geschäfte der digitalen Frankfurter Buchmesse scheinen gar nicht so schlecht zu laufen, weiß Felix Stephan in der SZ, aber intellektuelle Debatten oder gesellschaftliche Fragen werden so nicht aufgeworfen: "Der Preis für diese tabellarische Scheingewissheit besteht darin, dass das Buch seine Rolle als Leitmedium gesellschaftlicher Selbstverständigung einbüßt und sich die Buchbranche von der Öffentlichkeit entkoppelt. Wie das aussieht, führt der US-amerikanische Buchmarkt vor: Die Geschäfte laufen, internationale Megabestseller wie zuletzt Michelle Obamas Autobiografie machen Aktionäre glücklich, spektakuläre Übernahmen bringen hochprofitable Verlagskonzerne hervor... Mit einem kontinentaleuropäischen Verständnis von Öffentlichkeit, von kritischem Geist und intellektuellem Bewusstsein hat das nicht besonders viel zu tun."

In der FAZ berichtet Andrea Diener ein wenig erschöpft von vier Tagen virtuellen Messebetriebs: "In der Praxis stellte sich aber heraus, dass es einem nur bedingt guttut, stundenlang auf viergeteilte Bildschirme zu starren, in denen Köpfe mit knarzenden Mikros Zahlen referieren. Ja, die Inhalte werden nach wie vor verhandelt, die Arbeit ist die gleiche geblieben, aber der ganze Spaß fehlt." Die kümmerlichen Reste der realen Buchmesse haben ihren FAZ-Kollegen Kai Spanke dagegen nur deprimieren können: "Präsenz - das ist die theoretisch längst bekannte, nun aber körperlich spürbare Lektion - bedeutet mehr als bloße Anwesenheit. Es handelt sich um ein im besten Sinne aufdringliches Miteinander, das aus bloßen Begebenheiten Ereignisse macht. Allerdings funktioniert das nur mit Rummel und Gerempel. Diesmal kann man auf den Gängen der Festhalle dem Nichts beim Nichten beiwohnen. In der taz schickt Ulrich Gutmair Eindrücke. Welt-Kritikerin Mara Delius fehlen irgendwie "das Reden, das Lästern, die zufälligen Begegnungen, schönen Entdeckungen und plötzlichen Peinlichkeiten".