9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.07.2020 - Kulturmarkt

Die Frankfurter Buchmesse zeigt, wie lang eingeübte Rituale und fest gefügte Institutionen durch die Coronakrise kräftig in Frage gestellt werden - Sandra Kegel dröselt das Choas im Leitartikel für die FAZ auf. Sämtliche großen Konzernverlage werden nicht mit Ständen auf der Messe sein. Bei anderen wichtigen Häusern wie Hanser, Suhrkamp oder Klett-Cotta stehe die Zusage noch aus: "Als wäre dies nicht genug, wurden dieser Tage Pläne publik, wonach die Buchmesse vom nächsten Jahr an gemeinsam mit der Musikmesse und Gaming-Anbietern in einem Kreativfestival nach dem Vorbild des Popkultur-Treffens 'South by Southwest' im texanischen Austin aufgehen sollte. Ein Aufschrei ging durch die Buchbranche, woraufhin die Pressekonferenz, bei der Oberbürgermeister Peter Feldmann die Pläne vorstellen wollte, wieder abgesagt wurde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.06.2020 - Kulturmarkt

"Gut gezählt ist halb verwaltet", weiß Petra Kohse in der FR und blickt auf die von der Bundesregierung beauftragte Studie "Frauen und Männer im Kulturmarkt" (mehr hier), derzufolge es 719.106 selbstständig Tätige im Kulturbereich gibt, knapp die Hälfte sind Mini-Selbstständige, verdienen also nicht mehr als 17.500 Euro im Jahr, wie Kohse erklärt: "Rund 100.000 dieser Selbstständigen sind als Künstler und Publizisten in der KSK versichert. Was nicht heißt, dass es nur 100.000 Künstler und Publizisten im Land gäbe. Wer tatsächlich brotlos ist, darf hier nicht rein, wer das meiste Geld im Ausland verdient, auch nicht. Bestverdiener unter den KSK-Versicherten sind die Librettisten mit 49.000 Euro jährlich, also gut 4.000 Euro im Monat brutto. Am wenigsten verdienen die Konzeptkünstler, die kaum mehr als 900 Euro im Monat mit ihrer Arbeit einnehmen - und lediglich etwas weniger als diese Summe hinzuverdienen dürfen, wenn sie ihren Versichertenstatus als hauptberufliche Künstler nicht verlieren wollen. Librettistinnen übrigens bringen es nur auf etwa 1.125 Euro im Monat. Haben sie weniger Ideen, werden sie weniger beschäftigt oder von den Opernhäusern übers Ohr gehauen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2020 - Kulturmarkt

Bei Hachette  gibt es einen Aufstand wegen J.K. Rowling, berichtet Sam Greenhill in der Daily Mail (unsere Resümees zur Debatte). Mitarbeiter drohen mit Streik, um gegen J.K. Rowlings Kritik an Transgender-Diskursen zu protestieren: "Gestern morgen sollen einige Mitarbeiter, die mit Rowlings neuem Kinderbuch 'The Ickabog' befasst sind, ihre Rebellion in einem erregten Meeting koordiniert haben. Eine Quelle sagt: 'Das Team in der Kinderbuchabteilung hat angekündigt, nicht länger an dem Buch arbeiten zu wollen.' Sie seien gegen Rowlings Äußerungen und wollten ihre Unterstützung für die Trans-Lobby zeigen. Das Team sei sehr 'woke', meist zwanzig oder knapp dreißig Jahre alt und fühle sich durch das Thema stark berührt."

Wie sich die Coronakrise in Berlin auf freie Künstler auswirkt, schildert Kevin Hanschke in der FAZ unter anderem am Beispiel der Künstlerin Heidi Sill: "Sie lebt momentan von einem befristeten Stipendium im Rahmen einer Residency der Kulturstiftung Schloss Wiepersdorf. Dies sei ein großes Glück, sagt Sill, denn ihr sind durch den Lockdown viele Aufträge weggebrochen. Während sie in den letzten Jahren im Durchschnitt an fünfzehn Ausstellungen teilgenommen hat, konnten ihre Arbeiten in diesem Jahr nur bei einer Schau gezeigt werden. Nicht nur das Wegbrechen des Marktes bereite ihr Sorgen, sondern auch der Wegfall jeglicher Vernetzungsmöglichkeiten in der Kunstwelt."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2020 - Kulturmarkt

Ab 1. Juli sollen die Mehrwertsteuersaätze von 7 auf 5 und von 19 auf 16 Prozent sinken. Die Maßnahme gilt bis 31. Dezember. Für die Buchbranche ist das allerdings eine höchst knifflige Aufgabe, unter anderem wegen der Buchpreisbindung, kommentiert das Börsenblatt. "Das offensichtliche Dilemma: Viel Aufwand, mutmaßlich keine verkaufsfördernde Wirkung einer Preissenkung um 20 oder 40 Cent, aber ein drohender politischer Schaden, wenn die ganze Buchbranche gut erkennbar den Mehrwertsteuer-Bonus für sich vereinnahmt. Der Freundeskreis der Preisbindung würde wohl nicht wachsen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.06.2020 - Kulturmarkt

In seiner Not sollte Frankfurt zu Leipzig werden, meint FAZ-Literaturkiritiker Tilman Spreckelsen in einem im Leitartikel auf Seite 1 der Zeitung. Thema ist die Buchmesse, bei der die großen Verlage - zumindest die großen Konzernverlage - durch die Bank abgesagt haben. Da wird es vor allem auf eins ankommen, so Spreckelsen: "auf die Veranstaltungen in der Stadt, auf viele Lesungen vor einem sicherlich jeweils überschaubaren Publikum, die zusammen aber einem Hunger nach direkter Begegnung mit Autoren und Büchern Rechnung tragen, der sich nicht zuletzt nach den Absagen von Leipzig und Köln aufgebaut hat. Die Messe wäre gut beraten, sich in diesem Jahr als ein Lesefest zu verstehen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.05.2020 - Kulturmarkt

Die Frankfurter Buchmesse soll stattfinden (unser Resümee) Eine "Messe auf Abstand" ist allerdings ein Widerspruch in sich, konstatiert Richard Kämmerlings in der Welt. Auf die Branchenpartys kann man noch verzichten, aber die Begegnungen in Verlagswesen und Buchhandel sind gerade jetzt wichtig, schreibt er: "Da genau das seit Monaten wegfällt und zusätzlich die Vertriebskanäle verstopft sind, wächst der Druck im Kessel. Neuerscheinungen werden massenhaft verschoben, mit Investitionen in Vorschüsse ist man in den Verlagen zurückhaltend. Der internationale Geschäftskreislauf erlebt eine Arterienverkalkung, die Titelzahlen werden reduziert, potenzielle Bestseller für bessere Zeiten zurückgehalten. Man zieht den Kopf ein und wartet ab. Im Ringen um die Frankfurter Buchmesse bündeln sich all diese Entwicklungen. Fällt sie aus, wird die Verlängerung der Durststrecke manifest."

Sehr dramatisch klingt vor diesem Hintergrund allerdings die Meldung im Buchreport: "Die Entscheidung, die Frankfurter Buchmesse in diesem Herbst in deutlich abgespeckter Form auszutragen, wird von großen deutschen Verlagen offenkundig nicht mitgetragen. So werden die marktführenden deutschen Publikumsverlage in diesem Herbst keine Stände in den Messehallen aufbauen." Fehlen werden offenbar die größten deutschen Verlage: die Verlagsgruppe Randomhouse (unter anderen Goldmann, Heyne, Blanvalet, Penguin, Luchterhand, DVA, Der Hörverlag) und die Verlage der Holtzbrinck-Gruppe (Rowohlt, S. Fischer, Droemer Knaur, Kiepenheuer & Witsch) sowie die deutschen Bonnier-Verlage (Ullstein und andere).

Andreas Platthaus informiert in der FAZ über einige interessante Hintergründe: Selbst bei einer Absage der Buchmesse müssten Verlage, die sich bis zum 31. Januar hatten anmelden müssen, fünfzig Prozent der Standmiete bezahlen. Die Messe hat auf diesen Anspruch dann zwar verzichtet: "Aber damit wurde es nun existenzgefährdend für die Frankfurter Veranstaltung selbst. Das wird ein wichtiger Faktor gewesen sein bei der nun verkündeten Entscheidung, die nächste Buchmesse tatsächlich stattfinden zu lassen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.05.2020 - Kulturmarkt

"Die Frankfurter Buchmesse 2020 (14.-18. Oktober) findet statt - als physische Messe mit einem digitalen Rahmenprogramm", meldet das Börsenblatt: "Grundlage für die Durchführung der 72. Frankfurter Buchmesse auf dem Messegelände ist ein detailliertes Gesundheits- und Hygienekonzept, das die dann geltenden Schutzverordnungen des Landes Hessen umsetzt und die Sicherheit der an der Messe teilnehmenden Besucher*innen, Aussteller*innen und Mitarbeiter*innen gewährleistet." Die Messe soll aber deutlich kleiner werden, ergänzt der Buchreport.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.05.2020 - Kulturmarkt

Bücher können kaum noch nach Amerika geschickt werden und umgekehrt, meldet das Branchenmagazin Buchmarkt: "Die Corona-Pandemie verursacht aktuell beim Versand von Paketen und Briefen ins Ausland deutliche Probleme. Nach Angaben des Weltpostvereins sei das globale Postnetz sogar 'kollabiert'.  Grund für die starken Einschränkungen seien Annahmestopps von Zielländern, aber auch Grenzkontrollen sowie mangelnde Transportkapazitäten in Flugzeugen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2020 - Kulturmarkt

Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) hat Insolvenz angemeldet, berichtet der Buchreport: "Anfang 2013 war der Börsenverein eine Partnerschaft mit der GVU eingegangen. Der Auftrag: Die GVU sollte im Sinne der Rechteinhaber illegale Kopien von E-Books im Internet aufspüren, strafrechtlich gegen die Betreiber entsprechender Websites vorgehen und generell für die Belange der Branche trommeln. Mehrfach stand die Kooperation jedoch auf der Kippe, weil man sich zwar auf inhaltlicher Ebene einig war, es jedoch an der Finanzierung haperte. Das entsprechende Budget sollten die Verlage bereitstellen, die sich allerdings mit Beitragszahlungen schwertaten."
Stichwörter: Urheberrecht

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2020 - Kulturmarkt

Die Branche der Konzertveranstalter steht nicht mehr am Abgrund, sie schwebt schon drüber, wenn man Benjamin Fischer im Wirtschaftsteil der FAZ glaubt, der mit dem Berliner Veranstalter Thomas Spindler gesprochen hat: "Seit Mitte März gibt es so gut wie keine Konzerte mehr. Die Live-Branche steht still. Die Diskussionen über eine mehr oder weniger sachte Öffnung einzelner Wirtschaftsbereiche geht an ihr vorbei. 'Wir waren als Erstes getroffen und werden wohl mit als Letztes wieder halbwegs normal unsere Arbeit machen können', sagt der Berliner. Mit dem Beschluss von Bund und Ländern, Großveranstaltungen bis mindestens 31. August zu untersagen, wurde Mitte April auch Klarheit für den lukrativen Festivalsommer geschaffen: Absagen folgten umgehend."
Stichwörter: Coronakrise