9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.02.2020 - Kulturmarkt

Das Börsenblatt resümiert eine Diskussionsveranstaltung, bei der sich die Verlagsmanagerin Siv Bublitz (Leiterin der Fischer-Verlags) gegen Subventionen für die Branche aussprach: "'Bücher sind Wirtschaftsgut und Kulturgut - beides kann und muss man in Einklang bringen. … Literatur nur auf Subventionsbasis entstehen zu lassen, da sehe ich das Risiko der politischen oder anders gearteten Abhängigkeit', so Bublitz ... Sie warnt auch davor, dass die Verlagsbranche 'wie andere kulturelle Sparten ihr komplettes System auf die staatliche Subventionierung bauen und die eigene wirtschaftliche Verantwortung aufgeben.' Gefahr sieht sie - auch in Anbetracht historischer Hintergründe - vor allem bei einem Wandel des politischen Klimas."

Kaum hatte sich erwiesen, dass die Verlegerbeteiligung an den Einnahmen der VG Wort von den Gerichten als unbillig angesehen wurde (Der Jurist und Perlentaucher-Autor Martin Vogel hatte mit seinen Klagen dagegen in allen Instanzen gesiegt), wurde sie im Rahmen der europäischen Urheberrechtsreform wieder eingeführt. Nun liegt ein "Diskussionsentwurf" der Bundesregierung zur deutschen Ausgestaltung vor. Die Verleger sind nicht damit zufrieden, dass sie grundsätzlich nur eine Quote von einem Drittel abbekommen sollen, berichtet der Buchreport: "Der Börsenverein fordert dagegen, diese 'neuartige' Vorschrift ersatzlos zu streichen. Der Gesetzgeber würde damit erstmals in die langjährig geübte Autonomie der Verwertungsgesellschaften bei der Aufstellung von Verteilungsplänen eingreifen. Die paritätisch besetzten Gremien würden durch den 'paternalistischen Eingriff' des Gesetzgebers entmündigt. Auch wenn bereits in der Vergangenheit die Urheber bei den meisten Verteilungsschlüsseln mindestens zwei Drittel der Ausschüttungen erhalten haben, sei ein wesentlicher Nachteil einer gesetzlichen Regelung, dass sie undifferenziert sei und nicht in allen Fällen sachgerecht. Beispiel Schulbuch, wo wesentliche Leistungen (wie Konzept und staatliche Zulassung von Lernmedien) durch die Verlage erbracht würden." Stellungnahmen von Schriftstellern und Übersetzerinnen sind hier resümiert.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.02.2020 - Kulturmarkt

Das Smartphone habe bei vielen Kindern längst das Buch ersetzt, diagnostiziert Medienforscher Frederik Weinert im Gespräch mit Kai-Uwe Vogt von buchreport.de: "Ich muss die Smombies aber in Schutz nehmen. In vielen Spielen ist Textverständnis gefragt, sonst können die Aufgaben, auch genannt Quests, nicht gelöst werden. Außerdem entwickeln die Kids ihre eigene Jugendsprache, schreiben sich lange Nachrichten über WhatsApp und beteiligen sich an politischen Diskussionen in Internetforen. Ich bin der Meinung, dass gerade im Deutschunterricht mehr mit dem Smartphone gearbeitet werden muss, um Poesie und Kurzgeschichten zu verfassen oder Auszüge aus Büchern direkt am Smartphone zu lesen."
Stichwörter: Buchmarkt

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.02.2020 - Kulturmarkt

Der Mann von Welt Florian Illies ist bekanntlich nach einem Jahr als Rowohlt-Chef getürmt. Nun probiert der Holtzbrinck-Verlag, zu dem Rowohlt wie auch Fischer oder Kiepenheuer und Witsch gehört, ein anderes Modell: die Verlagsmanagerin Nicola Bartels, die von Randomhouse kommt. Dort sind die Verlage nur noch Labels, schreibt SZ-Literaturredakteurin Marie Schmidt. Die Holtzbrinck-Verlage waren dagegen von Verlegern geprägt. Ein nurmehr historisches Modell? "Heute dagegen, sagte Nicola Bartels kürzlich in einem Interview, müsse es für Lektoren darum gehen, 'bei potenziellen Buchprojekten zwischen der eigenen Perspektive und der Nachfrage durch die Zielgruppe zu unterscheiden'. Allem Anschein nach ist es also das, was eine Verlegerin heute besonders glaubwürdig macht: betont uneitler Marktrealismus. "
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.01.2020 - Kulturmarkt

Die Manager von Stars wie  Rammstein, Helene Fischer, Sarah Connor, Peter Maffay, Marius Müller-Westernhagen, Kelly Family, Silbermond und Prinzen haben sich zusammengetan und fordern die Bosse der Plattenindustrie auf, den Musikern bessere Konditionen beim Streaming ihrer Musik zu geben, berichtet Marcus Theurer im Wirtschaftsaufmacher der FAS. Die Vertriebskosten aus dem CD-Zeitalter sind schließlich längst weggefallen. "Bei vielen Musikern kommt vom Geldregen aus der Streaming-Wolke wenig an. Zwar reichen Spotify und Co. typischerweise rund 70 Prozent ihrer Einnahmen an die Rechteinhaber weiter. Doch den größten Teil davon bekommen nicht selten die Plattenfirmen. Die Musiker kriegen dagegen häufig nur einen kleinen Anteil ab. Insider rechnen vor, dass die Musiker von einem monatlichen Abo-Entgelt von 10 Euro, das ein Streamingkunde zum Beispiel an Spotify zahlt, nur gut 50 Cent erhielten - manchmal auch noch weniger. In den Kassen der Plattenfirmen landeten dagegen rund 3 Euro."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.01.2020 - Kulturmarkt

Erdbeben bei Rowohlt. Nach gerade mal einem Jahr als Verlagschef hört Florian Illies wieder auf, für den sehr brutal die beliebte und erfolgreiche Barbara Laugwitz abserviert wurde. Unter anderen meldet dies Mara Delius in der Welt, ohne sagen zu können, wer hier wem zu viel zugetraut hat. Was für eine peinliche Party!, ruft dagegen Sandra Kegel in der FAZ und erinnert noch einmal an Illies' gefeierten Einzug: "Von Holtzbrinck wurde das vorausschauend eingefädelt, mit Verträgen, die lange zuvor unter Dach und Fach waren, und einer Pressearbeit, die es möglich machte, dass Volker Weidermann vom Spiegel nicht nur den spektakulären Wechsel an der Spitze von Rowohlt 'exklusiv' vermelden konnte, sondern gleich auch die Lesart mitgab: Gute Entscheidung! Weil? Laugwitz sei eben nicht präsentabel, 'zu geringe öffentliche Präsenz', und außerdem 'ohne klares verlegerisches Profil'. Während er, Illies, das schon schaukeln werde. So kann man sich irren. Das Fatale ist, dass jetzt alle beschädigt sind. Laugwitz, Rowohlt, Holtzbrinck, Illies."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.12.2019 - Kulturmarkt

Hubert Spiegel beschreibt in der FAZ die Marktmacht des Riesen Momox auf dem Gebrauchtbuchmarkt. Selbst zu Weihnachten läuft der Laden: "Wer ein gebrauchtes Buch unter den Weihnachtsbaum legt, riskiert zumindest ein Stirnrunzeln beim Beschenkten. Doch die soziale Ökonomie des Schenkens hat sich verändert. Das gebrauchte Konsumgut ist längst nicht mehr zwangsläufig ein Indikator für den sozialen Abstieg, es hat das Stigma der Einkommensschwäche abgeschüttelt und das Gütesiegel der Nachhaltigkeit übergestreift."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.12.2019 - Kulturmarkt

Nach einem Urteil des europäischen Gerichtshofs dürfen gelesene E-Books nicht weiterverkauft werden, meldet der Tagesspiegel mit dpa: "Es argumentierte, das Interesse der Rechteinhaber, angemessen vergütet zu werden, würde durch das fragliche Vorgehen deutlich stärker beeinträchtigt als im Fall gedruckter Bücher. Der Zustand digitaler Kopien werde durch den Gebrauch schließlich nicht schlechter. Auf dem Second-Hand-Markt seien sie folglich perfekter Ersatz für neue Exemplare."
Stichwörter: E-Books

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.12.2019 - Kulturmarkt

Ab heute werden Ebooks nur noch mit sieben Prozent besteuert und damit gedruckten Büchern gleichgestellt, schreibt Wolfgang Tischer im Literaturcafé. Darum "verdienen die Verlage und somit auch Autorinnen und Autoren mehr Geld - zumindest theoretisch. In den meisten Verlagsverträgen werden die E-Book-Tantiemen auf Basis des Nettoverlagsabgabepreises berechnet, also dem Betrag, den der Handel den Verlagen zahlt... Autoren sollten also bei der nächsten Verlagsabrechnung einmal genau nachsehen, ob bei E-Book-Verkäufen mehr übrigbleibt. Illusionen auf einen markanten Mehrverdienst sollte man sich aber nicht machen."
Stichwörter: Ebooks

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.12.2019 - Kulturmarkt

Seit die Buch-Zwischenhändler Libri und KNV immer mehr kleine Verlage aus ihrem Sortiment werfen, sind deren Bücher kaum noch zugänglich, obwohl sie eigentlich lieferbar sind, berichtet Carla Neuhaus im Tagesspiegel. Für die Verlage ist das eine Katastrophe, aber auch die Sortimenter haben zu kämpfen, wie man schon an der Insolvenz von KNV im Frühjahr ablesen konnte: "Die Marge in ihrem Geschäft sei 'schon lange rückläufig', heißt es auf Anfrage. Die Zwischenhändler verdienen also pro ausgeliefertes Buch immer weniger. 'Dazu trägt auch die Buchpreisentwicklung bei, die nicht mit den Kostensteigerungen für Personal und Transport Schritt hält', schreibt Libri. Wohl auch mit Blick auf die Insolvenz des Konkurrenten hat das Unternehmen reagiert und Bücher, die sich schlecht verkaufen, aus dem Sortiment genommen. Das trifft insgesamt ein Viertel des Angebots: Statt einer Million Titel hat Libri nun nur noch 750 000 auf Lager."
Stichwörter: Libri, Knv, Sortimenter

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2019 - Kulturmarkt

Im FR-Interview mit Claus-Jürgen Göpfert spricht Verleger Klaus Schöffling über den Erfolg von Katzenkalendern, soziale Medien und den Anspruch, vergessene und verfolgte AutorInnen zu verlegen: "Oft waren die Autoren tatsächlich entweder tot oder in der Emigration, weit weg in den USA, selbst in China. Und nach dem Ende des Faschismus waren die Emigrierten die Unbequemen. Sie kamen zurück und haben Forderungen gestellt. Oder sie wussten Sachen zu erzählen, die in der jungen Bundesrepublik nicht so gerne gehört wurden. Viele der Emigranten haben keinen Anschluss mehr gefunden an die neue Gesellschaft. Es gab außerdem eine nachgewachsene junge Literatur in Deutschland, die sich etwa in der Gruppe 47 organisierte. Die wollten mit der Literatur der Emigration nichts zu tun haben und wussten auch oft gar nicht, um welche Personen es da ging."