9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Kulturmarkt

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.06.2025 - Kulturmarkt

Christiane Knödler greift in der SZ eine Debatte auf, die der Autor und Illustrator Michael Mantel angestoßen hat: Dieser hatte bemerkt, dass sich bei Amazon, aber auch in den Online-Shops von großen Buchhandlungen viele Kinderbücher fanden, die offensichtlich KI-generiert waren - die Inhalte ähnelten sich, waren ziemlich flach, die Autorennamen ließen sich nicht zurückverfolgen. Mit bestimmten Techniken kann man die Bücher weit oben auf Bestsellerlisten erscheinen lassen, so Knödler, wo sie dann scheinbar gleichrangig neben Klassikern stehen. Grund zur Panik sei das aber nicht: "Der Umgang mit KI in der Literatur ist eine Herausforderung. Im besten Fall führt sie zur Rückbesinnung auf Qualität. Dann stärkt sie die Rolle der Experten, die Qualität erkennen und vermitteln, die der Bibliothekare, Buchhändlerinnen, Kritiker und Kritikerinnen. Und sie stärkt die Rolle der Verlage. Schließlich nehmen die für sich in Anspruch, Gatekeeper zu sein, Wertvolles von Schlechtem zu trennen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2025 - Kulturmarkt

Von den zahlreichen Dekreten und Verordnungen Donald Trumps zielen einige auch auf Kulturinstitutionen. Trump hat das Ende der staatlichen Förderung von Inklusionsmaßnahmen verkündet. Öffentliche Sender haben mit Bedauern die Schließung der vom Staat geförderten entsprechenden Abteilungen bekanntgegeben, berichtet Sebastian Mollin in der wochentaz. "Eigenartig still blieb es derweil im Verlagswesen, obwohl die US-amerikanischen Buchverlage im Sog der Ermordung von George Floyd und dem Wiederaufblühen der Black-Lives-Matter-Bewegung sehr aggressiv ihre Diversitätsanstrengungen vorangetrieben hatten. Es gab keine Bekanntmachung der 'Big Five'-Verlage zu einer neuen Linie oder eine Stellungnahme zu Trumps Verordnung. In der Branchenpresse war nichts zu dem Thema zu lesen. Von etwaigen internen Memos wurde auch nichts bekannt. Dan Sinykin, der an der Emory University von Atlanta über das Verlagswesen forscht, sprach von einer gespenstischen Stille... Wie bei vielen Kultureinrichtungen ist im Verlagswesen der Inklusionsenthusiasmus, der nach 2020 um sich griff, in eine Art Verdruss umgeschlagen. Insbesondere die Verlage haben längst ihre Praktiken reduziert, ohne von Trump dazu gezwungen zu werden."
Stichwörter: Verlagswesen, Inklusion, USA

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.01.2025 - Kulturmarkt

Der Autor T.C. Boyle hat in Deutschland mehr Erfolg als in den USA. Der Hanser-Verlag wird nun nicht mehr nur die deutschen Rechte auf seine Romane erwerben, sondern ihn auch zugleich auf Englisch herausbringen. Hintergrund ist die Globalisierung des Buchmarkts, erklärt Verleger Jo Lendle im Gespräch mit Adam Soboczynski in der Zeit: "Im Buchladen standen die englischsprachigen Bände früher in einem versteckten Regal, heute liegen sie auf dem Tisch am Eingang. Sally Rooney verkauft sich hierzulande besser auf Englisch als auf Deutsch. Von Boyles vorigem Roman 'Blue Skies' haben wir 120.000 Exemplare in Dirk van Gunsterens brillanter Übersetzung verkauft, vom Original wurden im deutschsprachigen Raum immerhin 25.000 Bände abgesetzt. Das hat uns angestachelt, etwas Neues zu probieren - warum drucken wir nicht eine eigene englischsprachige Ausgabe und vertreiben sie in ganz Europa?" Dass er damit englischsprachigen Verlagen Konkurrenz macht, verschweigt Lendle nicht. Auf die Frage, weshalb US-amerikanische Verlage Interesse daran haben sollten, Hanser die Europa-Rechte ihrer englischsprachigen Ausgaben zu überlassen, antwortet Lendle: "Die haben überhaupt kein Interesse daran. Wir schließen die Verträge aber auch nicht mit den Verlagen, sondern mit den Agenturen der Autoren. Bevor wir ins Straucheln geraten wie die niederländischen und skandinavischen Verlage, die mit ihren Übersetzungen überhaupt nicht mehr gegen die Originale ankommen, beugen wir lieber vor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.01.2025 - Kulturmarkt

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Es gibt in Russland keine offizielle Zensurbehörde mehr, und der Buchmarkt ist schwer zu kontrollieren, erzählt Norma Schneider in der taz. Manches kann Erstaunliches erscheinen, etwa Natalja Kljutscharjowas "Tagebuch vom Ende der Welt" (das zuerst in Deutschland erschien). Aber die Verlage arbeiten unter Risiko: "Um Verbote und Strafen zu vermeiden, veröffentlichen viele Verlage keine Bücher mehr, die Anstoß erregen könnten, oder tilgen heikle Passagen aus den Manuskripten. Die Verlagsgruppe AST nahm im April den aktuellen Roman des bekannten oppositionellen Schriftstellers Vladimir Sorokin aus dem Verkauf, nachdem ein Expertengutachten zu dem Schluss kam, dass er verbotene Inhalte enthalte. Genutzt hat die Maßnahme wenig: Im November wurde der Roman offiziell verboten - angeblich wegen Pornografie -, und für die Veröffentlichung müssen sich Verlag und Druckerei eine Geldstrafe von vier Millionen Rubel (knapp 40.000 Euro) teilen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.01.2025 - Kulturmarkt

Nicht zuletzt dank der Merkel-Memoiren fällt die Bilanz des Börsenvereins zum Umsatz im deutschen Buchhandel 2024 positiv aus. "Es lohnt sich allerdings, genauer hinzusehen, denn die Zahl der verkauften Bücher ging im selben Zeitraum zurück, um 1,7 Prozent", bemerkt Jens-Christian Rabe in der SZ: "Für das positive Ergebnis sorgten gestiegene Buchpreise, im Schnitt waren sie um 2,6 Prozent höher als zuvor. Das sogenannte stationäre Buch-Geschäft im Laden um die Ecke schloss sogar mit einem Umsatzplus von 0,9 Prozent, verzeichnete aber auch ein höheres Absatzminus von 2,2 Prozent. (…) Das meistverkaufte Hardcover-Buch 2024 war laut Media Control und Börsenverein Elke Heidenreichs Essay 'Altern', vor Sebastian Fitzeks 'Kalendermädchen' und 'Freiheit' von Angela Merkel und Beate Baumann. Während sich belletristische Bücher um 4,1 Prozent besser verkauften als noch 2023, betrug der Umsatzzuwachs bei Sachbüchern sogar 7,7 Prozent."
Stichwörter: Merkel, Angela

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.12.2024 - Kulturmarkt

Rettet ausgerechnet TikTok die deutsche Buchbranche, fragen sich Florian Kolf und Michael Scheppe auf den Wirtschaftsseiten des Tagesspiegels. Laut Media Control dürften von den insgesamt 270 Millionen jährlich in Deutschland verkauften Büchern in diesem Jahr 20 Millionen Bücher durch Erwähnungen auf TikTok verkauft worden sein. Aber: "Vom Bücherboom durch Tiktok profitieren vorrangig aber nur die großen Händler, die entsprechenden Platz haben, eigene Regale aufzustellen. 'Da haben wir es mit unseren großen Buchhandlungen leichter, das passende Sortiment in entsprechendem Umfang anzubieten', sagt (Thalia-Chef Ingo) Kretschmar. Der Booktok-Boom hat auch die Arbeit von Verlegern verändert. Grusche Juncker, Mitglied der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Penguin Random House in Deutschland, sagt: 'Wir sehen über den Kanal, welche Themen die junge Zielgruppe bewegen, können darüber neue Autorinnen und Autoren entdecken und auf unsere Bücher aufmerksam machen.'"
Stichwörter: Booktok, Tiktok, Penguin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.11.2024 - Kulturmarkt

Sehr wenig wahrgenommen wird der Konflikt zwischen Verlagen und Bibliotheken über E-Books, den Tilman Spreckselsen in der FAZ thematisiert: "In den Jahren zwischen 2017 und 2021 stieg der Anteil der den Bibliotheken erst einmal vorenthaltenen E-Books von knapp der Hälfte auf etwa zwei Drittel aller Neuerscheinungen, besonders hoch ist die Quote bei Bestsellern. Das ergab eine Studie, die... von Börsenverein, Bibliotheksverband, Schriftstellern und Übersetzern in Auftrag gegeben worden war. Die nun nach zwei Jahren gefundene Einigung sieht so aus: 'Verhandlungsbasierte Lizenzmodelle' sollen erprobt werden, 'mit denen Verlage gewillt sein könnten, E-Books früher als bisher an Bibliotheken abzugeben', wofür sie natürlich einen Zuschlag zu den üblichen Lizenzgeldern erwarten."
Stichwörter: E-Books

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2024 - Kulturmarkt

Wer romantischen Vorstellungen vom Autor als genuinem Genie und Verlagen als demütigen Hebammen bei der Geburt großer Meisterwerke anhängt, verkennt, "wie weit die Industrialisierung auch dieser Kooperation schon vorangeschritten ist", mahnt der Buchwissenschaftler Gerhard Lauer in der FAZ: "Auch Literatur wird geplant. ... Größere Verlagsgruppen haben meist genügend Autoren in ihrem Netzwerk, sodass sie erst einmal dort nachfragen, wer ein Buch, das zu einem angesagten Thema passt, schreiben könnte. ... Mit wenigen Spitzenautoren wie Michelle Obama, Prince Harry oder Britney Spears muss mehr als die Hälfte des Umsatzes gemacht werden. Und selbst diese Bücher sind oft genug Saisonartikel, die sich innerhalb eines halben Jahres durchgesetzt haben müssen. Entsprechend kapitalstark müssen die Medienunternehmen sein, um die Volatilität der Märkte notfalls ausgleichen zu können. Hinzu kommt, dass geschichtenhungrige Medienunternehmen wie Netflix auf den steten Zustrom immer neuer Stoffe und Geschichten angewiesen sind."
Stichwörter: Verlagsbranche, Netflix

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.10.2024 - Kulturmarkt

Die Buchmesse beginnt morgen. Andreas Platthaus wirft im Leitartikel der FAZ einen Blick auf die wie stets kriselnde Branche. Die ganz große Hoffnung für den eher kulturindustriellen Teil der Branche sei die "Young Adults"- Literatur, der glatt eine gigantische Hallen-Etage gewidmet ist. Platthaus beschreibt das Genre als "Bücher für die Altersgruppe von fünfzehn bis dreißig, die vor allem romantische Stoffe erzählen, bei denen es aber durchaus hart zur Sache gehen kann - sowohl erotisch als auch psychologisch. Vorbild dafür waren erfolgreiche Fernsehserien à la 'Game of Thrones', aber die Faszination des überwiegend weiblichen Zielpublikums erstreckt sich auch auf eine medienspezifische Besonderheit: die Ausstattung der Bücher. Farbschnitt und andere aufwendige 'Veredelungsverfahren' bei deren Herstellung entsprechen der inhaltlichen Verbrämung ihres meist eher schlichten Ausgangsmaterials, sorgen aber als Sammelobjekte für zusätzliche Kaufanreize."

Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse wurde dieses Jahr viel über das Gastland Italien diskutiert, schreibt Felix Stephan in der SZ. Dort hat die rechte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni eine Rede vom Faschismusexperten Antonio Scurati im Fernsehen verhindert, der Schriftsteller Roberto Saviano fand sich zunächst nicht mal auf der Liste der italienischen Delgation: "Das mögen auf den ersten Blick kleinere Vorfälle sein, aber die Geschichte von Ländern, die in den Autoritarismus gerutscht sind, hat oft genug gezeigt, wozu diese Politik der Nadelstiche dient: Beim ersten Mal hat die Öffentlichkeit vielleicht noch die Kraft, eine kraftvolle Gegenreaktion zu organisieren, beim zweiten Mal auch noch. Aber schon beim dritten Mal könnte es aussehen wie jetzt auf der Frankfurter Buchmesse: Man kann den Ärger nicht schon wieder gebrauchen, der Protest fällt aus." (Mehr zur Buchmesse in Efeu)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2024 - Kulturmarkt

Die Buchbranche ist in der Krise, aber war sie das nicht immer? Die Suhrkamp-Krise ist nicht so akut, wie sich hochgejazzt wurde. Aber natürlich ist das Geschäft nicht einfacher geworden, schreibt taz-Literaturredakteur Dirk Knipphals vor der Buchmesse: "In dieser Lage ruft die Kurt Wolff Stiftung, in der sich die unabhängigen Verlage zusammengetan haben, nach dem Staat. Aus ihrer Sicht verständlich. Aber auch problematisch, nicht nur weil einer staatlichen Verlagsförderung hohe rechtliche Hürden entgegenstehen. Denn es mag ja stimmen, dass die Kleinverlagsszene insgesamt 'systemrelevant' ist, wie die Stiftung schreibt, doch das gilt eben nicht für jeden einzelnen Verlag. Und was, wenn wir wirklich einmal eine sehr rechte Regierung bekommen sollten? Wenn die Verlage erst einmal existenziell von der Politik abhängig sind, kann die, wie derzeit in der Slowakei, kulturpolitisch stark durchgreifen."

Der neue Suhrkamp-Besitzer Dirk Möhrle argumentiert im Gespräch mit Gerrit Bartels vom Tagesspiegel angenehm ökonomisch. Natürlich gehe es auch darum, bei möglichen Bestsellern mitbieten zu können und diese Happen nicht einfach den Konzernverlagen zu überlassen. Da nützt eine klare Eigentümerstruktur: "Ich denke, für den Verlag ist das durchaus ein kleiner Befreiungsschlag, er kann aus den bisherigen Begrenzungen heraustreten. Bei mehreren Aktionären, die alle immer sehr genau geschaut haben, war vieles schwieriger. Jetzt ist es leichter geworden. Natürlich ist es trotzdem nicht so, dass jetzt auf einmal alles möglich wäre. Mir geht es vor allem um Stabilität und Ruhe, aber auch darum, ein bisschen mehr mit den Muskeln spielen zu können." In der Welt schreibt Dirk Schümer unter dem etwas melodramatischen Titel "Der Untergang des Hauses Unseld".