9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.12.2025 - Medien

Unabhängige Journalisten dürfen bekanntlich allenfalls "embedded" in den Gazastreifen. Die Bilder des Gazakriegs wurden meist von palästinensischen Mitarbeitern westlicher Medien geliefert - wenn diese nicht gleich bei der Hamas mitliefen und deren Mordtaten ins Netz stellten. Michael Hanfeld stellt in der FAZ eine Studie des "Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center" vor, wonach die meisten der im Gazakrieg getöteten "Journalisten" Hamas-Mitglieder waren oder ihr nahestanden: "Von 266 seit dem 7. Oktober 2023 in Gaza getöteten 'Journalisten' hätten mindestens 157 Verbindungen zur Hamas oder dem 'Islamischen Dschihad' gehabt oder seien deren Mitglieder gewesen. 104 hätten der Hamas angehört, 47 seien Teil von deren militärischer Organisation gewesen, 45 hätten Verbindungen zum 'Islamischen Dschihad' gehabt, 18 seien Teil von dessen militärischer Formation gewesen. Ein paar weitere habe man dem militärischen Arm der Fatah oder der Volksfront zur Befreiung Palästinas zuordnen können, bei 94 der Getöteten habe man keine Verbindungen zu den genannten Organisationen gefunden." Mehr in der Times of Israel.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.12.2025 - Medien

Patricia Schlesinger und einige ihrer Mitarbeiter aus dem RBB müssen sich nun auch einem strafrechtlichen Prozess wegen Untreue in 26 Fällen stellen. Endlich, freut sich Michael Hanfeld in der FAZ, und zählt mal auf: "Da gab es ein neu eingeführtes, unzulässiges Prämiensystem, das den RBB 933.505 Euro kostete. Die illegitimen monatlichen Zulagen für den ARD-Vorsitz, den der RBB unter Schlesinger turnusgemäß innehatte, beliefen sich auf 122.400 Euro, die Vorruhestandsregelung für den früheren Chefredakteur kostet den RBB laut Staatsanwaltschaft 662.605 Euro, die Freistellung des ehemaligen Mitarbeiters einer Tochterfirma dreimal 12.275 Euro..."

Auch die SZ berichtet und fügt hinzu: "Die verschwenderischen Ruhestandsregelungen im Sender erregten erst in dieser Woche wieder Aufsehen. Das Berliner Arbeitsgericht bestätigte, dass der RBB einer früheren Programmdirektorin, Claudia Nothelle, ihr vertraglich vereinbartes Ruhegeld von mehr als 8.000 Euro im Monat zahlen muss, lebenslang. Der heute 61-Jährigen steht es seit Auslaufen ihres Vertrags im Jahr 2019 zu, zusätzlich zu einer Abfindung, die sie damals erhalten hat. Sie ist inzwischen Professorin der Hochschule Magdeburg-Stendal und bezieht dort weiteres Gehalt."

Wolfgang Krach, 18 Jahre lang Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, geht. Der Grund: Meinungsverschiedenheiten mit den Gesellschaftern, der schwäbischen Mediengruppe SWMH. Worin genau diese bestehen, damit rückt bei der SZ keiner so recht heraus, auch Co-Chefredakteurin Judith Wittwer nicht, aber klar ist ohnehin: es geht ums Sparen, berichten Götz Hamann und Johanna Jürgens in der Zeit. Dabei geht es der SZ gar nicht schlecht: "Wenn man genauer nachfragt, soll die Vorsteuerrendite des SZ-Verlags bei rund zwölf Prozent liegen, das ist angesichts der allgemeinen Wirtschaftskrise erstaunlich viel", meinen die Zeit-Reporter. Entsprechend schlecht ist die Stimmung in der Redaktion, auch, weil es überhaupt keine Begründung gibt: "'Für ein Haus voller hoch qualifizierter Journalisten ist das natürlich frustrierend', sagt ein Redakteur. Man fühle sich abgespeist und für dumm verkauft, sagt ein weiterer: 'Wir sind ein Medienunternehmen und kriegen es nicht hin, ein paar Sätze darüber anzufertigen, wie es jetzt weitergeht.' Als bei der Versammlung am Donnerstagmittag jemand fragte, warum eigentlich Wittwer und ihr Stellvertreter Ulrich Schäfer - anders als Krach - noch Vertrauen in die Gesellschafter hätten, gab es auch darauf: keine Antwort."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.12.2025 - Medien

Dem deutschen Privatfernsehen geht es derzeit sehr schlecht, was nicht zuletzt an der ProsiebenSAT1-Übernahme durch die Berlusconi-Familie klar wurde. Ein Grund dafür ist, dass das Privatfernsehen hierzulande immer auf große Namen und wenig auf neue Formate gesetzt hat, konstatiert Eiko Wachholz in der SZ. "Man könnte durchaus die Frage stellen: Warum hat über Jahrzehnte niemand effektiv mit richtig guten, innovativen Ideen gegengesteuert? Natürlich gibt es neuere Probleme; so leiden die Privatsender unter der Konkurrenz auf dem Streamingmarkt und unter schwindenden Werbeeinnahmen. Aber bemerkenswert ist eben auch, wie sehr dort immer dieselben Fehler gemacht werden, allen voran, dass man noch immer an der veralteten Überzeugung festhält: Komm, wir fassen richtig Geld an und kaufen einen prominenten Moderator, dann wird alles gut." Dieses Konzept gehe in Zeiten von Streaminganbietern eben nicht mehr auf.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.12.2025 - Medien

"Wie böse und gefährlich können Bücher sein?", fragt Claudius Seidl in der SZ mit Blick auf die drohende Schließung der Bibliothek des Konservatismus in Berlin (unsere Resümees) und den Fall eines Antiquars in Wien, der Bücher mit Bezug zum Nationalsozialismus online anbot und gegen den nun ein Prozess läuft. Aber, welche Bücher findet man eigentlich in der BdK? "Es finden sich im Bestand die Klassiker des Konservatismus und der Reaktion, es finden sich fast alle Veröffentlichungen aus Götz Kubitscheks neurechtem Antaios-Verlag. Aber wenn man ein bisschen stöbert, stößt man, zum Beispiel, auf die 'Marxistischen Blätter', das DKP-nahe Periodikum. Man findet jegliche Kritik des Konservatismus, bis hin zu den relativ neuen Studien von Thomas Biebricher oder Natascha Strobl. Es gibt Hunderte Büchern aus dem Suhrkamp-Verlag, von Merve, Wallstein oder der Edition Tiamat. Wer zum Konservatismus forschen wollte, fände hier alles, was er brauchte: die Quellen, die Sekundärliteratur. Und die Werke und Dokumente radikaler Gegnerschaft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.12.2025 - Medien

Der türkische Fotojournalist Yasin Akgül war im Frühjahr 2025 verhaftet worden, weil er einen Protest gegen die Festnahme des Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu fotografierte hatte. Obwohl er inzwischen freigesprochen wurde, sieht er in der Verhaftung eine neue Qualität, denn auf der Polizeiwache traf er noch mehr Fotojournalisten: Das ist neu, meint er im Interview mit der taz. "Fotojournalisten galten lange als diejenigen, die zwar dokumentieren, aber politisch nicht 'mitgemeint' sind. Jetzt wird schon das Fotografieren selbst als politischer Akt interpretiert." Die Regierung habe nach den Gezi-Protesten begriffen, dass Bilder heute gefährlicher sind als Worte. Darum würden Fotojournalisten heute gezielt herausgepickt: "Früher war man gefährdet, aber man galt juristisch nicht als Beteiligter. Heute reicht die Anwesenheit. Wenn ein Staat Fotojournalisten wie Demonstrierende behandelt, dann geht es nicht mehr um Einzelfälle. Dann hat sich das Verständnis von Presse grundlegend verändert: Bildjournalismus wird als Gefahr begriffen. Das ist ein historischer Bruch."
Stichwörter: Türkei

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.12.2025 - Medien

Und Sophie von der Tann zum Hundertachtzehnten: In der SZ geht Nils Minkmar die ganze Debatte auf die Nerven, denn es geht nicht mehr um "die möglichen Szenarien der politischen Zukunft von Israel und Palästinensern, sondern andere Fragen, die die politische Debatte ersetzen: Etwa ob Israel eine Sängerin zum ESC entsenden darf ...  Eine überstrapazierte andere Form der Verkürzung schwerer politischer Fragen ist die Personalisierung. Man muss sich dann zum Beispiel nicht die einzelnen Beiträge der von Israel scharf kritisierten, teils auch denunzierten ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann aus Tel Aviv ansehen und ihre Arbeit kritisieren oder eben würdigen. Die ganze Frau ist dann reduziert auf eine einzige Frage: dafür oder dagegen? Das funktioniert am besten, wenn die Entscheidung mit einer Inszenierung verknüpft wird" und nicht mit ihrer Arbeit. Man hätte ja auch fragen können, so Minkmar, warum die 34-jährige Sophie von der Tann einen Preis für ihr Lebenswerk bekommt. "Was hat sich die Jury also genau dabei gedacht? Diese Frage hat die Jury am Abend der Preisverleihung kaum beantwortet und damit nicht zuletzt Sophie von der Tann einen schlechten Dienst erwiesen."

Um einen Eindruck zu gewinnen, warum Tann kritisiert wird, lohnt sich ein Blick in dies Video einer Maischberger-Show zum Jahrestag des 7. Oktober. Die befreite Geisel Aviva Siegel spricht in einer Liveschalte von ihren Erfahrungen, ihr Mann ist zu dem Zeitpunkt noch in den Tunneln der Terroristen. Tann spricht danach mit ihrer berühmten "Coolness" ausschließlich über die Verantwortung der israelischen Regierung. Am Ende wird die Geisel mit einem flapsigen Dank verabschiedet. 



Mehr zum Thema: In der FAZ konstatieren Saba-Nur Cheema und Meron Mendel, dass bei der Beurteilung der Gaza-Berichterstattung jeder in seiner Blase gefangen bleibt, warnen jedoch vor allem davor, den ÖRR zu stark zu kritisieren, wir sollten vielmehr "dankbar sein für die Vielfalt unserer Medienlandschaft". Anetta Kahane sieht das in ihren belltower.news anders: "Ihre Unausgewogenheit ist nicht nur emotionaler, sondern auch sachlicher Natur. Sie folgt den Propagandapfaden der Hamas, übernimmt ihre Angaben und Zahlen ohne Quellen, bei israelischen Belegen jedoch betont sie stets den Vorbehalt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2025 - Medien

Die USA gehen einen weiteren Schritt in Richtung Autokratie, konstatiert Deniz Yücel in der Welt. Das Weiße Haus hat eine Website online gestellt, auf der namentlich Journalisten genannt und angegriffen werden, in einer "Mischung aus Amtlichkeit und digitalem Furor ('Galerie der Schande', 'Täter der Woche')". Aber auch in Deutschland gibt es Probleme mit der Pressefreiheit. Ein aktuelles Beispiel für eine unangemessene Einmischung von Regierungsvertretern in Pressearbeit sieht Yücel in der aktuellen Debatte um Sophie von der Tann (unser Resümee) und die Kritik des israelischen Botschafters Ron Prosor: "Die Jury eines Journalistenvereins kann die Arbeit einer Journalistin für preiswürdig befinden, andere Journalisten können diese Auszeichnung scharf kritisieren. Es ist jedoch nicht die Aufgabe von Regierungsvertretern, sei es im Inland oder Ausland, sich in aktiver oder gar aggressiver Weise in solche Debatten einzumischen. Die Gewaltenteilung gilt nicht nur für Exekutive, Judikative und Legislative, sie gilt auch im Verhältnis zwischen den staatlichen Gewalten und der 'vierten Gewalt', die erheblich zur Meinungsbildung beiträgt und ohne die keine Demokratie existieren kann." 

Der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis wurde nun an Sophie von der Tann und ihre Kollegin Katharina Willinger vergeben, meldet unter anderen die Welt. Vor dem WDR Funkhaus kam es zu Protesten von etwa einhundert Menschen. Von der Tann selbst "weist die Kritik an ihr zurück und betont, sie berichte sorgfältig und mehrdimensional. Rückhalt erhielt sie unter anderem von der Organisation Reporter ohne Grenzen."

Immer schlimmer steht es um die Pressefreiheit in Georgien, berichtet Christian-Zsolt Varga in der FAZ: "Der 'Georgische Traum' spannt ein immer dichteres Netz aus Gesetzen, Verfahren und Gewalt über die unabhängige Medienlandschaft. Seit Oktober 2024 haben das georgische Institut CMIS (Center for Media, Information and Social Research) und die Organisation Reporter ohne Grenzen 600 Angriffe auf Journalisten in Georgien dokumentiert. Mit dem sogenannten 'russischen Gesetz' und dem neuen 'Foreign Agents Registration Act' (FARA) versucht die Regierung zudem, gemeinnützige Medien und NGOs, die westliche Fördermittel erhalten, finanziell auszutrocknen. Wer sich nicht als 'ausländischer Agent' registriert, riskiert Ermittlungen des Antikorruptionsbüros."
Stichwörter: Pressefreiheit, USA, Georgien

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2025 - Medien

Christian Meier meldet sich in der FAZ in der Kontroverse um Sophie von der Tann zu Wort und widerspricht deutlich dem FAZ-Beitrag von Esther Schapira (unser Resümee), die von der Tanns Israel-Berichterstattung scharf kritisierte: "Schapira fordert, dass deutsche Medien - die keinen Zugang zum Gazastreifen haben - über politische Hintergründe berichten. Gleichzeitig sollen sie aber nicht mit lokalen Mitarbeitern arbeiten, weil die angeblich 'ausschließlich der Hamas genehme Bilder und Aussagen' produzieren. Wie soll die Berichterstattung dann funktionieren? Soll man umgekehrt vielleicht ganz darauf verzichten? Soll man auch kein menschliches Leid mehr abbilden, weil dies ja im Sinne der Hamas sei? In komplexen Berichterstattungslagen wie dieser stellen sich schwierige Fragen an journalistische Ethik und Praxis, aber die sollte man dann auch ernsthaft und sachlich diskutieren."

Der Fall Sophie von der Tann könnte auch ein Licht auf die derzeitige Lage von Pressevertretern in Israel werfen, schreibt Sonja Zekri in der SZ. "Nicht nur Journalisten-Organisationen, sondern auch viele Berichterstatter aus dem Nahen Osten kritisieren wachsenden Druck durch die israelische Regierung. Knapp 60 deutschsprachige Journalistinnen und Journalisten, die regelmäßig über den Nahen Osten berichten, veröffentlichen am Donnerstag auf der Webseite von Reporter ohne Grenzen einen offenen Brief. Diskreditierungsversuche durch die israelische Regierung gehörten inzwischen 'zu unserem Alltag'. Während Israel nach wie vor den Zugang für ausländische Journalisten in den Gazastreifen blockiere, häuften sich die Angriffe auf Korrespondenten. Sie zielten darauf ab, 'kritischen Journalismus' insgesamt zu 'delegitimieren'." Kristiana Ludwig zeichnet in der SZ den gesamten Fall von der Tann nochmal nach.

In der Welt hält Christoph Lemmer an dem Vorwurf gegen Tann fest. Er kritisiert außerdem, dass die ARD bzw. der BR jegliche Stellungnahme ablehne: "Schriftliche Nachfragen ignoriert die Anstalt gleich gänzlich. Beispielsweise wollte Welt wissen, warum von der Tann niemals darüber berichtete, wie die von ihr stets in Schutz genommenen Palästinenser über Adolf Hitler denken. Die Frage ist höchst relevant. Hitler ist in den Palästinensergebieten populär. Deutsche, die es dort hin verschlägt, werden umstandslos auf Hitler angesprochen. Der nationalsozialistische Menschheitsverbrecher wird weithin als positive Figur gesehen, und zwar deshalb, weil er Millionen Juden ermorden ließ."

In der Zeit fragt sich auch Götz Hamann, was eigentlich von der Tanns Chefs zu der Debatte sagen. Der Sender reagierte wohl zögerlich: "Einer ist in dieser Debatte erstaunlich still, der Chef von Sophie von der Tann. Dies ist der Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Christian Nitsche. Der BR schreibt aber: Nitsche sei 'für das Team rund um die Uhr erreichbar. Er beantwortet auch seit Jahren persönlich Zuschriften, die sich mit den Inhalten des Studios auseinandersetzen. Zudem hat er mehrfach auf Kritiker im Internet reagiert, so etwa im August, Oktober, November und Dezember auf X, ebenso im November auf LinkedIn.' Eine große Öffentlichkeit erreicht er damit nicht. Vielleicht ist hier erneut zu beobachten, wie schwer sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk noch immer damit tut, auf die Dynamiken zu reagieren, die entstehen, wenn sich in anderen Medien und in sozialen Netzwerken eine Kritikwelle gegen ARD und ZDF aufbaut."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.12.2025 - Medien

Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst äußert sich Meron Mendel zu der Preisverleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Er findet, dass der Preis zu Recht an Sophie von der Tann (unsere Resümees) gehe: "'Sowohl die pro-israelische wie die pro-palästinensische Seite sind in ihren Echo-Kammern verhaftet.' (...) Mit Blick auf den Nahost-Konflikt ergebe sich die kuriose Situation, dass der eine Teil der Menschen den Leitmedien nicht glaube, weil sie zu sehr für Israel Partei ergriffen, und ein anderer Teil, weil sie zu sehr pro-palästinensisch berichteten. 'Journalisten, die die schwierige Aufgabe haben, aus Nahost zu berichten, werden diese Menschen deswegen niemals komplett zufriedenstellen können', sagte Mendel."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2025 - Medien

Die Filmemacherin Esther Schapira geht in der FAZ hart mit der ARD ins Gericht: Die Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises für die Nahost-Korrespondentin Sophie von der Tann (unser Resümee) sei nur die Spitze des Eisbergs. Seit geraumer Zeit sei die Berichterstattung zu Israel und Gaza "tendenziös" und "verzerrt": "Die Instrumentalisierung des Genozidvorwurfs, die islamistische Infiltration in Wissenschaft, Kunst und Kultur, die Verflechtung der Hamas mit der UNRWA - all das wären lohnende Themen für die glorreichen Investigativteams von ARD und ZDF. Auch Hintergrundinformationen zur Terrorherrschaft der Hamas sind blinde Flecken der Berichterstattung, dabei haben diese unmittelbare Auswirkungen auf unseren Blick auf Gaza (...) Ein Mikrofon im Bild mit dem Logo der ARD oder des ZDF suggeriert, dass die Korrespondenten selbst vor Ort seien, tatsächlich aber sind es ausschließlich der Hamas genehme Bilder und Aussagen, die so zu uns gelangen. Entsprechend stehen alle Bilder, die uns aus Gaza zugeliefert werden, unter einem Glaubwürdigkeitsvorbehalt."

Michael Braun geht in der taz nochmal auf den Angriff pro-palästinensischer Aktivisten auf die Redaktion der italienischen Tageszeitung La Stampa ein (unser Resümee). Die Attacke wurde von allen politischen Lagern verurteilt, "Verständnis für die Randalierer gab es nur von einer prominenten Person: von Francesca Albanese, UN-Sonderberichterstatterin für die Lage der Menschenrechte in den palästinensischen Gebieten. 'Ich verurteile das Eindringen in die La-Stampa-Redaktion', erklärte Albanese zwar, fügte aber sofort hinzu: Dies sei 'auch eine Mahnung an die Presse, wieder ihre Arbeit zu tun, die Fakten und, wenn sie es denn schaffen, auch ein Minimum an Analyse und Kontextualisierung wieder in den Mittelpunkt zu stellen'. Das klingt ganz so, als würden Italiens Medien rund um Palästina und die Gräuel in Gaza ihren Job schlicht nicht tun. Davon aber kann keine Rede sein. So breit wie in kaum einem anderen Land berichten sowohl die Tageszeitungen als auch die TV-Sender über Gaza, räumen Platz auch für Debattentexte frei, liefern immer wieder jenen Hintergrund, den Albanese vermisst."