9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2342 Presseschau-Absätze - Seite 3 von 235

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2026 - Medien

Der sehr prominente New-York-Times-Journalist Nicholas Kristof greift Berichte auf, nach denen palästinensische Gefangene in israelischen Gefängnissen systematischer sexueller Gewalt ausgesetzt seien: "Im Laufe meiner Karriere habe ich über Kriege, Völkermord und Gräueltaten berichtet, darunter auch Vergewaltigungen - manchmal an Orten, an denen das Ausmaß sexueller Gewalt weitaus größer ist als alles, was von militanten Hamas-Kämpfern, israelischen Soldaten oder Siedlern begangen wurde. Im Tigray-Konflikt in Äthiopien vor einigen Jahren wurden möglicherweise hunderttausend Frauen vergewaltigt. Zu massiven Vergewaltigungen kommt es derzeit im Sudan. Doch unsere amerikanischen Steuergelder subventionieren das israelische Sicherheitsestablishment, so dass es sich hierbei um sexuelle Gewalt handelt, an der die Vereinigten Staaten mitschuldig sind."

Über diesen Artikel ist auf Twitter eine erbitterte Debatte entstanden. Besonders der von Kristof weitergetragene "Dog Rape"-Vorwurf scheint haltlos zu sein. Laut diesem Gerücht haben Israelis Hunde abgerichtet, die, wie auch immer, Gefangene vergewaltigen. Der Journalist Kevin Deutsch schreibt: "Die Verleumdung bezüglich der 'Vergewaltigung durch einen Hund' wurde der Zeitung über den 'Euro-Mediterranean Human Rights Monitor' (Euro-Med Monitor) zugespielt, eine Organisation, die diese erfundene Anschuldigung seit Juni 2024 verbreitet und die auch Verleumdungen über 'Organraub' gegen Israel als Tatsachen veröffentlicht. Ihr Gründer wurde von den israelischen Behörden als Hamas-Aktivist eingestuft, der das Massaker vom 7. Oktober innerhalb weniger Stunden nach dem Angriff in den sozialen Medien feierte und die Vergewaltigungen jüdischer Frauen am 7. Oktober als erfundene Lüge bezeichnete." Auch das proisraelische Medium Honestreporting stellt die Informationen Kristofs in Frage.  

Ahmed Fouad Alkhatib, einer der wenigen kritischen palästinensischen Journalisten (der in den USA lebt) versucht abzuwägen: "Es ist angebracht, die Quellenangaben in Nicholas Kristofs Meinungsbeitrag in der NYT genauer unter die Lupe zu nehmen. Einige der genannten Organisationen und Personen, darunter der Euro-Med Human Rights Monitor und Shaiel Ben Ephraim, weisen eine bedenkliche Bilanz hinsichtlich Genauigkeit, Verhalten und Verbindungen auf; in meinem Fall haben sie persönliche Angriffe verübt und sogar meine Familie bloßgestellt. Sie sind keine glaubwürdigen Quellen, auch wenn sich der Artikel zudem auf andere Quellen stützte. Viele palästinensische Zeugenaussagen waren anonym, aus Scham und aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen wegen der Meldung sexueller Folter, was die Überprüfung erschwert, ihre Behauptungen jedoch nicht automatisch entkräftet."
Stichwörter: New York Times

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.05.2026 - Medien

Der Verleger Holger Friedrich beziehungsweise seine Ostdeutsche Allgemeine Zeitung gehen rechtlich gegen das Blog Volksverpetzer vor, wie man ebendort von Thomas Laschyk lesen kann. Nachdem das Blog mehrere kritische Artikel über die Russlandnähe der Zeitung veröffentlichte und einen Faktencheck durchführte, erreichte die Verfasser eine anwaltliche Abmahnung. Auch andere Medien hatten kritisch über die OAZ berichtet, warum gerade ein ehes kleines Blog? "Mit denen allen legt sich Holger Friedrich nicht öffentlich an. Er schickt seine Kanzlei nicht zum Spiegel. Sein Chefredakteur schickt keine Rundmails an die Verbündeten der Heinrich-Böll-Stiftung wegen der Blätter. Er attackiert auch Matthias Meisner nicht stellvertretend in dessen ausführlicher Analyse für Journalist. Er sucht sich uns aus. Ich denke, aus einem ganz simplen Grund: Wir sind das kleinste Medium in dieser Reihe. Wir sind komplett spendenfinanziert, wir haben vierzehn Leute, davon die meisten in Teilzeit, und wir sitzen nicht in einem großen Verlagshaus mit Rechtsabteilung. Wir haben keinen Millionär hinter uns, der uns mit viel Geld hochgezogen hat. Wer hier zuschlägt, trifft den Punkt mit dem geringsten Widerstand und hat zugleich die Möglichkeit, ein Exempel zu statuieren, das alle anderen einschüchtert." Der Volksverpetzer wird sich gegen die Abmahnung zur Wehr setzen, so Laschyk.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2026 - Medien

Das Landgericht Göttingen hat entschieden, dass die Kündigung der privaten Bibliothek des Konservatismus (BdK) (unsere Resümees) durch den Gemeinsamen Bibliotheksverbund der norddeutschen Bundesländer (GBV) rechtens war, berichtet Christian Fuchs auf ZeitOnline auf - und informiert über die Gründe, warum der BdK überhaupt gekündigt worden war: "Mitarbeiter der BdK haben seit März 2025 in dem Bücherkatalog 143 Löschungen und Datenmanipulationen vorgenommen - teilweise an Werken, die gar nicht aus ihrem eigenen Bestand stammen. Ein klarer Verstoß gegen die Regularien des Verbunds. Mal machten BdK-Bedienstete aus der Spiegel-Journalistin Lisa Duhm eine 'Lisa Dumm'. Damit versuchten sie, Duhms Sachbuch 'Sie sind überall: Gegen Faschismus in deinem Feed' zu diffamieren. Bei anderen Werken löschten die rechten Bibliothekare Schlagwörter, die Bücher waren damit schwerer auffindbar. Oder sie fügten stark wertende rechte Kampfbegriffe und Verschwörungserzählungen wie 'Gender-Gaga', 'Verdummung', 'Klimaschwindel' oder 'Bevölkerungsaustausch' als Schlagworte hinzu."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.05.2026 - Medien

Für die Gleichsetzung des Gazastreifens mit den Ghettos der Nazis (mehr dazu im Perlentaucher) bekommt man heutzutage den Pulitzer-Preis, und die New York Times ist stolz drauf.


Matthias Krupa porträtiert für Zeit online den bretonischen Tycoon Vincent Bolloré und betont vor allem seine Herkunft aus einem extrem fundamentalistischen Katholizismus. Er gehört zu den Milliardären, die in Frankreich die Medienlandschaft besitzen, "Es ist nicht ungewöhnlich in Frankreich, dass reiche Industrielle Zeitungen oder Fernsehsender kaufen. Meist achten sie darauf, dass diese unternehmerfreundlich berichten. Klassische Verleger sind eher selten. Doch Bollorés Interventionen gehen weit darüber hinaus. Meist wiederholt sich dabei ein ähnliches Muster: Der Milliardär übernimmt einen Titel, hievt einen Gefolgsmann an die Spitze und tauscht anschließend die Redaktion aus. Besonders offensichtlich geschah das beim Journal du Dimanche." Und jüngst bei dem Verlag Grasset.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.05.2026 - Medien

Julia Ruhs' neue Sendung in ihrem BR-Format "Klar" beschäftigt sich mit Islamismus in Deutschland (unser Resümee und hier die Sendung). Dabei wurde in einer Sequenz auch eine Schule in Neukölln gezeigt, die als Beispiel dafür genommen wurde, um Konflikte während des Ramadan zu illustrieren. Die Eltern hätten danach gegen diese Sequenz protestiert, weil die Aussagen ihrer Kinder zum Ramadan aus dem Kontext gerissen seien, wie die Welt unter Berufung auf einen Text aus dem Freitag schreibt. "Tina Stampfl, Mutter eines der gezeigten Kinder, sagte dem Freitag: 'Von der Schule wurde uns gesagt, der Beitrag sei über Diversität an Neuköllner Schulen. Ich habe die Unterschrift im Vertrauen gesetzt, weil es ja der BR war.'" Jetzt fühle sie sich getäuscht. "Der Bayerische Rundfunk widerspricht der Darstellung auf Anfrage von Welt. Die Redaktion habe die Schule 'von Beginn an klar über den Fokus der Dreharbeiten informiert', heißt es. Thema sei gewesen: 'Fasten im Ramadan als Konfliktthema auf dem Schulhof und die Bedeutung religiöser Toleranz.' Frühere Konflikte seien durch einen Elternbrief dokumentiert, 'aus dem in der Sendung auch zitiert' werde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.05.2026 - Medien

Antisemitismus und guter Geschmack müssen sich nicht ausschließen! Die britische Vogue erklärt Francesca Albanese, UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten Gebiete Palästinas, die etwa von UN-Delegationen des Antisemitismus beschuldigt wurde, jedenfalls zum It-Girl der Saison. "Ihre charakteristische Brille mit dickem Gestell und ihr singender Akzent (sowie der müde-amüsierte Gesichtsausdruck, den sie oft an den Tag legt, wenn sie von aggressiveren Medienkommentatoren interviewt wird) kommen all jenen sofort bekannt vor, die die Entwicklungen in der Region in den letzten Jahren mit wachsendem Entsetzen verfolgt haben", schwärmt die Vogue-Autorin Kerry McDermott.

Weitere Informationen hier.


In einem taz-Interview hält Albanese an ihrem vielfach wiederholten Völkermord-Vorwurf gegen Israel fest: "Israel hat ein Umfeld geschaffen, das an sich schon Folter ist. Von Lebensmitteln abgeschnitten zu sein, ansehen zu müssen, wie die eigene Familie am Hunger stirbt und die konstante Bedrohung, entweder getötet oder vertrieben zu werden - dieser Terror geht von israelischen Soldaten und Siedlern aus. Das ist psychologische Folter."
Stichwörter: Vogue

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2026 - Medien



Die Journalistin Julia Ruhs geriet in die Schlagzeilen, weil sie von ihrer einflussreichen Kollegin Anja Reschke fernsehöffentlich als "Rechte" markiert worden war. Ruhs' Format "Klar", in der auch mal gesellschaftliche Probleme angesprochen werden sollen, die eher für Unbehagen sorgen, läuft seitdem in veränderter Form. Ruhs ist nicht mehr beim NDR, sondern beim Bayerischen Rundfunk, wo sie nun eine Reportage über alltäglichen Islamismus in Deutschland gemacht hat. Michael Hanfeld in der FAZ ist begeistert: "So kann und sollte öffentlich-rechtliche Informationsgebung aussehen und nicht wie das Gekasper von 'Reschke Fernsehen' oder Böhmermanns 'ZDF Magazin Royale'." Stefan Niggemeier in der SZ ist sich uneins: "Das Thema ist zweifellos wichtig, weshalb es auch regelmäßig in den Medien aller Couleur behandelt wird." Aber "alles wird kurz angetippt, alles ist irgendwie beunruhigend, aber schlauer ist man am Ende nicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2026 - Medien

Die laut ersten, nicht rechtskräftigen Gerichtsentscheidungen teils fehlerhafte und falsche Berichterstattung des gemeinnützigen Mediums Correctiv zu einem Treffen von Rechtsextremen in Potsdam ist ein Paradebeispiel für die Tücken von "Haltungsjournalismus", schreibt Till Oliver Becker bei den Ruhrbaronen: "Nicht, weil damit alles falsch gewesen wäre, was rund um das Potsdamer Treffen berichtet wurde. Und auch nicht, weil jede Kritik an rechtsextremen Milieus nun erledigt wäre. Sondern weil hier offenbar ein Muster sichtbar wurde, das viel tiefer reicht. Eine Redaktion setzt auf maximale Wucht. Andere Medien springen begeistert auf. Zweifel gelten schnell als verdächtig, weil sie angeblich 'den Falschen' nützen könnten. Und am Ende kommt genau das heraus, was man verhindern wollte: Die Falschen profitieren tatsächlich."

Die tschechische Regierung unter Andrej Babis plant, vielen öffentlich-rechtlichen Sendern die Mittel zu streichen - zum Beispiel Radio Prag International, der schon seit neunzig Jahren auf Sendung ist, berichtet Viktoria Großmann in der SZ. Der Rundfunk solle reorganisiert werden und die Regierung mehr Einfluss bekommen: "Die Opposition wehrt sich, hat sich bereits an die Europäische Kommission gewandt. Denn die Planungsunsicherheit, welche die neue Regierung schafft, könnte dem neuen Europäischen Medienfreiheitsgesetz widersprechen. Das trat im August 2025 vollständig in Kraft und sieht unter anderem vor, dass öffentlich-rechtliche Medien eine 'ihrem Auftrag angemessene, tragfähige und berechenbare Finanzierung' erhalten. Es gebe 'keinen rationalen Grund für so tiefgreifende Änderungen', hatte Rundfunkdirektor René Zavoral dem Minister vor einigen Tagen entgegnet. Man könne das nicht anders verstehen, als einen 'Versuch, die Sender zu schwächen und politisch zu vereinnahmen'. Mittlerweile haben sich Streikkomitees gegründet. Wenn die Regierung bei ihren Plänen bleibe, dann sei ein Streik 'unvermeidlich', erklärte Zavoral."

Michael Hanfeld stellt in der FAZ das von Peter Thiel mitfinanzierte Start-up "Objection" vor, eine angeblich mörderische Waffe (er nennt es "KI-Guillotine) gegen den Journalismus. Wer sich darauf einlässt, seinen Artikel überprüfen zu lassen, wird letztlich von einer KI beurteilt - Voraussetzung ist freilich, dass man seine Quellen preisgibt. "Konzernen und denen, die es sich leisten können, legt 'Objection' ein KI-Werkzeug in die Hand, mit dem sie Journalisten und Medienhäuser mit Anfragen ersticken und deren Reputation eindampfen können. Sie stehen schlecht da und werden an den Pranger gestellt, wenn sie sich der KI nicht unterwerfen; tun sie es doch, sind sie dem vermeintlich objektiven Urteil, dessen Zustandekommen man nicht wirklich nachvollziehen kann, ausgeliefert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.04.2026 - Medien

In Bayern liegt ein neuer Entwurf des Rundfunkgesetzes vor, das eine "Informationsquote" im linearen Fernsehen von 60 Prozent vorschreibt, konstatiert Claudia Tieschky in der SZ. Was erstmal trocken klingt, könnte sich als erheblicher Eingriff herausstellen. Die Definition für Information lautet im aktuellen Medienstaatsvertrag "'Nachrichten und Zeitgeschehen, politische Information, Wirtschaft, Auslandsberichte, Religiöses, Sport, Regionales, Gesellschaftliches, Service und Zeitgeschichtliches'. Mit anderen Worten: Auch ein Garten- oder Bergsteigermagazin lässt sich notfalls als Information etikettieren. Künftig wäre das aber keine BR-interne Angelegenheit mehr, sondern am Ende Einschätzung der Staatsregierung. Aus ARD-Kreisen hört man, falls die Bayern-Idee in anderen Bundesländern aufgegriffen würde, müsste man sich klarmachen, was eine AfD-Regierung aus der Infoquote machen würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.04.2026 - Medien

Julian Reichelts rechtspopulistisches Internetportal Nius residiert, lange unbemerkt, in einem jener für Kreuzberg typischen gentrifizierten Gewerbehöfe. Dagegen regt sich jetzt Protest, berichtet Timm Kühn in der taz - Anwohner fühlen sich getriggert: "'Wir wollten deutlich machen, dass Nius für uns als Anwohner eine Bedrohung darstellt', erklärt Patrick Stach von der Gruppe der taz. Aus Angst vor einer Nius-Hetzkampagne möchte er seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen. Es gebe viele soziale Initiativen im Kiez, die etwa mit Geflüchteten arbeiten, abends tanzten in Clubs wie dem 'Ritter Butzke' queere Menschen. Doch seit Nius hier sitze, mache sich unter den Nachbarn ein Gefühl der Unsicherheit breit, sagt Stach. 'Wir wissen ja nicht, wer da ein und aus geht, wenn dieses rechte Portal Feierlichkeiten veranstaltet.'" Das Portal wehrt sich mit der Behauptung, die Aktivistengruppen profitierten von Staatsgeldern.

Außerdem: Philip Plickert berichtet in der FAZ, dass die BBC etwa 2.000 Stellen, fast zehn Prozent der Belegschaft, streichen muss.
Stichwörter: Nius