Christian Meier meldet sich in der
FAZ in der Kontroverse um
Sophie von der Tann zu Wort und widerspricht deutlich dem
FAZ-Beitrag von Esther Schapira (
unser Resümee), die von der Tanns Israel-Berichterstattung scharf kritisierte: "Schapira fordert, dass deutsche Medien - die keinen Zugang zum Gazastreifen haben - über politische Hintergründe berichten. Gleichzeitig sollen sie aber nicht mit lokalen Mitarbeitern arbeiten, weil die angeblich 'ausschließlich der Hamas genehme Bilder und Aussagen' produzieren. Wie soll die Berichterstattung dann
funktionieren? Soll man umgekehrt vielleicht ganz darauf verzichten? Soll man auch
kein menschliches Leid mehr abbilden, weil dies ja im Sinne der Hamas sei? In komplexen Berichterstattungslagen wie dieser stellen sich schwierige Fragen an journalistische Ethik und Praxis, aber die sollte man dann auch ernsthaft und sachlich diskutieren."
Der Fall Sophie von der Tann könnte auch ein Licht auf die derzeitige Lage von Pressevertretern in Israel werfen, schreibt Sonja Zekri in der
SZ. "Nicht nur Journalisten-Organisationen, sondern auch viele Berichterstatter aus dem Nahen Osten kritisieren
wachsenden Druck durch die israelische Regierung. Knapp 60 deutschsprachige Journalistinnen und Journalisten, die regelmäßig über den Nahen Osten berichten, veröffentlichen am Donnerstag auf der Webseite von Reporter ohne Grenzen einen offenen Brief. Diskreditierungsversuche durch die israelische Regierung gehörten inzwischen 'zu unserem Alltag'. Während Israel nach wie vor den Zugang für ausländische Journalisten in den Gazastreifen blockiere,
häuften sich die Angriffe auf Korrespondenten. Sie zielten darauf ab, 'kritischen Journalismus' insgesamt zu 'delegitimieren'." Kristiana Ludwig zeichnet in der
SZ den gesamten Fall von der Tann nochmal nach.
In der
Welt hält Christoph Lemmer an dem Vorwurf gegen Tann fest. Er kritisiert außerdem, dass die
ARD bzw. der
BR jegliche Stellungnahme ablehne: "Schriftliche Nachfragen ignoriert die Anstalt gleich gänzlich. Beispielsweise wollte
Welt wissen, warum von der Tann niemals darüber berichtete, wie die
von ihr stets in Schutz genommenen Palästinenser über Adolf Hitler denken. Die Frage ist höchst relevant. Hitler ist in den Palästinensergebieten populär. Deutsche, die es dort hin verschlägt, werden umstandslos auf Hitler angesprochen. Der nationalsozialistische Menschheitsverbrecher wird weithin
als positive Figur gesehen, und zwar deshalb, weil er Millionen Juden ermorden ließ."
In der
Zeit fragt sich auch Götz Hamann, was eigentlich von der Tanns Chefs zu der Debatte sagen. Der Sender reagierte wohl zögerlich: "Einer ist in dieser Debatte erstaunlich still, der Chef von Sophie von der Tann. Dies ist der Chefredakteur des
Bayerischen Rundfunks,
Christian Nitsche. Der
BR schreibt aber: Nitsche sei 'für das Team rund um die Uhr erreichbar. Er beantwortet auch seit Jahren persönlich Zuschriften, die sich mit den Inhalten des Studios auseinandersetzen. Zudem hat er mehrfach auf Kritiker im Internet reagiert, so etwa im August, Oktober, November und Dezember auf
X, ebenso im November auf LinkedIn.' Eine große Öffentlichkeit erreicht er damit nicht. Vielleicht ist hier erneut zu beobachten, wie schwer sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk noch immer damit tut, auf die Dynamiken
zu reagieren, die entstehen, wenn sich in anderen Medien und in sozialen Netzwerken eine Kritikwelle gegen
ARD und
ZDF aufbaut."