9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

2342 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 235

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.05.2026 - Medien

Zum 40-Jährigen Bestehen blättert tazler Andreas Speit in einer Ausgabe der Jungen Freiheit. Besonders interessant ist es nicht, was er da liest: "'Die JF hat letztlich keinen eigenen originären Gedanken', sagt auch Johanna Sigl, Professorin an der Hochschule Rhein-Main. Das 'Flaggschiff' fahre nicht bloß historisch, sondern auch aktuell nur im extrem-rechten Fahrwasser, betont Sigl, sowohl bei ihrem Gejammer über 'Cancel-Culture' als auch bei 'Gender-Wahnsinn' (...) Titelthema der Wochenzeitung am 15. Mai dieses Jahres: Was trennt Mann und Frau? Im Titeltext beklagt Zita Tipold, dass das 'Geschlechterproblem' zur ausbleibenden Familiengründung und stetigen Geburtensenkung führe. Layouttechnisch hervorgehoben: 'Frauen brauchen heute oftmals keine Versorger mehr!' Die ausgemachte Ursache formuliert Maximillian Pütz im Interview noch deutlicher: Der Feminismus 'sollte als Geisteskrankheit anerkannt werden', so der Männerrechtler von Casanova Coaching."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.05.2026 - Medien

Das Programm des Deutschlandfunks soll neu strukturiert werden. In der Redaktion herrsche Unruhe, berichtet Stefan Niggemeier bei den Uebermedien. Aber vielleicht fühlt man sich nur in seiner Routine aufgestöbert? "Die Fachmagazine werden nun überwiegend abgeschafft oder verschmolzen. In Zukunft sollen die Beiträge der Fachredaktionen verstärkt Platz in den allgemeinen Informationssendungen vor allem am Morgen, aber auch am Mittag und frühen Abend finden. Dort können sie ein größeres Publikum erreichen, weil die Hörerzahlen hier am größten sind. Sie müssen sich aber jeweils in einem internen Pitch um das beste Thema durchsetzen. Ein solcher interner Konkurrenzkampf ist Neuland für den Deutschlandfunk."
Stichwörter: Deutschlandfunk

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.05.2026 - Medien

Nius hat seit Herbst 2022 Verluste in Höhe von 33 Millionen gemacht, die Zugriffszahlen auf die Website sind im Vergleich mit anderen Online-Medien schlecht, konstatiert Stefan Niggemeier in der SZ. Nius jetzt für irrelevant zu halten, wäre falsch, vor allem wenn der dahinter stehende Geldgeber Frank Gotthardt seine Unterstützung nicht zurückfahren möchte. "Die publizistische Wirkung von Nius ist real: im Zusammenspiel mit der AfD, deren Weltsicht es verbreitet und für die es immer wieder Aufreger zum politischen Ausschlachten fabriziert. Und in der Art, wie es Debatten vergiftet und extrem rechte Personen und Positionen normalisiert. Gemeinsam mit anderen sogenannten Alternativmedien ist Nius immer im Kampagnenmodus; Mainstreammedien wie Bild und Welt springen dann gern auf den Zug auf."
Stichwörter: Nius, Gotthardt, Frank

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.05.2026 - Medien

Caspar Busse berichtet auf der Medienseite der SZ über eine geplante Zerschlagung der Bavaria, einst ein Filmstudio, wo heute im wesentlichen Fernsehschmonzetten und -shows produziert werden. Die Bavaria gehört zu fünf Sechsteln den Öffentlich-Rechtlichen - der Rest dem Land Bayern. Die Immobilien will man offenbar verkaufen. "Die Lage im grünen Süden Münchens ist attraktiv. Ob hier künftig auch Luxusimmobilien entstehen können und werden, ist unklar. Dafür müsste die Gemeinde Grünwald, zu der das Gelände gehört, zunächst die Bebauungspläne ändern, diese sehen bislang keine Wohngebiete vor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.05.2026 - Medien

Einen kleinen Wirbel hat ein Text des französischen KI-Unternehmers Brivael Le Pogam geschlagen, der in der These gipfelte, Frankreich müsse sich bei der Welt für Rousseau und die French Theorie entschuldigen, weil die am Wokeismus schuld seien, berichtet in der NZZ Thomas Ribi. Warum gerade Rousseau? "Rousseau habe den Gedanken in die Welt gesetzt, dem das Übel der Woke-Bewegung zugrunde liege: die Idee, der Mensch sei gut geboren, und es sei die Gesellschaft, die ihn verderbe. Dieses Prinzip klinge zwar gut, so Le Pogam. Aber es sei verderblich. Denn es mache alles verdächtig, was eine Zivilisation strukturiere: Besitz, Hierarchie, Tradition, Institutionen. Wenn der Mensch an sich gut sei, liege das Böse nicht in ihm, sondern in der gesellschaftlichen Ordnung. Also müsse man die Ordnung zerschlagen, damit sich das Gute entfalten könne. Das sei der Nährboden, dem der Terror des Kommunismus genauso entspringe wie die Überzeugung, man könne durch Erziehung einen "neuen", vollkommenen Menschen schaffen. Und der Wokeismus, der sich zum Ziel setze, die Gesellschaft zu reinigen, indem er ihre Normen auf den Kopf stelle." Als Elon Musk das auf X mit dem Satz kommentierte, "Rousseau was such a diabolical asshole!", lasen plötzlich fünfzig Millionen Menschen Le Pogams Text.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.05.2026 - Medien

Die Jüdische Allgemeine hat den "Tacheles"-Preis für ihre Verdienste um das jüdische Leben in Deutschland erhalten. Die Welt druckt Philipp Peyman Engels Dankesrede, der die "tendenziöse Berichterstattung" über Israel kritisiert. Die "alte jüdische Redewendung ist und bleibt ebenso aktuell wie treffend: Auch die halbe Wahrheit ist eine ganze Lüge. Überschriften wie 'Israel erwidert trotz neuer Waffenruhe Beschuss aus Gaza' (Der Spiegel) oder 'Israel droht mit Selbstverteidigung' (Focus) überlassen wir, die Jüdische Allgemeine, gerne den Kollegen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Es gibt unzählige Gründe, Israel zu verteidigen, aber selbstverständlich - wie sollte es auch anders sein - manche Gründe, die israelische Regierung maximal hart zu kritisieren - ich denke an die beabsichtigte Einführung der Todesstrafe, die Schwächung demokratischer Instanzen, rechtsextreme Politiker und immer öfter auch an menschenverachtende Aussagen einzelner Minister."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.05.2026 - Medien

Die New York Times hat mit dem Artikel von Nicholas Kristof (unsere Resümees) über angebliche Vergewaltigungen durch Hunde in israelischen Gefängnissen eine Barriere eingerissen, die der Journalismus als ganzes noch bedauern wird, meint Daniel Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, in der Jüdischen Allgemeinen: "Dabei steht der enorme Umfang der Untersuchungen zu den Hamas-Verbrechen im krassen Gegensatz zu Kristofs Konstruktion. Dort eine mehrere hundert Seiten umfassende Dokumentation mit über 400 Zeugenaussagen, tausenden Bildern und unzähligen Stunden Videomaterial der Hamas sowie Mitschnitten von Mobiltelefonen, Überwachungskameras und Dashcams, die unter Mithilfe von juristischen und forensischen Experten sowie medizinischem Fachpersonal und Traumatherapeuten verfasst wurde. Hier anonyme Aussagen, schwer überprüfbare Berichte, Aktivistennetzwerke und Behauptungen, die jeder Plausibilität trotzen. ... Sicher: Die Feinde Israels jubeln, weil nun selbst die New York Times ihre fantastischsten Mythen schwarz auf weiß druckt. Doch die Konsequenzen werden nicht nur Israel treffen. Nein, die Konsequenzen werden auch die klassischen Medien zu spüren bekommen. Denn die Grenzen zwischen Aktivismus und Journalismus verschwimmen immer mehr. Das Vertrauen erodiert. Und die Wahrheit zerbricht an der weit verbreiteten Besessenheit, in deren Zentrum Israel steht."
Stichwörter: New York Times

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.05.2026 - Medien

Für die NZZ fasst Marc Neumann den Skandal um einen in der New York Times erschienenen Artikel des Kolumnisten Nicholas Kristof über angebliche Folter in israelischen Gefängnissen zusammen (unsere Resümees): "Kristof beruft sich bei seinen Schilderungen mehrfach auf die NGO Euro-Med Human Rights Monitor. In Genf niedergelassen und vom in Gaza geborenen Aktivisten Ramy Abdu gegründet, wird die Organisation von Israel bezichtigt, mit der Hamas verbunden zu sein. Sie hat unter anderem unbestätigte Vorwürfe über Organraub und Massenexekutionen von Palästinensern gegen Israel erhoben, die zu abwegig waren, um in weiten Teilen der Presse ernst genommen zu werden. Die Quellenlage ist also dünn. Zur Empörung beigetragen haben dürfte das kaum zufällige Timing des Kristof-Artikels." Siehe oben!

Bestellen Sie bei eichendorff21!
In ihrem Buch "Dekonstructing the Kardashians" analysiert die Autorin MJ Corey den Erfolg der Familie Kardashian, bekannt aus Reality-TV und Sozialen Medien, mit der Medientheorie von Jean Baudrillard, wie sie im Zeit Online-Interview erklärt. Klingt komisch, macht aber Sinn. Baudrillard stellte nämlich fest, so Corey, dass sich in der postmodernen Kultur nicht mehr zwischen Realität und Nachahmung unterscheiden lässt: "Die Kardashians gewähren uns Einblick in ihr Leben, in den sozialen Medien und im Reality-TV, indem sie ein Bild von Authentizität vermitteln. Doch alles in ihrer Welt ist ein Verweis - auf ihr Selbstverständnis als Reality-Stars, auf amerikanische Geschichte, auf den Glamour vergangener Dekaden, Popkultur und Politik." Wir "leben in einer Hyperrealität, in der wir die Welt durch Bilder und Slogans begreifen und eher über Darstellungen als über die Realität miteinander in Beziehung treten. Das beste Zitat dazu hat Kim einmal selbst geliefert. In einem Videointerview mit dem Vogue-Magazin führt sie durch ihr Haus und sagt: 'Wir bleiben immer authentisch, und es gibt eigentlich keine echten Situationen.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.05.2026 - Medien

Nicholas Kristofs Artikel über die angebliche "systematische" sexuelle Gewalt in israelischen Gefängnissen (unsere Resümees) wächst sich zum Problem für die New York Times aus. Die Vorwürfe sind so schwerwiegend, und die Belege, die Kristof dafür anführt so lückenhaft oder kommen aus so Hamas-nahen Quellen, dass die New York Times wesentlich intensiver hätte recherchieren müssen, meint Nicholas Potter in der taz. Doch "schon die Form des Textes ist hier fehl am Platz. Das Thema ist zu wichtig, zu heikel, zu gravierend für einen Meinungsbeitrag von einem einzigen Meinungskolumnisten. In US-amerikanischen Redaktionen sind das Meinungsressort und die Nachrichtenredaktion streng getrennt. Und Meinungstexte sind eben von der Meinungsfreiheit geschützt und unterliegen niedrigeren Fact-Checking-Hürden als journalistische Berichte. Man fragt sich: Warum hat das Jerusalemer Büro oder das Investigativressort der Zeitung nicht zu den Vorwürfen recherchiert? Und werden sie das jetzt tun?"
Stichwörter: New York Times

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.05.2026 - Medien

Die israelische Regierung will eine Verleumdungsklage gegen die New York Times anstrengen, berichtet unter anderem Lazar Berman in der Times of Israel. Es geht um einen Artikel Nicholas Kristofs auf der Meinungsseite der New York Times (wo offenbar nicht so strenge Factchecking-Regeln herrschen wie auf den anderen Seiten der Zeitung, mehr hier). Der Kolumnist trägt unter anderem unter Bezug auf Hamas-nahe Quellen Gerüchte weiter, dass Israel palästinensische Gefangene systematisch durch abgerichtete Hunde vergewaltigen lasse (unser Resümee). Weitere Belege für diese Behauptungen legt er nicht vor, während andere Aussagen anonym befragter Zeugen in seinem Artikel plausibler klingen mögen. Kristofs Artikel erschien vielleicht nicht von ungefähr einen Tag vor dem großen Abschlussbericht der "Civil Commission on October 7 Crimes by Hamas against Women and Children" zur sexuellen Gewalt am 7. Oktober (unser Resümee). "Ich habe heute meine Rechtsberater angewiesen, die strengsten rechtlichen Schritte gegen die New York Times und Nicholas Kristof zu prüfen", zitiert Berman aus einem Tweet Benjamin Netanjahus. Die New York Times verwahrt sich gegen die Anschuldigungen. Die Drohungen gegen "Nicholas Kristofs fundiert recherchiertem Meinungsbeitrag" seien Teil eines "altbekannten politischen Spiels, das darauf abzielt, unabhängige Berichterstattung zu untergraben und Journalismus zu unterdrücken, der nicht in ein bestimmtes Narrativ passt".
Stichwörter: New York Times