In Turin haben "propalästinensische" Aktivisten die Büros der Zeitung
La Stampa angegriffen (dort wurde gestreikt, und es war dummerweise keiner da, berichtet Matthias Rüb in der
FAZ. Aber
Francesca Albanese, die italienische Pasionara der palästinensische Sache, sprach einen Satz aus, der Italien jetzt empört: "Das soll eine Warnung an die Journalisten sein."
Die tunesische TV-Kommentatorin
Sonia Dahmani ist überraschend aus der Haft entlassen worden,
freut sich Mirco Keilberth in der
taz. Hier die Bemerkung, für die sie immerhin 18 Monate einsaß: "In einer Fernseh-Talkshow, in der es um Migration ging, hatte ein Gesprächspartner von Dahmani den nach Tunesien kommenden Migranten vorgeworfen, die Schätze des Landes plündern zu wollen. 'Von
welchem Paradies sprechen sie denn', entgegnete sie, 'das, aus dem die Jugend flieht?'"
Claudius Seidl schaut sich für die
SZ ziemlich entgeistert
Dan Farahs Dokumentarfilm "Das Zeitalter der Enthüllungen" an, der auf
Amazon Prime läuft. Hier werden, unterstützt durch die Auftritte zahlreicher amerikanische Politiker, darunter Außenminister
Marco Rubio, fröhlich Verschwörungstheorien als Tatsachen verkauft. Es geht um UAPS, "unidentified aerial phenomena" - also um
UFOS. Im Film erzählt ein Mann namens Luis Elizondo von einem amerikanischen Geheimprojekt, das nach einem UFO-Absturz in New Mexico im Jahr 1947 mit dem Nachbau
außerirdischer Technik betraut sei: "Zwei Gründe nennt Elizondo dafür, dass nichts, aber auch gar nichts übers 'Legacy Program' herauskommen darf. Der erste ist eben das Wettrüsten beim Entschlüsseln und Nachbauen der außerirdischen Technik, dem 'reverse engineering' (...) Andererseits kommt im Film auch ein Experte zu Wort, der vermutet, dass manche der unidentifizierten Flugobjekte über Amerika schon die chinesischen Nachbauten seien. Was Elizondo besonders verdrießt, ist der Verdacht, dass es längst private Firmen seien, die die außerirdische Technik erforschten, weil sie der Öffentlichkeit keine Rechenschaft schulden."
Marion Löhndorf nimmt in der
NZZ den
BBC-Vorsitzenden
Samir Shah in den Fokus, der sich letzten Montag vor einem Ausschuss des britischen Parlaments wegen der zahlreichen Vorwürfe gegen die
BBC verantworten musste (
unser Resümee). Shah machte "
keine gute Figur", so Löhndorf: "Samir Shah wich aus, wie er fast allen Fragen auswich: Man habe erst alles sorgfältig prüfen müssen und nichts überstürzen wollen, auch habe man mit dem Verfasser eines Memos gesprochen, das der
Daily Telegraph zitiert habe. Dabei lächelte er sanft, als habe er es mit Fragen ungezogener Kinder zu tun. Tim Stanley, Reporter des
Daily Telegraph, nannte den Auftritt des
BBC-Vorsitzenden nicht ohne Genugtuung 'extrem chaotisch' und 'erstaunlich schlecht'."
Keine Journalistin prägt das Bild der Deutschen vom Gazakrieg so tief wie die
ARD-Korrespondentin
Sophie von der Tann. Sie steht seit langem in der Kritik für ihre israelkritische Haltung - aber nicht bei Journalistenkollegen, die sie jetzt unter Jurypräsidentin Sandra Maischberger mit dem
Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis auszeichnen werden. Lorenz Beckhardt
liest in der
Jüdischen Allgemeinen mit einigem Befremden in der Begründung der Jury: Sie lobe, dass Tann nicht nur die 'Terror-Herrschaft in Gaza' benenne, "sondern auch 'kritisch über Israels Politik und Kriegsführung berichtet', was ihr als 'deutscher Korrespondentin...
schon eher Probleme' bereitet habe: 'Auch deutsche Journalist:innen stehen im Kontext der deutschen Geschichte'." Die Jury-Begründung kann man
hier nachlesen. dort heißt es auch: "Der
wirkmächtige Botschafter Israels in Deutschland, der auch von deutschen Medien erklärtermaßen 'Solidarität mit Israel' erwartet, forderte öffentlich, dass die Korrespondentin ins Lager der Aktivisten wechseln solle. Zum Teil
orchestrierte Reaktionswellen in den sogenannten 'sozialen' Medien sind deutlich brutaler." Aber Verschwörungstheorien gibt es selbstverständlich nur dort.