Weißglut
Die inneren Kriege der USA. Eine Geschichte von 1900 bis heute

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406836282
Gebunden, 464 Seiten, 32,00
EUR
Klappentext
Was ist bloß mit den USA los? Woher kommt das Gift im politischen Betrieb? Das Lügen, Denunzieren und Dämonisieren, der Hass auf Minderheiten und die Unerbittlichkeit gegenüber den Schwachen? Wie konnte die Weißglut zur politischen Betriebstemperatur werden? Donald Trump und sein MAGA-Movement haben Wurzeln, die weit zurückreichen ins "amerikanische Jahrhundert". Dieses Buch legt sie frei. Bernd Greiner erzählt eine andere Geschichte der USA der letzten hundert Jahre, die ebenso erhellend wie bedrückend ist. Es ist die Geschichte einer Gesellschaft, die sich innere Kriege leistet, befeuert von einem Extremismus der Mitte, der sich als das politische Metronom des Landes erweist. Im Mittelpunkt stehen weder Präsidenten noch Parteien. Im Mittelpunkt steht selbsternannte Hüter des Gemeinwohls, Bürgerinnen und Bürger, die im Namen der Demokratie anderen die demokratische Teilhabe streitig machen - mit minimaler Toleranz für politisch Unangepasstes, mit kompromisslosem Beharren auf eigenen Zielen, mit missionarischem Sendungsbewusstsein. Sie haben der Arbeiterbewegung das Rückgrat gebrochen, Linke aus dem politischen Leben verbannt, Rüstungs- und Kriegskritiker marginalisiert und die Dominanz der Weißen zementiert. Über allem thront die Maxime, dass wahre Macht auf der Angst der anderen beruht. Und dass Verunsicherung und Furcht den größeren Gewinn abwerfen. Anders gesagt: Wenn Donald Trump das einzige Problem wäre, hätte Amerika nur ein geringes Problem.
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Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 06.01.2026
Mit dieser Studie über die amerikanische Traditionslinie des Hasses und der Wut liefert der deutsche Historiker eine präzise, zugänglich geschriebene Analyse eines innerlich zerrütteten Landes, findet Rezensentin Katja Ridderbusch. Sie liest von einer durch unablässige Feindstellung geprägte Politik, deren Ursprung der Historiker im Gewerkschaften zerschlagenden "Gilded Age" des 19. Jahrhunderts verankert. Bürgerrechtskämpfe der 60er- und 70er-Jahre führten wiederum zu einer auf Vermehrung von ausgeprägtem Rassismus, stereotypisierten Feindbildern und religiösem Konservatismus, der gar nicht mehr so weit von der Trump'schen Wiederaneignung des Reagan-Slogans "Make America Great Again" entfernt ist, erfährt die Kritikerin. Eine perfide Taktik der Rechten sei es dabei, frühere Klassenkämpfe in Debatten über vage, kulturelle Werte umzulenken, die dafür aber größeres Potential zur Kontroverse hätten. Ridderbusch freut sich, dass mit diesem eindrücklichen "Sittengemälde im historischen Längsschnitt" nun eine klare Antwort auf die Ursprünge des Trumpismus vorliegt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.12.2025
Rezensentin Viola Schenz lobt die Fleißarbeit des Historikers und USA-Kenners Bernd Greiner, der hier auf fast 500 Seiten die Klassen- und Kulturkämpfe innerhalb der USA darstellt, laut Schenz eine mächtige Sozialgeschichte, in der vom Ku-Klux-Klan über die Kennedys bis zu Obama so ziemlich alles und jeder vorkommt. Doch nicht ganz. Schenz gefällt die flüssige, anschauliche Schreibweise, mit der der Autor etwa die miese Behandlung der Arbeiter dokumentiert, doch sie vermisst auch wichtige Aspekte. Die Erfolge linker Politik wie den sozialen Wohnungsbau oder Obamacare oder auch die Beantwortung der Frage, warum die Demokraten 2024 so krachend scheiterten. Dergleichen kommt im Band zu kurz oder bleibt zu vage, findet sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2025
Rezensent Oliver Kühn lernt einiges auch über die Trump'sche Gegenwart aus diesem Buch, das in die Geschichte der USA und ihrer Kulturkämpfe zurückblickt. Autor Bernd Greiner setzt mit dem sogenannten Guilded Age an, in dem sich ultrareiche Industrielle um die vorletzte Jahrhundertwende mit der Politik verbündeten, um ihre Klasseninteressen knallhart durchzusetzen. Diese Verbindung von Staat und Wirtschaft beschreibt Greiner Kühn zufolge als eine amerikanische Spezialität, entscheidend ist, dass die Gewalt aus der Mitte der Gesellschaft kommt und außerdem auch immer eine rassistische Komponente hat, geht es doch darum, die Vormachtstellung der weißen Mehrheit zu zementieren. Wie dadurch Klassenkonflikte in kulturelle Kämpfe umgewandelt wurden, lernt Kühn von Greiner - nicht einverstanden ist der Autor hingegen mit den Passagen, die sich dem Kalten Krieg widmen und in denen Greiner rückblickend einer moskaufreundlicheren Politik das Wort redet. Das ist mit Blick auf die Gegenwart naiv, meint Kühn, der ansonsten der Meinung ist, dass Greiner hier gut darstellt, wie es zu dem Phänomen Trump kommen konnte.