Byung-Chul Han

Die Austreibung des Anderen

Gesellschaft, Wahrnehmung und Kommunikation heute
Cover: Die Austreibung des Anderen
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783103972122
Gebunden, 112 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Der international als "neuer Star der deutschen Philosophie" gehandelte Byung-Chul Han legt nach seinem Bestseller "Psychopolitik" sein neues Buch über Gesellschaft, Wahrnehmung und Kommunikation heute vor: Die Zeit, in der es den Anderen gab, ist vorbei. Der Andere als Freund, der Andere als Hölle, der Andere als Geheimnis, der Andere als Verführung, der Andere als Eros verschwindet. Er weicht dem Gleichen. Die Wucherung des Gleichen macht heute die pathologischen Veränderungen aus, die den Sozialkörper befallen. Sie gibt sich dabei als Wachstum. Nicht Entfremdung, Entzug, Verbot, Verdrängung, sondern Überkommunikation, Überinformation, Überproduktion und Überkonsumation machen ihn krank. Nicht Repression durch den Anderen, sondern Depression durch das Gleiche ist das Zeitzeichen von heute. Byung-Chul Hans neuer Essay spürt der Gewalt des Gleichen in den Phänomenen wie Angst, Globalisierung und Terrorismus nach, die die heutige Gesellschaft kennzeichnen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.01.2017

Ingo Arend geht Byung-Chul Han nicht auf den Leim. Der "Philosoph der Stunde" und seine kulturkritischen Miniaturen entpuppen sich für Arend bei genauerem Hinsehen als gleichsam autistische Rhetorik und "prätentiöse Ontologie" ohne jede Empirie. Gegenbeispiele für Hans düstere sozialphilosophische Thesen zur Positivität des Gleichen? Fehlanzeige. Von Ärger im Jobcenter, Streiks und Ehekrach, meint Arend, hat der Autor noch nie gehört. So steht Hans Diagnose von der "entpersonalisierten Kommunikation" natürlich wie eine Eins, meint er.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.08.2016

Fritz Göttler mag ihn gern, den beschwörenden Byung-Chl-Han-Sound, der ganz ohne Ironie und ohne Pathos auskommt. Wenn der mittlerweile in Berlin lehrende Philosoph über das Andere nachdenkt, dann beruft er sich zwar extensiv auf Heidegger, Derrida, Levinas und Zizek, doch Göttler versichert in der ihm eigenen Luzidität, dass Han die "Schraubstockhaftigkeit" dieser Denker völlig abgeht. Stattdessen reiht er Beobachtungen und Szenen aus dem Alltag aneinander, beklagt neoliberale Ausbeutungsmechanismen, die sich als Selbstverwirklichung tarnten, oder die digitale Informationsflut, die der Welt die Fremdheit und damit auch das Staunen genommen habe. Denn es sei die "Insistenz des Schauens", die dem Geschauten vorausgeht, schreibt Göttler, dem besonders die Passagen über den Blick des Rochen imponiert haben, in denen Han die berühmte Schlussszene aus Fellinis "La dolce vita" mit Lacan kurzschließt.

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