Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe. Im November 2015 werden Can Dündar, Chefredakteur der regierungskritischen Tageszeitung "Cumhuriyet", und Erdem Gül, Hauptstadtkorrespondent, verhaftet. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft ihnen Spionage und Verrat von Staatsgeheimnissen vor, Staatspräsident Erdogan stellt persönlich Strafanzeige und fordert lebenslange Haft. Hintergrund ist ihre Berichterstattung über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an syrische Extremisten. Nach drei Monaten kommen die Journalisten vorläufig frei. Anfang Mai beginnt der Prozess: Dündar wird zu sechs, Gül zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
In "Lebenslang für die Wahrheit" erzählt Dündar die ganze Geschichte von der Entdeckung der geheimen Waffenlieferungen über die Entscheidung, das belastende Filmmaterial zu veröffentlichen, bis zu den Ereignissen, die der Veröffentlichung folgten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.09.2016
Christiane Schlötzer schöpft mit Can Dündars Gefängnistagebuch Mut und Hoffnung. Hoffnung auf eine andere Türkei als diejenige Erdogans, dessen geheime Waffentransporte nach Syrien der Autor aufdeckte und dafür in Isolationshaft kam. Dass der Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet" mit klarem Blick das Böse vom Guten in der Türkei scheidet, findet sie dankenswert. Das Kafkaeske der Haft kann ihr Dündar auch vermitteln, vor allem aber die aufbauende Haltung dessen, der mit Stift und Papier optimistisch gegen Lüge und Machtmissbrauch streitet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2016
Hochbesorgt lässt die Lektüre den Rezensenten Rainer Hermann zurück. Was der Chefredakteur der ältesten türkischen Tageszeitung, Can Dündar, in der Isolationsaft notierte, sind für ihn wichtige Zeitdokumente. Es geht um die "finstere Zeit" unter Erdogan, seine gewaltreiche Machtausübung und sein Lügenregime. Dündar, nach der Aufdeckung der illegalen türkischen Waffenexporte nach Syrien angeklagt und verurteilt, schreibt laut Hermann zwar mit Witz und Humor, doch die Brutalität und Rücksichtslosigkeit der türkischen Machthaber verschlagen dem Rezensenten den Atem.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…