Die Konflikte um die Kriegerdenkmäler in der Zwischenkriegszeit zeigen: Zu tief waren die Gräben, die Krieg, Niederlage, Revolution und Republikgründung gerissen hatten, als dass ein gemeinsames Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkrieges möglich gewesen wäre. Denkmäler sicherten im wechselhaften und flüchtigen politischen Alltag der Weimarer Republik dauerhafte Präsenz: Sie suggerierten Raumkontrolle, markierten Ansprüche, setzten ideologische Hoheitszeichen. Besonders die Erinnerung an die Gefallenen diente einer politisch und sozial zerklüfteten Gesellschaft zur Beschwörung nationaler Gemeinschaft. Uneinigkeit und Individualismus sollten in gemeinsamen Kulthandlungen und mit Hilfe neuer Kultbauten, Denkmäler und Versammlungsstätten überwunden werden. Doch gerade im Streben nach Sinngebung und Gemeinschaft zeigte sich eine tiefe politische Zerrissenheit: Jedes Lager deutete den Sinn des Massensterbens anders.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2005
Sehr zufrieden zeigt sich Rezensent Rolf Wörsdörfer mit diesem neuen Lexikon zu Südosteuropas Geschichte. Die geografische Spannweite des Lexikons reiche von der Slowakei bis nach Zypern und von Triest bis nach Transnistrien, keine noch so kleine ethnische Gruppe werde ausgelassen. Einen Schwerpunkt des Bandes sieht Wörsdörfer bei Lemmata über die Verwaltungs- und Sozialstruktur des Osmanischen Reichs. Er hebt hervor, dass in übergreifenden Artikeln die großen Protagonisten der Sozial- und Geschlechtergeschichte Südosteuropas skizziert werden, die Arbeiter, die Bauern sowie das Bürgertum auf der einen und die Frauen auf der anderen Seite, ergänzt von Texten über die Bauernaufstände und über die Gewerkschaften. Während der Komplex der "nationalen Frage" nach Ansicht Wörsdörfers "erschöpfend" aufgearbeitet ist, entdeckt er in anderen Bereichen Lücken. So vermisst er Texte zur südosteuropäischen Geschichte im 20. Jahrhundert, darunter solche zum Sozialismus, zum Stalinismus und zu den Volksdemokratien, sowie zu Themenfeldern wie Verkehr und Urbanisierung. Hier werde man auf die aktuelle Sekundärliteratur zurückgreifen müssen, resümiert der Rezensent. "Ansonsten aber wird dieses solide gearbeitete Lexikon auch im Zeitalter der Internet-Suchmaschinen ein unverzichtbares Hilfsmittel bleiben."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.04.2005
Sehr erhellend findet Rezensent Gerd Krumeich dieses Buch des Kunsthistorikers Christian Saehrendt über die Denkmalspolitik in Berlin während der Zwischenkriegszeit von 1919 bis 1939. Aufbauend auf grundsätzlichen Überlegungen der Historiker Koselleck, Jeismann und anderen sowie auf vielen Regionalstudien lasse Saehrendts Darstellung der Berliner Situation den politischen Gesamtzusammenhang der Denkmals-Ikonografie, die "Funktionalisierung des Gefallenenkultes" überaus deutlich werden. Saehrendt stelle heraus, dass sich Anhänger der Republik eher für die Versorgung der Kriegsopfer als für Kriegerdenkmälern interessierten und damit - ganz im Unterschied zu den konservativen und rechtsradikalen Gruppen - die zukunftsprägende Kraft historischen Erinnerns unterschätzten. Insgesamt sieht Krumeich in Saehrendts Arbeit "eine Fundgrube unerwarteter und für die Forschung produktiver Erkenntnisse".
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