Welches sind die Grundwerte, Ziele und Voraussetzungen einer Republik? Welche institutionelle Ordnung ist für sie angemessen? Solche Fragen standen im Zentrum der politischen Debatte in Florenz, als dort die Republik zur Zeit der Renaissance ihren langsamen Niedergang erlebte. Daniel Höchli zeigt in seiner Studie, dass der Florentiner Republikanismus weit vielfältiger war, als oft angenommen wird. Der Autor legt die verschiedenen Freiheits-, Bürger-, und Verfassungskonzepte dar, die den Ursprung für diese Vielfalt bildeten. Anhand unveröffentlichter Quellen rekonstruiert er die politische Ordnung der Republik Florenz im frühen 16. Jahrhundert und analysiert, wie Machiavelli, Guicciardini und Giannotti das zentrale klassische Motiv der Bürgertugend mit einem an den Institutionen orientierten Republikanismus überlagerten, um die rationale Entscheidfindung und die Machtteilung zu verbessern. Das Buch gibt auch Antwort auf die umstrittene Frage, ob die politischen Denker in Florenz mit dem klassischen Republikanismus brachen, ob sie ihn konservierten oder innovativ weiterentwickelten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.11.2006
Höchlis Studie über die Florentiner Republik geht, wie der Rezensent Thomas Maissen berichtet, auf die konkreten Debatten der Florentiner über ihre Verfassungsinstitutionen ein. Er kann Höchlis Analyse, dass bei den Vordenkern des Florentiner Republikanismus (darunter Machiavelli, Guicciarini und Giannotti) die Mischverfassung keineswegs als universelle Idee angesehen wird, einiges abgewinnen. Der Autor lege plausibel dar, dass die Florentiner die Mischverfassung nicht als überall gültiges Konzept, sondern als "provinzielle", auf die spezifischen Gegebenheiten in Florenz gemünzte Lösung vertraten, weshalb der jeweilige historische Kontext ihrer Texte zentrale Bedeutung erlangt.
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