An der Wende zum 20. Jahrhundert rebellieren junge Menschen gegen altes, prüdes Denken. Allen Widerständen zum Trotz wollen sie nichts weniger, als ausbrechen, das Leben genießen und sich selbst verwirklichen. Unter ihnen: Erich Mühsam, Else Lasker-Schüler und Arthur Schnitzler. Im Wiener "Café Griensteidl", im Münchner "Café Stefanie" und im Berliner "Café des Westens" lieben und streiten sie sich, schmieden Allianzen und diskutieren dabei aberwitzige Visionen einer anderen, neuen Welt. Dirk Liesemer zeichnet ein Porträt der "Belle Époque" - eine Zeit, in der jahrhundertealte Gefüge zerbrechen und die den eigenen Größenwahn stets um ein Vielfaches zu übertreffen vermochte.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.11.2023
Rezensent Thomas Groß lobt das Atmosphärische in Dirk Liesemers Tableau des Cafehauscharmes um die Jahrhundertwende. Doch so lebensnah und unverstellt der Autor die Wortgefechte über den Kaffeetassen in Wien, München und Berlin darzustellen weiß, nämlich indem er die Protagonisten von Hofmannsthal über Lasker-Schüler bis Polgar für sich sprechen lässt, so wenig vermag er zu erklären - über heraufziehende Kriege, den Titel "Größenwahn" oder den Rest der Epoche. Für Groß bleibt der Autor damit bei allem Drive der unterhaltsamen Darstellung hinter den Erkenntnismöglichkeiten seines Themas zurück.
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