Die Zwillingsmädchen Juju und Jojô wohnen in einer sehr, sehr großen Stadt. Um den Himmel zu sehen, muss man den Kopf weit zurücklegen. Früher, erzählt die Nachbarin, sei ihr Haus das höchste des Quartiers gewesen. Das können sich die beiden Mädchen nicht vorstellen, denn heute ist es das kleinste in der Straße, und sie kennen nichts anderes als das Leben in der dicht bebauten Stadt. Doch vor ihrem Haus wächst auch ein Baum. Der Vater hat ihn gepflanzt, als die Mädchen noch klein waren. Es ist ein Jabuticababaum - eine sogenannte Baumstammkirsche. Der Baum hat bereits die Höhe ihres Balkons erreicht. Er spendet nicht nur süße Früchte, auch Schmetterlinge wohnen darin, alle möglichen Arten von Ameisen krabbeln an ihm hoch, und die Grillen zirpen auf den Ästen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2019
Manuela Kalbermatten erkundet mit einer Reihe neuer Kinderbücher die Großstadt als literarischen Raum. Mit Eymard Toledos Buch zum Beispiel lernen Kindern genau hinzusehen, freut sich Kalbermatten. Der brasilianische Autor blickt auf das bunte Nebeneinander von Mensch und Tier im Asphaltdschungel, und die Rezensentin trainiert mit ihm gern ihre Aufmerksamkeit - für all die Jabuticababäume, Hecken und Hauswinkel, in denen sich Wespen, Zikaden und Schmetterlinge tummeln.
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