Francis Ponge

Le Soleil / Die Sonne

Cover: Le Soleil / Die Sonne
Matthes und Seitz, Berlin 2020
ISBN 9783957577757
Gebunden, 883 Seiten, 98,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit einem Kommentar von Thomas Schestag. Unter dem Titel "Mythe du jour et de la nuit" ("Mythos von Tag und Nach") fasst Francis Ponge die Sonne, die als Zentralgestirn des Tages nicht nur den Mythos des Wechsels von Tag und Nacht unterhält, sondern für die Ausbildung der Menschensprache als Urteilssprache (im Sonnenlicht) zur Rechenschaft gezogen werden soll, ins Auge. Diese Auseinandersetzung mit der Sonne bricht 1931 über Notizen ab, die der Sonne den Prozess machen, also die Herrschaft der Urteilssprache im Zeichen der Sonne, die Ponge zur Disposition zu stellen sucht, bloß bestätigen. Jahre später nimmt Francis Ponge die Auseinandersetzung in einem umfangreichen, im Nachlass erhaltenen Dossier, unter geänderten Vorzeichen, wieder auf. Diesmal wird nicht mehr nur die Sonne, sondern auch das Wort "soleil" in Betracht gezogen. Aus diesem umfangreichen Konvolut verdichtet, resultiert ein mehrteiliger Text, den Ponge im Dezember 1954 unter dem Titel "Le Soleil placé en abîme ("Die Sonne versetzt in den Abgrund") publiziert. Das Dossier, dem dieser Text entspringt, entfaltet einen Facetten- und Ideenreichtum, den der publizierte Text abschattet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.12.2020

Rezensent Eberhard Geisler gibt zu Bedenken, dass der von Thomas Schestag herausgegebene Band mit Francis Ponges Einlassungen zur Sonne nicht das richtge Buch für Leser sein könnte, die an Ponges Dichtung interessiert seien. Wer aber Ponges schriftstellerischen Weg nachvollziehen möchte, der wird womöglich fündig, meint er, wird doch zum einen Ponges unkonventionelles Werkverständnis sichtbar, zum anderen sein Versuch, "heliozentrische" Positionen zu dekonstruieren. Dass Ponge in letzterer Hinsicht an die deutschen Romantiker anknüpft, wäre einen Kommentar wert gewesen, findet Geisler.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2020

Rezensent Bernd Stiegler verliert sich fast in Francis Ponges Annäherungen an die Erscheinungen und die Sprache. Das liegt nicht nur am "Entwurfscharakter" der hier erstmals aus dem Nachlass publizierten Texte, in denen Ponge während 30 Jahren immer wieder seine enzyklopädischen Funde sammelt, sondern auch an Thomas Schestags Edition, wie der Rezensent erläutert. Die chronologische Vorstellung verschiedener Arbeitsphasen sprengt laut Stiegler den Kommentar und wird zur Interpretation, ja zur poetischen Fortführung des Projektes, was die Lektüre für ihn nicht unbedingt erleichtert, auch, da Erläuterungen und enthusiastisches Abfeiern des Textes mitunter fließend ineinander übergehen. Nicht Genauigkeit ist hier das Ziel, sondern Fülle, versteht Stiegler. Ponge zu entdecken, lohnt sich allemal, findet er.
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