Alles beginnt mit einem ebenso allgegenwärtigen wie zumeist überhörten Stöhnen: Die Mitarbeiter in der "mittleren Ebene" des IT-Konzerns McWorthy leiden still unter den Zumutungen ihres Jobs. Nie können sie sicher sein, wo sie sich befinden und wohin sie unterwegs sind (oder sein sollten). Letztes Mittel der Selbstbewahrung: die Flucht ins Irrationale. Das Upgrade in die First Class wird zum Lebenszweck; die Opferung eines USB-Sticks zum Karriere-Boost, der eigene Unfalltod im geliebten Cabrio zum irgendwie erleichternden Wunschtraum.
Mit allen möglichen Einbildungen und Fiktionen versuchen die Figuren dieser Erzählungen, sich das Arbeitsleben erträglich zu machen, oder überwinden sich zu neuen Verbiegungen und Unterwerfungen. Unausgesprochen steht hinter allem die Frage: Warum haltet ihr das alles aus?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016
Lothar Müller kannte Frank Jakubzik bisher als Übersetzer von Franco Moretti oder Colin Crouch. Dass Jakubzik jetzt mit fünfzig Jahren literarisch debütiert, verzeichnet der Rezensent mit Sympathie. Müller gibt Jakubziks Erzählungsband im Aufmacher der Literaturbeilage denn auch großen Raum, hält sich jedoch mit einem Urteil zurück. Die Geschichten im Band "In der mittleren Ebene" beschreiben den Kapitalismus als Lebenswelt, der das Denken und Sprechen der Menschen formt, wenn sie vom "Kick-Off-Meeting" zur "Breakout-Session" jettten, über Coldcall-Aktionen oder Cloud-Technology sinnieren und dabei insgeheim ihre Aussteigerfantasien träumen. Geschichten aus dem wahren Leben sind nicht, wird dem Rezensenten beim Lesen klar, es sind "urban legends", schön beiläufig geschriebene Märchen aus den Großraumbüros eines IT-Weltkonzern.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 18.10.2016
Schon der Titel von Frank Jakubziks Erzählungen stößt einen auf die hochgradige Relevanz des Themas, bemerkt Rezensent Dirk Knipphals: die polierte, globalisierte, moderne Arbeitswelt. Bei solch augenfälligem Gegenwartsbezug wird der Kritiker schnell misstrauisch, im Fall von "In der mittleren Ebene" jedoch unberechtigterweise, muss Knipphals einräumen, denn Jakupziks Erzählungen über den Frust, die Tagträume, Fantasien und inneren Fluchten der mittleren Angestellten seien vor allem literarisch zu würdigen. Besonders im kühlen und genauen Beobachten "mittlerer Verzweiflungslagen" und den Bemühungen des nicht kleinen, nicht großen, aber eben mittelgroßen Mannes, sich auf der Stelle zu halten, beweist der Autor mit viel Feingefühl und Verständnis, lobt der Rezensent.
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