Der Heidelberger Rechtsphilosoph und Strafrechtler Gustav Radbruch (1878 - 1949) hat in seinem weit ausgreifenden Denken auch allgemeine Fragen des Kulturlebens behandelt, die neben dem Bereich des Rechts und der Rechtswissenschaft Gebiete der Politik, Geschichte und Kunst berühren. Angefangen mit einer frühen Studie "Über den Begriff der Kultur" schrieb Gustav Radbruch Abhandlungen zur "Religionsphilosophie der Kultur" und des Rechts, zur "Kulturlehre des Sozialismus", "Politische Aphorismen" oder Aufsätze zu Problemen des Rechts als Kulturerscheinung bis hin zu kulturhistorischen Essays über "Ein Lübecker Kulturbild" von einem "Gotteslästerer", über "Hans Baldungs Hexenbilder" oder "Das Strafrecht der Zauberflöte".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.10.2003
Mit diesem Band, erfahren wir von Wolfgang Schuller, ist die Gesamtausgabe der Schriften eines der "bedeutendsten deutschen Rechtsdenker auf dem Gebiete des Strafrechts" abgeschlossen - allein Registerband fehle noch. Schuller lobt die "solide editorische Leistung" im Falle des vorliegenden Bandes im allgemeinen sowie die ausgiebigen, "in herkulischer Anstrengung" erarbeiteten, Erläuterungen im besonderen, ebenso wie die "rechte Mitte", die hier zwischen "Grundinformation" und "weiterführenden Angaben" und gelegentlich sogar "respektvoller Kritik" gefunden worden sei. Außerdem begrüßt Schuller diese Edition insgesamt sehr, weil er findet, dass viele Schriften Radbruchs es verdient hätten, "im öffentlichen Bewusstsein stärker gegenwärtig zu sein", und weil Radbruchs Schriften nicht selten in der Lage wären, "auch Nichtjuristen an das Rechtsdenken heranzuführen". Am interessantesten in diesem Band fand der Rezensent aber die "ausführlichen Abhandlungen", die sich mit dem Marxismus befassen. Hier habe Radbruch, lobt der begeisterte Rezensent, aufgrund der "wohltemperierten Kühle" seines Denkens "großartige und klarsichtige" Formulierungen gefunden - vor allem zur Charakterisierung der Schreib- und Denkweise von Marx, deren "seinerzeitige große Anziehungskraft" man nicht besser hätte beschreiben, und "damit gleichzeitig relativieren" können, als Radbruch es hier getan hat.
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