Wenige Jahre nach "Madame Bovary" schrieb Flaubert diese Phantasmagorie des alten semitischen Orients. Thematischer Vorwand des historischen Romans "Salambo" ist der nach Abschluß des Ersten Punischen Krieges (242-237 v. Chr.) ausbrechende bürgerkriegsähnliche Konflikt zwischen der Seerepublik Karthago und rebellierenden Söldnertruppen sowie deren Vernichtung durch Hamilkar Barkas. Rebellion und Agonie des "Barbarentums" finden in der tragischen Liebesgeschichte zwischen Salambo, der Tochter Hamilkars, und dem Söldnerführer Matho ihre exemplarische private Entsprechung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2001
Dreimal Flaubert hat sich unser Flaubert-Spezialist Willi Winkler ("Alles habe ich gelesen, was zu haben war über Flaubert") zugemutet: den Roman "Salambo", Die "Erziehung der Gefühle" und einen Band "Drei Erzählungen", allesamt erschienen im Haffmans-Verlag.
1) "Salambo"
Erstmal stellt der Rezensent uns den Mann vor, seinen Flaubert: "der grausamste Schriftsteller, der je auf seine Leser losgelassen wurde". Fein. Sodann zum "Schlachtwerk Salambo" und feste exklamiert: "Welche Pracht! Welcher Wahn! Und dann das Schlachten! ... Gustave, le grand Terminator, aaahhh!" So geht das weiter, bis Winkler ihm (Flaubert) schließlich am Gewerbe flickt: "Wie kann man", fragt er (Winkler), "als erwachsener Mensch einen solchen Krampf zusammenschreiben ... sich in so großem Stil verkennen!" Die Antwort gibt er selbst: Haschisch.
2) "Erziehung der Gefühle" und 3) "Drei Erzählungen"
Haschisch wird es auch gewesen sein, was den großen Flaubert seinen Frédéric Moreau "peinigen lässt und verzweifeln lässt und auf Reisen schickt und noch mehr verzweifeln lässt" - wie Winkler uns die "Erziehung der Gefühle" hier in aller Eile zusammenrafft -, was den Autor die "große Narretei von Bouvard und Pecuchet" zimmern ließ, "ein Hochgrab des Irrsinns", so Winkler, und schließlich auch jene "vermeerisch erhabene Geschichte `Ein einfaches Gemüt`". - Was wir von Winkler lernen? Dass Flaubert seine Freude gehabt haben muss am Untergang seiner Figuren, dass Winkler seine Freude haben wird an der vom Haffmans-Verlag geplanten Neuausgabe des Franzosen und, ja, dass "alles gelesen haben" nichts bedeuten muss.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
"Emma Bovary noch einmal, nur in barabarische Vorzeiten versetzt", meint Friedrich Kittler und beschreibt, wie Flaubert in seinem historischen Roman, in dem nur die Titelheldin erfunden ist, Schlachten des alten Karthago beschreibt und sich die Vernichtung allseits zum Ziel setzt. Andererseits sei aber zu vermerken, dass Flaubert trotz seiner schriftstellerischen Grausamkeit - er übt in seiner Prosa den teilnahmslosen Blick - alle Schlachten aus der Perspektive der Verlierer schildere. Petra-Susanne Räbels neue Übersetzung des Klassikers lobt Kittler als "makellos".
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