Aus dem Norwegischen von Melanie Hack. Hans Petter Graver arbeitet in seinem Buch "Richter im Krieg" die Rolle der deutschen und norwegischen Gerichte während der Besatzungszeit von 1940 bis 1945 auf. "Furchtbare Juristen" verrichteten während des Zweiten Weltkriegs auch in Norwegen ihren "Dienst", allen voran jene des Reichskriegsgerichts, des SS- und Polizeigerichts Nord sowie diverser Sondertribunale und Standgerichte. Während die Nazifizierung nicht zuletzt durch den Nasjonal Samling fast das gesamte Rechtswesen erfasste, gab es auch Protest in der Richterschaft. Wie ist jedoch der relativ geringe Widerstand zu erklären? Wie ließen sich "nationalsozialistischer Geist" mit richterlichem Selbstverständnis und professionellem Berufsethos vereinbaren?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2019
Der hier rezensierende Rechtshistoriker Michael Stolleis hat diese Buch seines norwegischen Kollegen Hans-Petter Graver mit Gewinn gelesen. Stolleis liest hier nach, wie Vidkun Quisling, seit 1942 norwegischer Ministerpräsident unter deutscher Besatzung, gefügige Richter suchte, die Kritik gegen die Besatzungsmacht vermieden, und einen neuen "Volksgerichtshof" einsetzte. Kein leichtes Unterfangen, wie Graver aufklärt, viele Richter erteilten Quisling eine Absage. Den schmalen Grat zwischen Arrangement und Widerstand kann Graver dem Rezensenten anschaulich verdeutlichen, auch vom regimetreuen Wirken des neuen "Volksgerichtshofs" liest Stolleis hier. Mit besonderem Interesse folgt der Rezensent auch Gravers allgemeinen Ausführungen zur Lage von Richtern und Juristen in autoritären Regimen - nicht zuletzt mit Blick auf Ungarn, Polen und die Türkei.
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