Herausgegeben und aus dem Amerikanischen von Alexander Pechmann. Im Herbst 1853 unterbricht Henry David Thoreau die Arbeit an dem Manuskript seines wichtigsten Werks, "Walden", um in die Wälder von Maine zurückzukehren. Schon einmal, sieben Jahre zuvor, hat er sich dorthin aufgemacht, um den "Großen Berg" zu besteigen (dt. "Ktaadn", 2017), nun gilt sein Interesse den Elchen - und neben diesen majestätischen und scheuen Tieren den Ureinwohnern, ihrer Lebensweise und Sprache, sowie den ausgedehnten Kiefernwäldern, die zunehmend Spuren ökonomischer Vernutzung zeigen. Thoreau hat einen Blick für diese Verheerungen und macht sich keine Illusionen darüber, was sie für Mensch und Natur bedeuten, aber er bewegt sich mit der Achtsamkeit eines Gastes und der Lust eines Entdeckers durch diese Landschaft, als hätte sie vor ihm noch keiner betreten. Die Notizen, die er dabei macht, werden später unter dem Titel "Chesuncook" zu einem Vortrag, dessen Humor und Empfindungsreichtum, dessen Lebendigkeit und Ernst begeistern. Während seinen Begleitern der getötete Elch vom Fell bis zum Geweih zur Trophäe wird, bringt Thoreau als Andenken seiner Reise Schneeschuhe mit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2022
Rezensent Jan Wiele sieht in Henry David Thoreaus Essay über eine 1853 absolvierte Reise in den Norden Maines einen Meilenstein der poetischen Kulturgeschichte. Schmunzeln darf der Leser hier allerdings auch, meint Wiele, etwa wenn der Autor sich über den Geschmack von Elchfleisch ergötzt, wenig später dann aber auf die blutige Gewalt der Ureinwohner, auf die er auf seiner Reise triff, im Umgang mit Elch und Kiefer schimpft. Objektivität und Subjektivität, Dokumentarismus und Poesie und Euphorie wechseln sich ab, meint Wiele.
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