Jakob Hein

Die Orient-Mission des Leutnant Stern

Roman
Cover: Die Orient-Mission des Leutnant Stern
Galiani Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783869711720
Gebunden, 256 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Die tollkühne Geschichte des jüdischen Leutnants Edgar Stern, der 1914 für Wilhelm II. den Dschihad organisieren sollte. Dies ist die wahre Geschichte von Edgar Stern, der 1914 eine als Zirkus getarnte Truppe von 14 muslimischen Gefangenen nach Konstantinopel schmuggelte, um den Sultan als Verbündeten zu gewinnen. Der Sommer 1914 begann für Stern im beschaulichen Badeort Coxyde, unweit der französischen Grenze. Niemals hätte sich Stern vorstellen können, dass in nur wenigen Wochen Krieg ausbrechen könnte, und niemals hätte er sich träumen lassen, dass er in eben jenem Krieg der Hauptakteur eines kuriosen Plans werden würde, der Deutschland einen schnellen Sieg bringen sollte: Wenn es gelänge, dass der türkische Sultan für das befreundete Deutsche Reich den Dschihad ausruft und sich darauf hin alle Muslime - vor allem die in den Kolonien - gegen die britischen und französischen Gegner erheben, müsste die Schlacht schnell entschieden sein. Um die Gunst des Sultans zu gewinnen, wollte man einige muslimische Kriegsgefangene feierlich in Konstantinopel freilassen. Doch mussten diese Kriegsgefangenen dazu möglichst unauffällig durch halb Europa geschleust werden. Und dazu brauchte man einen wie Edgar Stern. Stern hatte einen Hang zu unkonventionellen militärischen Lösungen und außerdem besaß er das, was die meisten Deutschen nicht hatten: Chuzpe. Spätestens bei Sterns Verabschiedung am Anhalter Bahnhof waren sich die Deutschen Militärs sicher, dass sie eine gute Wahl getroffen hatten: Stern hatte die muslimischen Gefangenen als Zirkustruppe getarnt. Doch ob die Beamten an den Grenzen Österreich-Ungarns und Rumäniens die Maskerade nicht durchschauen würden, das konnte keiner ahnen. Und wie das dann später mit dem Dschihad funktionieren wurde - das wusste auch keiner so genau … Nur eins war klar: Die Reise würde nicht nur für Stern ein großes Abenteuer werden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.03.2018

Tim Caspar Böhme weiß zu schätzen, dass sich Jakob Hein in seinen neuen Roman der historischen Figur des Leutnant Edgar Stern-Rubarth folgt. Der Journalist Stern wurde im Ersten Weltkrieg Offizier des Deutschen Heeres und auf besonders brisante Mission nach Konstantinopel geschickt: Er sollte den Sultan überreden, in der muslimischen Welt den Dschihad auszurufen, in der Hoffnung, dass dies Deutschlands Feinden in ihren Kolonien ordentlich Ärger einbrächte. Boehme findet die Geschichte heute wieder schön aktuell und die Figuren so überzeugend, dass er Hein auch den etwas altväterlich ironischen Tonfall verzeiht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2018

Mit gemischten Gefühlen hat Rezensent Jörg Magenau Jakob Heins neuen Roman über die Islampolitik des Kaiserreichs im Ersten Weltkrieg gelesen. Hein, den der Kritiker sonst für seinen Sinn für Komik schätzt, schlägt hier erstmals ernstere Töne an - nicht ohne jedoch einigen Witz vermissen zu lassen, fügt Magenau hinzu: Das bekommt der irrsinnigen Geschichte um den jüdischen Leutnant Edgar Stern, der zehn muslimische Kriegsgefangene nach Istanbul bringen soll, zwar gut, findet der Rezensent. Insgesamt bleiben ihm die Figuren aber zu blutleer und die Handlung zu spröde: So reicht es trotz eingehender Recherche und einigen "slapstickhaften" Szenen nicht ganz für den großen historischen Roman, schließt er.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2018

Rezensentin Laura Henkel scheint sich nicht recht entscheiden zu können, ob die Multiperspektivität in Jakob Heins neustem Roman diesen besonders lebendig oder doch eher verwirrend macht - wahrscheinlich könnte man sich darauf einigen, dass beides zutrifft. Lesenswert scheint ihr "Die Orientmission des Leutnant Stern" über einen "wahnwitzigen" Plan, mit dem die Deutschen den Ersten Weltkrieg für sich entscheiden wollten, nämlich so oder so. Daran ändere auch das bisschen Mühe nichts, das der Leser bei der Zuordnung und beim Auseinanderfriemeln der Handlungsstränge habe und auch nicht die eventuell aufkommende leichte Enttäuschung über fehlende Hintergrundinformationen. Wahrscheinlich, vermutet die Rezensentin, war es Heins Absicht, zum Weiterdenken, -forschen und -fragen anzuregen, anstatt sein Buch mit historischen Fakten aufzupumpen. Denn auch so ist es schon voll genug - voll von interessanten Begebenheiten, von "Witz und Humor", von spannenden Charakteren und deren bewegten Geschichten. Besonders über Leutnant Stern, diese seltsame Figur, hätte Henkel gerne mehr erfahren.

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