Aus dem Amerikanischen von Helmut Dierlamm und Sabine Reinhardus. Nur weiße Menschen können Rassisten sein, nur Männer sind zu toxischem Verhalten fähig, es gibt kein biologisches Geschlecht, unsere Sprache ist sexistisch - ein neuer moralischer Kanon erobert westliche Universitäten und erschüttert die liberale Gesellschaft. Aber macht er die Welt auch wirklich besser? Helen Pluckrose und James Lindsay begeben sich in ihrem Bestseller auf die Spuren eines wissenschaftlichen Aktivismus, der überall nur noch Feinde sieht. Postmoderne Denker wie Michel Foucault oder Jacques Derrida haben die Strukturen westlicher Gesellschaften so tiefgreifend dekonstruiert wie niemand vor ihnen. Ihr radikaler Skeptizismus hatte jedoch einen Preis. Helen Pluckrose und James Lindsay zeichnen in ihrem kontroversen Buch nach, wie die Grundannahmen der postmodernen Theorie seit den 1980er Jahren im Postkolonialismus, in der Critical-Race-Theorie, im intersektionalen Feminismus, in den Gender Studies und in der Queer-Theorie für den politischen Aktivismus scharf gemacht wurden.
Rezensent Micha Brumlik ist in seinem Urteil überraschend eindeutig: Wer sich für die Emanzipation marginalisierter oder diskriminierter Gruppen einsetzt, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Die beiden amerikanischen Autoren Helen Pluckrose und Peter Lindsay üben darin scharfe Kritik an all jenen sozialkonstruktivistischen Theorien, in deren Zentrum die Kritik an Normalitätsstandards stehen: Gender Studies, Critical-Race-Theory, Queer-Theory, Disability Studies, etc. Brumlik deutet nur an, dass er an einigen Punkten Widerspruch erheben würde, aber stark findet er das Argument, dass diese Theorien nicht dazu führten, Individuen aus ihren negativ bewerteten Rollen zu befreien, sondern sie darin festzuhalten. Zwar belässt es Brumlik in seiner Kritik bei einer bündigen Zusammenfassung der Thesen, am Ende aber beschwört er jedoch "Reichtum und Scharfsinn" dieser "brillanten Streitschrift".
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.02.2022
Die Idee, der "Critical Whiteness Theory" und anderem "rasenden Gefasel" an den Universitäten einmal auf den Grund zu gehen, findet Jens Balzer ja nicht schlecht. Nur bräuchte es dafür mehr Gelassenheit und Genauigkeit, als James Lindsay und Helen Pluckrose aufbringen, stellt der Rezensent fest. Wenn die Autoren auf die Entlarvung des Aktivismus von Gender, Race und Identität zielen, schießen sie sich nur selbst ins Knie, meint Balzer, weil es ihnen zum Beispiel nicht im Ansatz gelingt, die Wurzeln der Identitätspolitik bei Foucault nachzuweisen. Wieso? Weil sie Foucaults Diskursanalyse schlicht nicht begriffe haben, meint Balzer. So geht es im Buch munter weiter, alles andere als analytisch und meist unterhalb des Wikipedia-Niveaus, schimpft Balzer.
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