Wer wird heute nicht alles als Populist bezeichnet: Gegner der Eurorettung, Figuren wie Marine Le Pen, Politiker des Mainstream, die meinen, dem Volk aufs Maul schauen zu müssen. Vielleicht ist ein Populist aber auch einfach nur ein populärer Konkurrent, dessen Programm man nicht mag, wie Ralf Dahrendorf einmal anmerkte? Lässt sich das Phänomen schärfer umreißen und seine Ursachen erklären? Worin besteht der Unterschied zwischen Rechts- und Linkspopulismus? Jan-Werner Müller nimmt aktuelle Entwicklungen zum Ausgangspunkt, um eine Theorie des Populismus zu skizzieren und Populismus letztlich klar von der Demokratie abzugrenzen. Seine Thesen helfen zudem, neue Strategien in der Auseinandersetzung mit Populisten zu entwickeln.
Jan-Werner Müllers Populismus-Essay ist nicht nur brandaktuell, sondern auch noch stilistisch und inhaltlich brillant, schwärmt Rezensent Marc Reichwein. Und das, obwohl der Autor seine scharfe Analyse noch vor Brexit und Trump verfasste, informiert der Kritiker. Müller kann ihm nicht nur präzise und angenehm "unaufgeregt" vermitteln, wie grundlegend das Prinzip der Exklusion für den Populismus ist und wie sich dieser durch die Digitalisierung verändert hat, sondern auch, dass der kosmopolitische Kurs der EU-Technokratie und die identitäre Politik der Populisten in ihrem Antipluralismus gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Dass Müller in seinem lesefreundlichen Essay auf Psychologisierungen und "Patentrezepte" verzichtet, geht für den Rezensenten in Ordnung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016
Marian Nebelin attestiert Jan-Werner Müller, das Phänomen Populismus verständlich zu machen, für Nebelin kein geringes Verdienst. Was Populisten ausmacht und wie sich ihr Handeln auf die Demokratie auswirkt, vermag ihr der Autor in seinem flüssig geschriebenen Essay auf pointierte Weise zu erläutern. Darüber hinaus legt er die unterschiedlichen nationalen Ausprägungen dar und arbeitet Gemeinsamkeiten heraus, lobt die Rezensentin. Leider kann Müller ihr keine Lösungen anbieten. Bei dem Versuch verliert sich der Autor in Gemeinplätzen und Unkonkretem, stellt Nebelin bedauernd fest.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.04.2016
Günter Beyer hätte dem Essay des Politologen Jan-Werner Müller zum Thema Populismus etwas mehr Biss gewünscht. Dass der Autor nicht von oben herab richten, sondern das Phänomen diskutieren möchte, scheint ihm richtig. Wie Populismus und Rechtsradikalismus zusammenhängen, darauf macht der Autor ihm allerdings zu wenig aufmerksam. Immerhin: Der Schwammigkeit des Begriffs rückt der Autor laut Rezensent mit ideengeschichtlichen Bohrungen im Nährboden des Populismus zu Leibe und legt dessen antidemokratische Strömungen frei.
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