Alle politischen Begriffe und Vorstellungen beziehen sich nach Carl Schmitt auf die politische Unterscheidung von Freund und Feind, deren letzte Konsequenz sich in Krieg oder Revolution äußere. Aber was erlaubte es dem Staat, unter Rückgriff auf die Legitimationsformel der Nation Millionen seiner Bürger in den Krieg zu schicken? Vor dem Hintergrund dieser Frage untersucht Jörn Leonhard Ursprung, Wandel und Vielfalt der aus der Erfahrung kriegerischer Gewalt hervorgegangenen nationalen Legitimationsmuster. Auf synchroner Ebene stellt er Frankreich, Deutschland, Großbritannien und die Vereinigten Staaten in der longue duree vom Siebenjährigen Krieg bis zum Ersten Weltkrieg systematisch-vergleichend gegenüber.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2009
Ein bisschen stoisch erscheint dem Rezensenten der Autor dieser Habilitationsschrift schon. Dass der Historiker Jörn Leonhard sich bei seiner Untersuchung der nationenbildenden Macht des Krieges von pazifistischen Bewegungen wenig beeindrucken lässt und die weltpolitischen Entwicklungen zwischen 1750 und 1914 mit Tunnelblick auf die Katastrophen des 20. Jahrhunderts hin erörtet, kommt Urs Hafner seltsam vor. An seiner Achtung vor Leonhards Rechercheleistung, seiner Kenntnis und Sorgfalt bei der Feststellung der nationalen (bezüglich Frankreich, Deutschland, England, USA) Unterschiede beziehungsweise Gemeinsamkeiten unter verschiedenen Aspekten, wie Religion und Fortschritt, ändert das jedoch nichts.
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