Aus dem Französischen von Vincent von Wroblewsky. Wonach Hannah Arendt suchte und woran sie arbeitete, sei - so Julia Kristeva - "eine nicht-subjektive Fundierung der Politik" als Antwort auf die Erfahung des Grauens totalitärer Systeme im 20. Jahrhundert. Aber nicht die Reflexion über Macht und Gewalt stehe bei der Autorin der Vita Activa im Zentrum ihres Denkens, sondern das Eingedenken der "Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.07.2001
Da staunt der Rezensent. So unverblümt wie Kristeva von Genie zu sprechen, hätte er sich nicht getraut. Genie: gibt's doch gar nicht. Und erst die Frau als Genie. Ts, ts. Welchen Sinn das haben soll, erklärt uns ein von Zweifeln bei diesem Buch geplagter Rezensent Michael Mayer: Um eine "symbiotische 'con-geniale' Exegese" des Arendtschen Lebens handele es sich hier. Die Autorin, erklärt uns Mayer, schmiegt sich ihrem Sujet nachgerade an, durchdringt Werk und Person Arendts und - das ist jetzt wieder zweifelhaft - reißt deren Kategorien "in jähem Zugriff" an sich. Dass die Autorin dabei eine semantische Verschiebung Arendtscher Begriffe in Kauf nimmt, ist für Mayer der eigentliche Makel der Arbeit. Wenn er einen gewissen Respekt davor dennoch nicht verhehlen kann, so liegt das an der "fast somnambulen" Sicherheit in Kristevas Umgang mit dem Werk Hannah Arendts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.06.2001
Der mit upj. zeichnende Rezensent zeigt sich in seiner Kurzkritik sehr angetan von dieser Biografie Hannah Arendts. In dem ersten der auf drei Bände angelegten Versuche über weibliche Genies, werde der Begriff des Genies von der französischen Autorin - Psychoanalytikerin und Literaturwissenschaftlerin - zum Glück dann doch in ziemlich menschlichen Dimensionen angesiedelt, so der Rezensent beruhigt. Er lobt auch die Übersetzung des 1999 in Frankreich erschienenen Buches als "lesbar" und scheint damit rundum zufrieden.
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