Seit ihrer Wiederentdeckung in den letzten Jahren ist Hannah Arendt aus den öffentlichen Debatten zu Freiheit, Unterdrückung und Flucht kaum mehr wegzudenken. Doch nicht nur, was sie dachte, ist von schlagender Aktualität, genauso bedeutsam ist, wie sie dachte.Maike Weißpflug präsentiert uns eine unentdeckte Hannah Arendt und geht in ihrer Studie den Quellen ihres höchst ungewöhnlichen Denkstils nach. Diese findet sie nicht in der Philosophie, sondern vor allem in ihren Lektüren von Dichtern wie Homer, Conrad und Brecht. Mit ihnen wendet sich die politische Theoretikerin gegen alle großen und umfassenden Erklärungen und Theorien und macht die kleinteilige und sinnliche Erfahrungswelt zu ihrem Ausgangspunkt: Die Kunst, politisch zu denken, besteht vor allem im Mut, sich zwischen alle Stühle zu setzen. Streitbar zu sein, setzt voraus, die Welt aus der Perspektive anderer betrachten zu können und trotzdem selbst zu denken.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.08.2019
Rezensent Thorsten Jantschek lernt mit Maike Weißpflugs Deutung des politischen Denkens von Hannah Arendt, dass andere, wahlweise rechtsextreme Sichtweisen verstanden werden müssen, um über sie hinaus zu handelnder Verantwortung im Sinn einer humanen Lebenswelt zu gelangen. Wie die Autorin durch Arendts Denken führt und ihre Haltung erklärt, findet Jantschek souverän. Wie das Buch ihn einlädt, es in Bezug zu setzen zur aktuellen Lebenswirklichkeit, erstaunt und erfreut den Rezensenten gleichermaßen. Wenn sie Welterschließung im politischen, im öffentlichen Raum propagiert, klingt Weißpflugs Hannah Arendt für Jantschek mitunter, als spräche sie über die "Fridays for Future"-Bewegung.
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