Die Taliban regieren wieder in Afghanistan. Während Politik und Militär im Westen das als Niederlage aufarbeiten, bejubeln einige im ultrarechten Lager die neuen Sieger als ländliche Kämpfer, überzeugungsfest und glaubensstark, die den westlichen Liberalismus in die Knie zwingen. Ist diese Zustimmung für Dschihadisten in der extremen Rechten ein isoliertes Phänomen? Oder kommt da etwas zusammen, was längst zusammengehört? Marc Thörner, seit langem im Auftrag von ARD und Deutschlandfunk im Nahen und Mittleren Osten unterwegs, nimmt uns mit von Potsdam über Paris und Beirut nach Damaskus - eine Reise auch durch die Vorstellungswelten und Ideologien. Dabei entdeckt er zwischen der Neuen Rechten und dem Dschihadismus nicht nur verblüffende Bezüge, sondern auch gemeinsame Vordenker: Ernst Jünger, Martin Heidegger, Alexis Carrel, Carl Schmitt. Für seine Recherchen sprach Thörner mit Alexander Gauland und reiste an die Front im syrischen Bürgerkrieg; er interviewte führende Repräsentanten des Assad-Regimes, sprach mit iranischen Literaten, traf libanesische Faschisten und Hisbollah-Anhänger sowie Historiker und Arabisten in Europa.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.11.2021
Was der Journalist Marc Thörner bei Recherchen in Teheran oder Kabul über die geistigen Allianzen zwischen Nazis, AfD und Dschihadisten herausfindet, lässt Marko Martin die Haare zu Berge stehen. Wie nahöstliche Diktatoren sich mit Heidegger, Jünger und Carl Schmitt in Sachen Herrenkult und Kampf gegen Kompromiss- Ausgleichskultur aufrüsten, erfährt Martin bei Thörner. Die Vor-Ort-Recherchen des Autors überzeugen Martin durch präzise Beschreibungen und "atemberaubende" Gespräche mit AfDlern, die den Schulterschluss mit Mördern wie Assad suchen. Aufklärung, die verblüfft, meint er.
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