Martin Mosebach

Krass

Roman
Cover: Krass
Rowohlt Verlag, Hamburg 2021
ISBN 9783498045418
Gebunden, 528 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Ralph Krass - so heißt ein verschwenderisch großzügiger Geschäftsmann, der Menschen mit kannibalischem Appetit verbraucht. Ist er unendlich reich oder nur ein Hochstapler, kalt berechnend, oder träumt er hemmungslos? Er will sich seine Gesellschaft kaufen, immer nur selbst der Schenkende sein. Als in Neapel Lidewine in seinen Kreis tritt - eben noch die Assistentin eines Zauberers, eine junge Abenteurerin -, bietet er ihr einen ungewöhnlichen Pakt an. Beobachtet wird das Ganze von seinem Sekretär, dem Pechvogel Dr. Jüngel, mit einem Blick voll Neid und Eifersucht. Aber erst nachdem die Gesellschaft von Herrn Krass durch einen Eklat auseinandergeflogen ist, gelingt es ihm, an seinem Zufluchtsort in der französischen Provinz, die Mosaiksteine des Geschehenen zu einem Bild zu ordnen - während Menschen wie der stumme Kuhhirte Toussaint, der Schuster Desfosses und Madame Lemoine mit ihren Wellensittichen ihm eine Ahnung davon vermitteln, wie alles mit allem rätselhaft zusammenhängt. "Krass", ein Roman über das, was das Verstreichen von Zeit mit Menschen tut, ist zugleich Liebesroman und Mephisto-Geschichte. Eine Erzählung, die den Bogen von Neapel über Frankreich bis nach Kairo schlägt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.02.2021

Wie Martin Mosebach in seinem neuen Roman über einen schamlosen Machtmenschen die Fäden in der Hand hält und dem Leser gekonnt Fährten auslegt, findet Rezensentin Marianna Lieder grandios. Das Zeug zum Klassiker hat das Buch ihre Meinung nach nicht nur, weil es im Text kaum Realitätsbezüge gibt, sondern auch, da Mosebach so raffiniert mit selbstparodistischen Momenten und Figurenprosa spielt und konservative Töne und Stilmerkmale gleich selbst auf die Schippe zu nehmen scheint. Erzählerisch konventionell, wie der immer wieder gehörte Vergleich des Autors mit Thomas Mann nahelegt, ist hier gleich gar nichts, versichert Lieder. Wie der Autor den auktorialen Erzähler immer wieder beliebig mit den Figuren verschmelzen lässt, scheint ihr im Gegenteil höchst originell.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.01.2021

Rezensent Wolfgang Schneider empfiehlt Martin Mosebachs Roman über einen barocken Machtmenschen wegen der darin angelegten großen Menschen- und Weltkenntnis, der vielen erstaunlichen Beobachtungen, der treffenden Ortsbeschreibungen und Figurenzeichnung, der "aberwitzigen Dramaturgie" und einer Sprache, die sich den komplexen Verhältnissen unserer Welt anpasst, wie Schneider anerkennt. Unter dem sonoren Ton des guten alten allwissenden Erzählers rumort es allerdings gehörig, warnt Schneider.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 28.01.2021

Rezensent Helmut Böttiger scheint Martin Mosebachs "altväterliche" Erzählweise nur mit Kognac und Zigarre genießen zu können. Mosebachs laut Rezensent zwischen Thomas Mann und Loriot angesiedelter ironischer, auktorialer Stil und sein "dionysischer" Held, ein Machtmensch, den Mosebach während zweier Jahrzehnte beim Aufstieg und Fall beobachtet, scheinen Böttiger jedenfalls nicht umstandslos sympathisch. Etwas "Zeitloses" hat der Text für ihn allemal, etwa, weil er das Wesen der Existenz behandelt, und vielleicht auch, weil Mosebach seine weibliche Hauptfigur allen Ernstes als das "Ewig-Weibliche" auftreten lässt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.01.2021

Rezensent Jörg Magenau dimmt die Erwartungen an den neuen Roman von Martin Mosebach runter: Dieser Text will einfach nur gut aussehen, meint er. Und das gelingt Mosebach laut Magenau auch, aber nicht mit zielführender Handlung, sondern mit dem Psychogramm eines bürgerlichen Zeitgenossen auf Reisen zwischen Neapel und Kairo, mit großer Detailfreude am Erlesenen, Abwesenheit von Langeweile und ohne Scheu vor peinlichen Formulierungen, die einem die Zehennägel aufstellen. Mosebach: "Meister des Dekors", jubelt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2021

Rezensent Patrick Bahners hat sich am neuen Roman von Martin Mosebach offenbar die Zähne ausgebissen: Eine Inhaltsangabe würde der Kritiker lieber umgehen, so viel erfahren wir: Im Mittelpunkt steht der Waffenhändler und Geschäftsmann Ralph Krass, der auf dem Sterbebett in Kairo mit einer alten Geschichte aus Neapel konfrontiert wird: Einst hatte die Konzeptkünstler-Tochter Lidewine Schoonemaker einen Vertrag mit ihm gebrochen, Krass träumt nun, sie getötet zu haben. Desweiteren tritt ein ganzer "Hofstaat" auf, der andauernd im Taxi durch den Roman kreuzt. Auch Bahners fühlt sich während der Lektüre wie auf der Durchreise - mit "portioniertem Schwung" allerdings, vorbei an zahlreichen literarischen Anspielungen und Sehenswürdigkeiten. Mosebach erkennt er natürlich an der "hingetupften" Sprache, in der immer wieder "altertümliche Abstrakta" auftauchen. Seiner Kritik entnehmen wir, dass er den Roman für ein Kunstwerk der besonderen Art hält.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.01.2021

Rezensentin Judith von Sternburg kann nur staunen über Martin Mosebachs neuen Roman. So einen Helden, vor allem so einen gekonnten Aufbau und so eine souveräne Handlungs- und Figurenführung hat sie kaum je erlebt. Wie Mosebach die Leserin ein ums andere Mal auf die Folter spannt, wie wohl das nächste Kapitel weitergeht, scheint Sternburg verblüffend und spannend zu lesen. Dass eine Figur ihrem Autor entschlüpft, so etwas kommt bei Mosebach nicht vor, versichert eine schwer beeindruckte Rezensentin. Und die ein oder andere sprachliche Entgleisung im Text fällt bei all der "Sprachpracht" auch kaum auf, findet sie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.01.2021

Rezensent Tobias Rüther ahnt schon, dass Martin Mosebachs neuer Roman diejenigen, die in Mosebach einen Schwätzer sehen, nicht eines Besseren belehren wird. Wieso auch? Rüther hat selbst seine Mühe mit Mosebachs allumfassendem Thomas-Mann-Stil, der vor Manieriertheit trieft, mit sprechenden Namen und Mosebachs bildungsbürgerlichen Helden (diesmal ein Waffenhändler mit Kunstverstand, dem Mosebach durch verschiedene Lebensabschnitte und an unterschiedliche Orte folgt). Allerdings erkennt Rüther auch, wie sehr Stil hier als Handlung fungiert und zugleich das Thema des Romans widerspiegelt: Macht. Und das scheint ihm doch recht raffiniert gemacht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.01.2021

Spannend und durchtrieben findet Rezensent Jens Jessen Martin Mosebachs Roman. Wie der Autor mit seiner Geschichte um einen obskuren Waffenhändler beim Leser eine Erwartungshaltung erzeugt, die einem Thriller gebührt, ohne dabei wirklich grundstürzend Verdächtiges oder Monströses aufzutischen, findet Jessen phänomenal. Der Wunsch nach Aufklärung wächst im Rezensenten von Seite zu Seite, bis er erkennt, dass das Ungeheuerliche vor allem in seinem Kopf entsteht, während der Autor  "nur" geschickt mit der Erzählperspektive und der Konstruktion seines Textes spielt.