"Die Lust am Text" - die Veröffentlichung von Roland Barthes war in den 1970er Jahren ein erfolgreicher Weckruf an die Theorie und Praxis der Leser. Die Lust am Buch von Michael Hagner ist ein Weckruf zur Demonstration der unhintergehbaren Rolle des Buches im digitalen Zeitalter. Hier vermischen sich Liebeserklärungen an das Ding Buch mit Einsprüchen gegen Fehlentwicklungen. Auf engstem Raum, in der kurzen Form prallen aufeinander Mikroessays, Lesebilder, Lustschilder und Warnschilder, Buchgeschichten und Anekdoten, die die Lust am Buch auf den eigenen Lebenswegen in Erinnerung rufen. Ein Buch der Lust also, bestehend aus Miniaturen in alphabetischer Unordnung - wie Bücher einer imaginären Bibliothek.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.10.2019
Ulrich Johannes Schneider bekommt mit dem Buch des Wissenschaftshistorikers Michael Hagner ein gut lesbares Buch über das Buch. Laut Schneider keine Selbstverständlichkeit. Damit das gelingt, entsagt der Autor laut Rezensent der allzu schrillen kulturkritischen Note, bietet stattdessen Anekdoten und Erinnerungen aus einem bibliophilen Leserleben und phänomenologisch genaue Beschreibungen von Erscheinungsformen und trifft außerdem Autoren und Akteure der Buchgeschichte. Die Gliederung des Bandes durch Stichwörter findet Schneider sinnvoll.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2019
Marcel Lepper lernt mit Michael Hagner die Lust am Buch als sinnvolles Ganzes kennen. Dass Lust und Buch unbedingt und fraglos zusammengehören, macht ihm der Wissenschaftshistoriker klar, indem er die Bibliophilie, den Antiquariatskult und den vermeintlichen Kampf des gedruckten Buches mit seinem digitalen Kollegen näher betrachtet. Hagners Vorgehen, laut Lepper ein gelungener Mix aus persönlichem Erfahrungsbericht, Erinnerungen und philosophischer beziehungsweise literarischer Betrachtung, scheint dem Rezensenten viel offensiver zu sein als dasjenige Roland Barthes'. Richtig gut findet Lepper den Text, wenn es ihm gelingt, die scheinbaren Widersprüche zwischen analogem und digitalem Buch aufzulösen mit Neugier statt Kulturpessimismus.
Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…