Reni Eddo-Lodge

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche

Cover: Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche
Tropen Verlag, Stuttgart 2019
ISBN 9783608504194
Kartoniert, 263 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Anette Grube. Viel zu lange wurde Rassismus als reines Problem rechter Extremisten definiert. Doch die subtileren, nicht weniger gefährlichen Vorurteile finden sich dort, wo man am wenigsten mit ihnen rechnen würde - im Herzen der achtbaren Gesellschaft. Was bedeutet es, in einer Welt, in der Weißsein als die selbstverständliche Norm gilt, nicht weiß zu sein? Reni Eddo-Lodge spürt den historischen Wurzeln der Vorurteile nach, und zeigt, dass die Ungleichbehandlung Weißer und Nicht-Weißer unseren Systemen seit Generationen eingeschrieben ist. Ob in Politik oder Popkultur - nicht nur in der europaweiten Angst vor Immigration, sondern auch in aufwogenden Protestwellen gegen eine schwarze Hermine oder einen dunkelhäutigen Stormtrooper wird klar: Diskriminierende Tendenzen werden nicht nur von offenen Rassisten, sondern auch von vermeintlich toleranten Menschen praktiziert. Um die Ungerechtigkeiten des strukturellen Rassismus herauszustellen und zu bekämpfen, müssen darum People of Color und Weiße gleichermaßen aktiv werden.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.03.2019

Swantje Karich schreibt mit viel Sympathie für die Autorin und persönliche Ehrlichkeit über Reni Eddo-Lodges Intervention. Trotz des aggressiven Titels, versichert die Rezensentin habe die britische Journalistin keines dieser üblichen Empörungsbücher verfasst, sondern eines voll düsterer eigener Erfahrung. Wie ein Schraubstock schließe sich Eddo-Lodges Argumentation, dass ein Konzept der Farbenblindheit nicht dazu führe, alle Menschen gleich zu behandeln, sondern Ungerechtigkeiten und Benachteiligungen zu übersehen. Aber auch wenn die Rezensentin der Autorin in vielem beipflichtet, macht sie ihre Schlussfolgerungen nicht mit: Das Bestehen auf dem Anderssein ist ihr inzwischen viel zu affektiv aufgeladen, und die Utopie einer gesellschaftlichen Gleichheit noch nicht Makulatur.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.02.2019

Reni Eddo-Lodge redet zwar laut Titel nicht mehr mit Weißen über "Hautfarbe" (englisch: Race), dafür redet sie jetzt aber sehr viel mit Weißen über die Frage, warum sie mit Weißen nicht mehr über Hautfarbe redet, konstatiert Rezensentin Antonia Baum, die das ihr von der Autorin aufgeladene Schuldigsein an strukturellem Rassismus bereitwillig schultert. Das "white privilege" bestehe in der Abwesenheit des Problems, schwarz zu sein. Und dieses Problem verbindet sich bei der Buchautorin zwar einerseits - wenn man Baums Kritik richtig versteht - mit einer dringenden Aufforderung zur Anerkennung, aber andererseits auch mit dieser Incommunicabilità, die das Reden dann ja wieder zu einer überflüssigen Übung zu machen scheint. Für Weiße sei die Lektüre ungemütlich verspricht Baum, "denn es markiert einen über die Hautfarbe". Ob das die Welt besser macht?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.02.2019

René Aguigah lobt dieses Buch zunächst in höchsten Tönen, in dem die junge britische Journalistin Reni Eddo-Lodge gegen Rassismus, Diskriminierung und weiße Privilegien zu Felde zieht. Bewundernswert findet er, wie Eddo-Lodge die Sehnsuchtserfahrungen des Kindes nach Dazugehörigkeit mit der Wut und Belesenheit der Erwachsenen zu einer soghaften Lektüre verbindet. Für Eddo-Lodge ist "White Privilege" die Abwesenheit von Diskriminierung, das Konzept der Farbenblindheit eine Lüge, die strukturellen Rassismus kaschiere und Ausgrenzung allgegenwärtig. Manches erscheint dem Kritiker allerdings doch ein bisschen totalitär in diesem Buch, wie er in einem Nachtrag noch anmerkt, schließlich seien vielleicht nicht alle Fasern des Lebens vom Rassismus durchzogen. Und seinen eigenen Erfahrungen in afrikanischen Ländern zufolge ist es nicht nur eine Frage der Hautfarbe beziehungsweise der "Race", ob man als weiß und privilegiert wahrgenommen wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.02.2019

Für Andreas Zielcke eine Pflichtlektüre für Weiße, was die Britin Reni Eddo-Lodge hier vorlegt. Wie unverdrossen die Autorin gegen das ausdauernde koloniale Erbe des weißen Primats, zähe Lebenslügen und angebliche Farbenblindheit anschreibt, findet er bemerkenswert. Die Empörung und Verbitterung der Autorin kann er gut nachvollziehen, wenn sie den alltäglichen strukturellen und institutionellen Rassismus in Britannien illustriert, bei Job- und Wohnungssuche, Bildung und Racial Profiling.

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