Alles begann mit dem altmodischen Plüsch eines Sexshops. Als Kind traute sich Nora Bossong nur, ihn aus den Augenwinkeln zu betrachten. Als junge Frau aber wagt sie sich in jene Geheimzone, in der Lust nackte Arbeit ist und unsere Sexualität und der Kapitalismus frontal aufeinanderprallen. Sie trifft harmlose Studenten bei Dildo-Präsentationen und altersweise Pornoproduzenten. Sie steht in schäbigen Sexkinos und am Salat-Buffet eines Swingerclubs. Nora Bossong erzählt von einer Gesellschaft, die das Verruchte immer abwaschbarer gestaltet. Und sie stellt die Frage, warum das Rotlichtmilieu die echte Wollust nur an den Mann bringen will - und niemals an die Frau.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.02.2017
Nichts Schlechtes kann Rezensent Christoph Schröder an Nora Bossongs Band über die deutsche Welt der kommerzialisierten Sexualität finden. "Rotlicht" ist ein Hybrid aus Reportage und Essay, erklärt Schröder, in dem das erzählende Ich auch sich selbst und die eigene Position nicht außer acht lässt, sondern immer wieder reflektiert und in Frage stellt und das ganz ohne moralinen Beigeschmack. Durch Erotikmessen, Berliner Swingerclubs, Stundenhotels, Verrichtungsboxen und Bordelle zieht die Autorin, Orte an denen "Einsamkeit und Geilheit" sich zu einem oft deprimierenden und verstörenden Ganzen vermengen, um ihrem Gegenstand näher zu kommen, um zu verstehen, wie Lustgewinn und die Offenheit des Privaten zusammenhängen, lesen wir. Konsequent, lehrreich und absolut lesenswert, lobt der Rezensent.
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