Das Verhältnis der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu den Künsten ist viel interessanter, komplizierter und aufschlussreicher, als es das Klischee vom notorischen Amtsbanausen auf der einen Seite und dem ewig missverstandenen Schöngeist auf der anderen nahe legt. Von Adenauer bis Schröder: Norbert Seitz erzählt von der schwierigen Beziehung zwischen Kunst und Politik. Dabei erscheinen nicht nur die Kanzler in einem ungewohnten Licht, es wird auch ein neuer Blick auf die Geschichte der Bundesrepublik geworfen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 17.03.2005
Gut gefallen hat Michael Naumann dieses Buch über das Verhältnis deutscher Kanzler zur Kunst, das Norbert Seitz vorgelegt hat. Der Autor zeige "auf ebenso amüsante wie leicht lesbare Weise", dass die Förderung einer Staatsästhetik anders als in den totalitären Staaten des Ostens hierzulande nicht zum Programm der Kanzlerdemokratie geworden sei. Naumann rekapituliert die ästhetischen Neigungen deutscher Regierungschefs: Während Adenauer und Erhard sich von Künstlern eher belästigt fühlten, litt Kiesinger unter der fehlenden Zuneigung der literarischen Machthaber der Gruppe 47, und Brandt war trotz der Zuspruchs, den er bei Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen genoss, unsicher im ästhetischen Urteil, aber immer offen für Neues. Schmidt erscheine bei Seitz als der einzige Kanzler, der bei der Lektüre politischer Klassiker von Marc Aurel über Max Weber zu Karl Popper geistige Erquickung fand, und Kohl als Kanzler, dessen Verhältnis zu Schriftstellern unter seiner Verehrung Ernst Jüngers litt und der in der deutschen Staatsarchitektur breite Spuren hinterließ. Schröder schließlich habe das Verhältnis zwischen Politik und Intellektuellen auf eine pragmatische Basis gestellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.03.2005
In seinem neuen Buch nutze Norbert Seitz die "Gelegenheit, mit Klischees ins Gericht zu gehen", resümiert Rezensent Dieter Rulff. Der Autor und verantwortliche Redakteur der "Neuen Gesellschaft/Frankfurter Hefte" widmet sich dem Verhältnis zwischen deutschen Kanzlern und der Kunst, ohne sich "in der Fülle der Details" zu verlieren, aber auch ohne "aufgepfropfte" strenge Systematik. Von ihm erfährt der Leser, dass Konrad Adenauer mit Künstlern nicht allzu viel zu "schaffen" hatte, lernt Helmuth Kohl als "gesamtdeutschen Baumeister" kennen, während Gerhard Schröder bei ihm wie der "Besucher einer Vernissage" daherkommt. Gut gefällt dem Kritiker daran, dass Seitz sich jeglichen "intellektuellen Schmähton" und andere "geschmäcklerische" Wertungen verkneift - selbst dann, wenn es um die sozialdemokratischen Kanzler, seiner "politischen Heimat", geht. Der "kritische" Blick bleibt auch gegenüber Brandt "ungetrübt".
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…