Die besten Taschenbücher des Monats
Von
Alice Fischer
25.08.2025. Eine Taschenbücherliste, wie sie der Perlentaucher für seinen Buchladen eichendorff21 macht, gibt es in Deutschland sonst nicht: Mit Empfehlungen zu Sigrid Nunez, Mieko Kawakami, Dagmar Leupold, David Graeber und Paul Lynch.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Sommer, Sonne, Taschenbuch - hier die spannendsten Neuerscheinungen (im kleinen Format) im August: Hochgelobt, und zwar von allen KritikerInnen, wurde Sigrid Nunez Roman "Die Verletzlichen", in dem die Autorin ihre Erzählerin den ersten Lockdown in einer New Yorker Luxuswohnung verbringen lässt - samt frechem Papagei und einem geheimnisvollen jungen Mann. Die FR schwebte im Glück: Es sind nicht nur Nunez' Humor oder ihre pointierten Anekdoten, sondern auch ihre klugen Reflexionen über Pflanzen, Tiere und Literatur, die begeistern. Die taz kürte Nunez' Buch kurzerhand zum besten Corona-Roman und folgt der Autorin mit größtem Vergnügen auf eine melancholisch grundierte Exploration des Inneren ihrer Heldin.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Die japanische Schriftstellerin Mieko Kawakami ist längst auch im deutschsprachigen Raum keine Unbekannte mehr, gerade erst ist ihr jüngster Roman "Das gelbe Haus" erschienen. Mit "All die Liebenden der Nacht" lässt sich jetzt auch ein früher Roman Kawakamis im Taschenbuch entdecken: Wir begleiten die einsame Korrekturleserin Fuyuko, die mehr und mehr dem Alkohol verfällt - bis sie auf den Lehrer Mitsutsuka trifft. Eine poetische Liebes- und Lebensgeschichte las die FAZ und Dlf Kultur legte uns ein feines Buch, voll Klugheit und Sorgfalt ans Herz, in dem jedes Wort perfekt positioniert, funktionell und gleichzeitig von bestechender Schönheit ist.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Ein leiser Roman, der die Kritik durch seine "Zartheit" und genaue Beobachtungsgabe verzauberte, kam von Dagmar Leupold mit "Dagegen die Elefanten". Im Mittelpunkt steht der unscheinbare Herr Harald, Garderobier in einem Theater, dessen Leben sich schlagartig verändert, als er in einem nicht abgeholten Mantel eine Pistole findet. Die SZ bezauberte dieser Antiheld durch seine Schrullen und originellen Perspektiven auf den Alltag, die Leupold auf liebevolle Weise wiedergibt. Die FAZ staunte, wie die Autorin aus der scheinbaren Ereignislosigkeit dieses Daseins Funken schlägt, indem sie uns am Kopftheater der Figuren teilhaben lässt: Elegant, subtil, von feiner Ironie und abgründig zugleich.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Weniger subtile Innerlichkeit als große Abenteuer und steile Thesen gab es im Buch des Historikers David Graeber. Der widmete sich nämlich den "Piraten", denn niemand anderes als diese legten den Grundstein für die heutige Demokratie, verkündete Graeber. Die Kritik versprach spannende Lektüre - und zwar jenseits aller Räuberromantik, wie die NZZ versicherte, die Graebers Buch als alternative Geschichte des Westens schätzte und seine Thesen durchaus für plausibel hielt. Auch die FR hatte großen Lesespaß, freute sich aber auch über faszinierende Analysen: Wer sich für gesellschaftlichen Wandel und Machtstrukturen interessiert, ist hier richtig, versicherte sie, wer Piratengeschichten liebt, sowieso.
Persönliche Empfehlung von Alice Fischer
Bestellen Sie bei eichendorff21!Was ist eine Demokratie, ohne Menschen, die an sie glauben? Was ist ein Anwalt ohne Gesetze? In Paul Lynchs Roman "Das Lied des Propheten" wird der Rechtsstaat nicht auf einen Schlag abgeschafft, sondern Stück für Stück, Gesetz für Gesetz, Menschenrecht für Menschenrecht. Der Faschismus kommt nicht mit großen Paraden oder Worten, er kriecht leise in den Alltag von Eilish und ihrem Mann Larry, die in einem Irland der Zukunft Leben, in dem alles, was sie bisher für selbstverständlich hielten, plötzlich ins Wanken gerät. In einem atemlosen Erzählstrom entwirft Lynch ein beklemmendes und unbequem realitätsnah erscheinendes Szenario, in dem wir Eilish folgen, die um ihren Mann kämpft, den das Regime eines Nachts hat verschwinden lassen, nach "unten, unten ins Unten". Mit düsterer Brillanz lässt Lynch mit seiner überraschenden, satten Prosa einen Staat vor unseren Augen zerfallen und fragt seine Leserschaft dabei ungeniert: Was würdest du tun? Während oben die Bürokraten sitzen, warten unten die Folterkeller - und nur wenig andere Romane haben es so eindringlich vor Augen geführt, wie dieser, der völlig zu Recht den Booker Prize 2023 erhalten hat.
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