Reinhard Merkel

Forschungsobjekt Embryo

Verfassungsrechtliche und ethische Grundlagen der Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen
Cover: Forschungsobjekt Embryo
dtv, Münchenq 2002
ISBN 9783423362948
Taschenbuch, 294 Seiten, 12,50 EUR

Klappentext

Kaum ein innerdeutsches Thema hat in jüngster Zeit die Gemüter stärker erhitzt als die Frage, ob die Forschung an embryonalen menschlichen Stammzellen zulässig ist. Kann sie in einer Normenordnung gestattet sein, die Menschenwürde und Lebensgrundrecht als oberste Verfassungsprinzipien schützt? Das derzeit vorliegende Embryonenschutzgesetz sowie seine Ergänzung im Hinblick auf den Stammzellimport kann nach Ansicht vieler Experten nur als vorläufige Lösung betrachtet werden. Der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel befasst sich in dieser Studie mit den rechtlichen und ethischen Aspekten des Themas kommt zu dem Ergebnis, dass die Verfassung der Bundesrepublik keine Grundlage für das Verbot der verbrauchenden Embryonenforschung bietet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.11.2003

Seit Jahren ist Reinhard Merkel, erst als Redakteur der ZEIT, heute als Ordinarius für Strafrecht und Rechtsphilosophie, einer der scharfsinnigsten Verfechter des juristischen Rechts zur embryonalen Stammzellenforschung. Von dieser Position rückt er in diesem Buch nicht ab, stellt Rainer Erlinger fest, zur Versachlichung der Debatte könne es dennoch beitragen. Sondiert werde zunächst die Haltung des Verfassungsgerichts, mit dem Ergebnis, dass dort ohne den erkennbaren Willen zur Klärung rechtslogisch unvereinbare Positionen vertreten würden. Es folgt die Auseinandersetzung mit ethischen Argumenten, denen der Rezensent, ohne sie näher vorzustellen, offenbar folgt - nicht ohne, wie Merkel, einzuräumen: gegen religiös oder an unverrückbaren Prinzipien orientierte Gegner seiner Position hilft das beste Argument gar nichts. Als reines Vergnügen lobt Erlinger dem zum Trotz die Argumentationsweise des Autors, in dieser Hinsicht sei das Buch ein "Lehrstück der rechtsphilosophischen Sektionstechnik".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.02.2003

Reinhard Merkel fällt mit seinem Buch "Forschungsobjekt Embryo" ein "vernichtendes Urteil" über das neue Stammzellimportgesetz, stellt der Rezensent Ludwig Siep fest. Dass das Recht des Embryos auf Leben höher gestellt werde als das Recht des Kranken auf Heilung sei laut Merkel rechtlich und ethisch nicht zu rechtfertigen. Der Rezensent bewertet Merkels Verteidigung dieser These als "umfassend, klar und scharfsinnig". Allerdings sind die Thesen selbst "teilweise nicht ganz so zwingend, wie der Autor unterstellt", kritisiert Siep. Merkel mache keine Aussage über den Zeitpunkt, von dem an dem Embryo subjektive Lebensschutzrechte zustehen. Offenbar sind für Merkel nur Geborene erlebnisfähig. Und nur Erlebnisfähige können für ihn Träger "'genuin' subjektiver Grundrechte" sein. Dem widerspricht der Rezensent, der glaubt, dass auch Ungeborene ab gewissen Entwicklungsstufen Erlebnisfähigkeit besitzen (und somit auch rechtsfähig sind). Trotz seiner radikalen Thesen fordert Merkel laut Siep nicht ganz so radikale Verhaltensrichtlinien für die politische Praxis. Hier empfehle er eher ein Stufenmodell des Lebensschutzes und nicht die uneingeschränkte Gewinnung von Stammzellen. Siep stimmt mit dem Autor überein, dass ein Verbot des therapeutischen Klonens "deutscher Rechtspraxis und den gelebten Sitten" eher entspräche. Da der Rezensent solch differenzierte Schlüsse in der öffentlichen Debatte um Gentechnologie schmerzlich vermisst, empfiehlt er Merkels Stellungnahme "dringend" zur Lektüre.

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