Jürgen Habermas (geb. 1929) bietet das fast singuläre Bild eines streitbaren Intellektuellen, der das Glück hat, Wirkung und Anerkennung im In- und Ausland als Philosoph und Soziologe, als politischer Publizist und engagierter Staatsbürger zu erfahren. Seit Jahrzehnten ist der "Theoretiker das kommunikativen Handelns" wichtige Stimme in vielen wissenschaftlichen und politischen Kontroversen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.06.2004
Nicht gerade einen großen Wurf sieht Rezensent Martin Bauer in Rolf Wiggershaus' Biografie des Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas. Er räumt allerdings ein, dass das Genre der rororo-Monografie dazu auch gar nicht den Raum bietet. Im wesentlichen, findet Bauer, handle es um eine "komprimierte Werkbiografie", die "eine notgedrungen grobe, alles in allem jedoch zuverlässige Vorstellung" von der Philosophie Habermas' gibt. Nach zwei knappen Kapiteln über Jugend des zukünftigen Philosophen, die Habermas als "Produkt der reeducation" (Wiggershaus) und als politisch interessierten Studenten vorstellen, deute der Autor die Entwicklung von Habermas' Werk nach einem "ziemlich einfachen Schema": Demnach folgte bei Habermas auf eine Phase der aneignenden Rekonstruktion der Kritischen Theorie eine Phase der Beseitigung der demokratietheoretischen Defizite des Frankfurter Neomarxismus. Die Zäsur zwischen beiden Phasen sehe Wiggershaus im Tod Theodor W. Adornos im Sommer 1969. Den Abspann des Buches bilden Bemerkungen zu Habermas? zeithistorischen Interventionen aus der jüngsten Vergangenheit. Das Fazit des Rezensenten: Habermas werde wenig Grund haben, sich über Wiggershaus' biografisches Porträt zu ärgern. Ob er seine Lebensgeschichte darin wiedererkenne, "steht allerdings auf einem anderen Blatt".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.05.2004
Hilal Sezgin ist voll des Lobes für die erste Lebensdarstellung von Jürgen Habermas, die Rolf Wiggershaus hiermit nun wenige Wochen vor Habermas' 75. Geburtstag vorgelegt hat. "Präzise, weder zu ausschweifend noch zu knapp", mache Wiggershaus Habermas' philosophische Entwicklung anhand seiner Inhalte und Werke deutlich. Besonders erhellend fand die Rezensentin den Blick auf die Anfangsjahre und deren politisches und philosophisches Klima. Bisweilen, so Sezgin, gewinne man den Eindruck, Habermas´ Dankbarkeit für die Demokratie, die nach 45 in Deutschland installiert wurde, sei "die treibende Kraft" hinter seinem politischem Denken. Den einzigen Einwand, den die Rezensentin gegen dieses "kundige Buch" gelten lassen möchte, ist "geschmäcklerischer Natur": Die Form der rowohlt-Monografie müsse man mögen, oder man werde "ewig damit kämpfen". Und der Autor jedenfalls könne ja nichts dafür, dass hier, so Sezgin, "die Syntax jedes dritten Satzes auf das Bruchstück eines kursiv gesetzten wörtlichen Zitates Rücksicht zu nehmen hat".
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