Erweiterte und aktualisierte Auflage. Salomon Korn hat sich in zahlreichen Publikationen zu den unterschiedlichsten Aspekten des "deutsch-jüdischen" Verhältnisses nach 1945 geäußert, vor allem aber zur Debatte um das "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", zur Walser-Bubis-Kontroverse sowie den fragilen Beziehungen zwischen Deutschen und Juden - oder wie es politisch korrekt heißen müsste: zwischen jüdischen und nichtjüdischen Deutschen. Mit über zwei Dutzend Beiträgen zum Berliner "Holocaust-Mahnmal" hat er sich immer wieder in die Auseinandersetzungen um Fragen des Inhalts, der Ästhetik und des Standortes eines solchen Denkmals öffentlich eingemischt. Die unterschiedliche Sicht von Juden und Nichtjuden ist ihm dabei wichtig, weil nach seiner Überzeugung an den Reibungsflächen der je unterschiedlich ausgebildeten Sensibilität sich die wirklich wichtigen Fragen nach dem eigenen Standort entzünden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2001
Sabine Fröhlich macht darauf aufmerksam, dass im Zentrum dieser Essays die Frage steht, "wie die kollektive Erinnerung des Holocausts aus den unterschiedlichen Perspektiven von Juden und Nichtjuden überliefert und baulich gestaltet werden kann" - gerade angesichts der Tatsache, dass Zeitzeugenberichte in absehbarer Zeit von anderen Institutionen abgelöst werden. Fröhlich weiß dabei die "differenzierten, dialektisch geschliffenen Stellungnahmen" Korns sehr zu schätzen, allerdings befürchtet sie, dass sein Interesse, das deutsch-jüdische Verhältnis zu festigen, nicht auf ausreichendes Interesse stoßen wird. Denn für Korn sei es für ein Brücke zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland von großer Bedeutung, dass auch die von nichtjüdischen Deutschen errichteten Mahnmale Abstand nehmen von den "gewohnten 'positiven' Identifikationsmustern", der "zivilisatorische Bruch" in der nationalen Identität müsse ausgehalten werden. Bei dieser Art von Gedenken plädiert Korn für Aufrichtigkeit und Bescheidenheit, betont Fröhlich. Doch stehe wohl das Harmoniebedürfnis der deutschen Nichtjuden dem entgegen, befürchtet sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2001
In einführenden Worten zur Person Salomon Korns lobt Klaus Hildebrand dessen öffentliche Präsenz, die er in der "quality press" durch "gedankenreiche und scharfsinnige Argumentation", also nicht im breiten Medienrummel, erlangt habe. Daher begrüßt er die Publikation der erweiterten Auflage einer Sammlung seiner Essays. Hildebrand nennt darauf den Grundgedanken der Anthologie: "Geteilte Erinnerung" bedeute, das Verbindende und Trennende der deutsch-jüdischen Geschichte als eins anzusehen. Daran schließe sich der Optimismus Korns an, dass man durch historische Einsicht zu einer geläuterten Existenz kommen könne. Dann geht der Rezensent auf einige bemerkenswerten Überlegungen Korns ein, etwa die Auseinandersetzung mit dem "Fall Jenninger", in der er die "längst fällige Revision der Verurteilung Jenningers" anmerkt. Auch auf die Gedanken des Autors zum Holocaust-Mahnmal und zur "Walser-Bubis-Kontroverse" geht der Rezensent kurz ein. Zu Walser und Bubis wisse Korn zu sagen, dass im Grunde auch hier Gemeinsamkeiten vorlagen, den letztlich verband beide die Sorge um eine angemessene kollektive Erinnerung. Abschließend bemerkt Hildebrand, dass die Lektüre dieses Bandes zu Einsichten führen könnte, die als Grundlage für die deutsch-jüdische Existenz unverzichtbar seien.
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