Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die europäische Sicherheitsarchitektur grundlegend verändert. Zudem berührt er aber auch die Frage, ob sich bestehende Formen des Umgangs mit dem Nationalsozialismus in Deutschland und Europa im Zeichen des Krieges verschieben. Welche Rolle spielt die Erinnerung an die deutsche Besatzungs- und Vernichtungspolitik in Osteuropa überhaupt in diesem Krieg, dessen Vorgeschichte oft noch viel zu wenig berücksichtigt wurde? Die Autorinnen und Autoren des Bandes nähern sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven, um sowohl das ukrainisch-russisch-deutsche Beziehungsgeflecht seit den 1990er-Jahren als auch den 24. Februar 2022 als mögliche geschichtspolitische Zäsur zu untersuchen. Beleuchtet werden dadurch etwa der Umgang mit der Massengewalt im 20. Jahrhundert, neue Formen imperialer Politik, zivilgesellschaftliche Initiativen, außenpolitische Interessen und religiöse Legitimationsformen des gegenwärtigen Krieges.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2024
Wichtige Fragen zur Vorgeschichte des russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022 behandelt dieser Band laut Rezensent Ulrich Schmid. Diskutiert wird in dem von den Historikern Sybille Steinbacher und Dietmar Süß herausgegebenen Buch unter anderem, ist zu lesen, die fatale Entwicklung der russischen Erinnerungspolitik unter Putin, wo, durchaus mit Blick auf Deutschland, inzwischen eine russische Wiedervereinigung auf Kosten der Ukraine gefordert wird. Auch die Frage, ob es sich beim gegenwärtigen Russland um einen faschistischen Staat handelt, wird behandelt, wie auch, führt Schmid aus, erinnerungspolitische Diskurse in der Ukraine rund um den Holodomor und den Holocaust. Das ist alles sehr interessant, findet der Rezensent, der allerdings eine Reihe unschöner Flüchtigkeitsfehler moniert.
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