Die deutsche Nachkriegsgeschichte ist von einer "Mitte-Erzählung" geprägt, die vom Vergessen der Klassen lebt. Das zeigt sich auch im aktuellen Diskurs über das nicht mehr zu leugnende Ausmaß "sozialer Ungleichheit". An aktuell gängigen Sichtweisen und Begriffen legt der Autor dar, wovon wir schweigen, wenn wir heute von der "Mitte" reden. Die Trivialbeschwörung der "Menschen, die das Land in Gang halten", bestimmt die herrschende Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Vom Trugbild einer breiten "Mitte jenseits der Klassen" aber profitieren die wahren Eliten so lange, wie ihnen auf dem Feld der Begriffspolitik die Ungleichheits-Forscher und die öffentlichen Themensalons zur Hand gehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.09.2017
Nicklas Baschek liest Ulf Kadritzkes Essay als Mittel gegen eine um sich greifende Entdifferenzierung hin zu einer imaginativen Mitte. Dass alle gleich seien, kann der Autor nicht glauben. Eher schon scheint ihm die aktuelle Forschung zur sozialen Ungleichheit durch Begriffe und Setzungen die radikale Ungleichheit zu relativieren, stellt Baschek fest. Die Erzählung vom gesellschaftlichen Band, das uns alle verbindet, kontextualisiert der Autor laut Rezensent neu.
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