Wie kommt ein junger Chemiker in den siebziger Jahren zur Fotografie? Und wird später zu einem der interessantesten deutschen Sammler und Vermittler von Gegenwartskunst? Was ist seine Sicht auf die Welt der Bilder? Wilhelm Schürmann beantwortet in dem neuen Band aus der Statement-Reihe viele solcher Fragen, mit ausführlichen Interviews, Kommentaren und Dokumenten zu seinen Ausstellungen sowie Anekdoten und Porträts über Künstler, die ihn packen (allen voran Martin Kippenberger). Dass er dabei ebenso viele neue Fragen aufwirft, Leser wie Betrachter zum Weiterdenken auffordert, versteht sich für den Querdenker von selbst.
Fast kann man den Eindruck haben, so Rezensentin Brigitte Werneburg, dass die staatlichen Museen inzwischen weniger Kunst sammeln - als Sammler von Kunst. Und Wilhelm Schürmann ist sozusagen ein Prachtexemplar eines Sammlers, offen für alles Zeitgenössische und zugleich sein eigener Reflexionsagent. Schürmann hat mit der zu füllenden Leerstelle über dem Sofa angefangen, 1994 war seine Sammlung in den Deichtorhallen zu sehen. Sein Prinzip ist die Komposition, nie steht das Einzelwerk im Mittelpunkt, erklärt Werneburg. In diesem Buch mischen sich offenbar Theoretisches und Anekdotisches (die Rezensentin macht nicht immer klar, wo ihre eigenen Überlegungen anfangen und die Texte des Buches enden). So ist auch zu erfahren, wie Schürmann seine Sammlung durch Streifzüge bei Ebay erweitert: Einen Spielzeug-Chevrolet, auf dessen Kühlerhaube das Che-Antlitz prangt, hat er dort ersteigert.
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