Aus dem Chinesischen von Ulrich Kautz. Zur Zeit der Kulturrevolution unter Mao Zedong wird der brave Soldat Wu Dawang als Haushaltshilfe in das Heim seines Divisionskommandeurs abberufen. Zur Vorbereitung auf seine Aufgabe unterzieht man ihn einer Gehirnwäsche - diensteifrig folgt er den ihm eingetrichterten Anweisungen. Während einer längeren Abwesenheit des Kommandeurs macht sich dessen hübsche Frau Liu Lian an den ahnungslosen Wu heran. "Zieh dich aus, um dem Volke zu dienen", befiehlt sie ihm, und er gehorcht. Eine amour fou entfacht zwischen den beiden, vergessen sind Volk und Partei. Erst als im Schlafzimmer eine Skulptur des Großen Vorsitzenden zerbricht, scheint ihr lustvolles Treiben jäh beendet - auf solch einen konterrevolutionären Akt steht die Todesstrafe. Wer aber denkt, hier ist Schluss, der irrt und kennt weder die Fantasie der Lust noch die erotische Ausstrahlung einer kaputten Mao-Ikone.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2008
Verena Mayer gefällt Yan Liankes Roman, der den Unmut der chinesischen Zensurbehörden auf sich zog und erst durch seine Veröffentlichung im Westen bekannt wurde. Ihrer Meinung nach funktioniert das Buch auf mehren Ebenen. Man kann es einfach als "gelungenen erotischen Roman lesen", meint Mayer, es ist aber auch "eines der interessantesten Dokumente über das moderne China" - nicht zuletzt, weil es nicht den Wandel, sondern ein "typisches Leben in der chinesischen Provinz" aufzeigt. Dem Autor gelinge es, trotz plakativer Szenen "nie platt" in seiner Gesellschaftskritik zu sein. Mayer freut sich auch über die gelungene Übersetzung von Ulrich Kautz, der den Stil des Autoren wunderbar einfängt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2007
Für Mark Siemons ist Yan Liankes Buch ein "ironisch-erotisches Kammerspiel", das es in sich hat. Hinter der "burlesken" Fassade entdeckt er eine ihm so melancholisch wie realistisch erscheinende Bestandsaufnahme des heutigen Chinas. Die auf den ersten Blick stimmig erscheinenden Verkaufsargumente für das Buch auf dem westlichen Markt ("hat mit Mao zu tun, handelt von Sex und wurde verboten"), sieht Siemons von einer selbst den gängigen Polit-Jargon zum Mittel der Verfremdung gestaltenden Ironie unterwandert. Dass auf diese Weise Empathie mit den Figuren und ihrer Geschichte entstehen kann, überrascht den Rezensenten positiv.
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