Manuel Almeida Vergara unterhält sich für die FR mit dem Model Michelle Elie über Rei Kawakubo. Elie sammelt Kleider, die Kawakubo für das von ihr gegründete Label Comme des Garçons entwirft. Sogar eine Ausstellung im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt ist geplant. Gesammelt hat Elie immer nur Kleider, die sie auch tragen wollte. "Als ich später zum ersten Mal schwanger war, hat sich dieser persönliche Bezug verstärkt. Ich habe mich in einem Kleid aus Kawakubos Kollektion 'Body Meets Dress, Dress Meets Body' aus dem Jahr 1997 porträtieren lassen. Das war ein sehr interessanter Moment, weil dieses Kleid mit meinem eigenen Zustand korrespondierte. Das Kleid veränderte massiv den Körper und die eigene Wahrnehmung davon, so wie auch eine Schwangerschaft die Körperform und die Gedankenwelt verändert. Das waren zwei physische und mentale Transformationen, sie sich krass gegenüberstanden und doch miteinander harmonierten."
In der NZZerzählt Daniele Muscionico die Firmengeschichte von Adidas, die ein neuer, ausgiebig aus den Archiven schöpfender Band aus dem Taschen Verlag bündelt. Die Einblicke sind dabei sagenhaft - auch was die Vorgeschichte des Konzerns im Nationalsozialismus betrifft: Die Brüder Adolf und Rudolf Dassler "traten 1933 der NSDAP bei. Während Rudolf schon vor Beginn des Kriegs eingezogen wurde, hielt Adi die Stellung in der Fabrik, beschäftigte Zwangsarbeiter, verlegte sich auf die Produktion von Schuhen für die Wehrmacht, später auf berüchtigte Panzerabwehrwaffen - und betreute bis Kriegsende die Hitlerjugend."
Innenarchitekt und Designer Alfredo Häberlispricht in der NZZ über die Herausforderungen des Tischegestaltens in Zeiten von HomeOffice. Dieser Bedarf dürfte in absehbarer Zeit nochmal steigen, denn er ist sich sicher: "Die derzeitige Situation wird die stagnierende Veränderung in der Büroorganisation enorm beschleunigen. Mit dezentralisiertem Arbeiten können Arbeitgeber teure Büroflächen einsparen. Arbeitsplätze werden noch flexibler und vielfältiger werden. Wir erleben nun das Co-Working-Experiment der Stunde und erkennen jetzt schon: Menschliche Begegnung wird für unsere Psyche wichtig bleiben."
Seit der Pestepidemie in der Mandschurei von 1910 ist das Tragen von Masken in Asien geläufig, die Luftverschmutzung und der Ausbruch von Sars haben aus dem medizinischen Hilfsmittel allerdings auch eine soziale Ikone gemacht, schreibt Susanne Lenz in der Berliner Zeitung: "Doch kann man auch aus medizinischen Gründen getragene Masken in einen kulturellen Kontext stellen, denn auch sie haben eine repräsentative Funktion, sind ein Mittelding zwischen medizinischem Hilfsmittel und sozialer oder kultureller Ikone. Christos Lynteris, Medizinanthropologe an der schottischen Universität St. Andrews, schreibt 2018 über die von Wu Liande erfundenen Anti-Pest-Masken, sie hätten ihre Träger nicht nur vor einer Infektion geschützt, sondern diese seien zusammen mit ihrer sozialen Umgebung in eine Darstellung medizinischer Vernunft und hygienischer Moderne eingebunden worden." Im Tagesspiegelerkundigt sich Nicola Kuhn in der Ethnologie über die Bedeutung von Masken.
Jürgen Habermas in Nike-Sneakers der "Free Ultra"-Linie? Schwer vorstellbar, aber so ist es - wenn auch abseits des Blicks der Öffentlichkeit - geschehen, wie tazlerin Katja Eichinger indiskret bezeugt. Sie nimmt die Beobachtung zum Anlass einer ziemlich epischen Philosophie des Streetwears: "Freiheit, das ist die Essenz des Turnschuhs. Mit einem Turnschuh ist man frei von Zwängen des normalen ledernen Schuhwerks; frei, um jeden Bewegungsdrang uneingeschränkt auszuleben. In diesem Sinn bedient der Turnschuh sowohl das Konzept der positiven als auch der negativen Freiheit. ... Nicht bei allen 'Streetwear'-Artikeln ist die Zwanglosigkeit und Bewegungsfreiheit so immanent wie beim Turnschuh. Aber trotzdem schwingt es immer mit: ein sowohl nebulöses wie verführerisches Versprechen von Freiheit."
Im FAZ-Gespräch erteilt Modeschöpfer RenéStorck der Billigmode eine klare Absage. Sie gehe immer zulasten auf mindestens eines Produktteils und habe verheerende Folgen: "Kunstfell ist das Schlimmste, was man verwenden kann. Beim Zuschneiden und Vernähen entstehen feinste Mikroplastikpartikel, die von den Arbeiterinnen eingeatmet werden und Lungenkrebs erzeugen können. Diese Pelzimitate, die, zugegeben, völlig echt wirken, können Sie im Boden vergraben und nach einhundertfünfzig Jahren wieder rausholen, und die sehen noch genauso aus. Das ist Sondermüll! ... Normalerweise läuft es so: Man macht sich mit qualitativ hochwertiger Mode einen Namen und wenn man das geschafft hat, macht man Abstriche bei der Qualität der Materialien. Dadurch erhöht man die Gewinne."
Hier hat Sydney Pimbley (@sydneysurname) einen Mantel von John Gallianos Haute-Couture-Schau für Maison Margiela Winter 2017 rekreiert.
Die Isolation setzt bei einigen Menschen bewunderswerte Kreativität frei: die einen stellen zu Hause berühmte Gemälde nach, andere mit einfachsten Mitteln große Haute-Couture-Roben nach, wie man unter dem hashtag #HomeCouture sehen kann, berichtet Liam Hess in der Vogue. "'The idea is that quarantine queens across the world can doll themselves up, Cinderella-style, with scouring-pad ball gowns, toilet-roll palazzo pants, and saucepan fascinators,' says the hashtag's creator George Serventi, a London-based fashion writer (and occasional meme-maker) who has been posting the looks under his Instagram handle @skipdin. 'In the words of Fifth Harmony, we can work from home!'"
NZZ-Kritikerin Sabine von Fischer ist ganz verliebt in die "Pergamentharmonika" Lumio, die an ein aufgeklapptes Buch erinnert, tatsächlich aber eine Lichtspenderin ist: "Wie ein Vorrat aus einer fernen Jahreszeit bringt das Ding aus dem Designgeschäft in New York City ein bisschen Glück", schreibt sie und erklärt das Geheimnis dieses akubetriebenen Lichtbuchs: "Tyvek, das reiss- und wasserfeste Papier, das in den Vereinigten Staaten auch für Briefpost und Pakete verwendet wird, erlebte in den letzten Jahren eine Renaissance als umweltfreundliches Material für innovatives Design, so auch für Brieftaschen und Portemonnaies, die dank der hauchdünnen und doch widerstandsfähigen Papierschicht in der Hosentasche nicht zu stark auftragen."
"Ein Baum ist eben ein Archiv an Informationen", staunt Susanna Koeberle in der NZZ nach dem lediglich virtuellen Besuch einer Ausstellung der beiden Designforscher Andrea Trimarchi und Simone Farresin in der Londoner Serpentine Gallery über den Werkstoff Holz und dessen globale, wirtschaftliche und ökologischen Aspekte. Auch online lädt diese Ausstellung zum Stöbern und Lernen ein: Der Titel verweist auf den Kambiumring - "diese Schicht befindet sich zwischen dem inneren Teil (Xylem) und dem äusseren Teil (Phloem) eines Baumstammes und ermöglicht sein Wachstum in die Breite. Das Kambium dient als Membran zwischen Holz und Bast. Dieses Merkmal entwickelten Bäume evolutionsgeschichtlich, um sich vor klimatischen Veränderungen zu schützen, wobei dieser Prozess interessanterweise auch wieder rückgängig gemacht werden kann. Die Designer machen mit der Bezugnahme auf diese Besonderheit auch auf die unglaubliche Intelligenz von Pflanzen aufmerksam."
Und sogar den Philosophen EmanueleCoccia hat man dafür gewinnen können, den Monolog eines Baumes zu lesen, erfahren wir. Was uns ins der physischen Ausstellung verloren geht, sehen wir schmerzlich in diesem Video:
Im Pop hat derzeit niemand "mehr Mode-Macht als BillieEilish", schreibt Jan Kedves in der SZ: Die Modedesigner liegen dem Teenie-Popstar geradezu zu Füßen und bewerfen sie geradezu mit Entwürfen. Allerdings sind sie in diesem Fall überaus offen dafür, "erstaunlich weit von ihrer bekannten Ästhetik abzurücken und, was die Schnitte und Silhouetten angeht, ganz zu vergessen, was für Frauen sonst bei solchen Anlässen gilt: Stoff sparen. ... Von Calvin Klein dafür bezahlt zu werden, dass sie sich - im Gegensatz zu Werbestars wie Justin Bieber, den Kardashian- und Jenner-Schwestern, dem Rapper A$AP Rocky und vielen anderen - gerade nicht auszieht: Das schafft nur Billie Eilish." Auf Instagram ist Eilish in einem Entwurf von Chanel zu sehen:
Foto: London College of FashionDas Gehen muss etwas schwierig sein in diesen Hosen. Andererseits bringen erst Widerstände echte Anmut zur Geltung. Jennifer Hahn von Dezeenbewundert jedenfalls die aufblasbaren Latexhosen des Designers Harikrishnan, die er bei seiner Abschlussschau am London College of Fashion zeigte. "'Die Idee kam mir, als ich mit meinem Hund spielte und ich darüber nachzudenken begann, wie überdimensionierte Objekte aus einem so niedrigen Winkel aussehen müssen', erklärt mir der Designer. 'Der Gedanke, dass er mich als riesige Figur sehen musste oder meinen Kopf nicht sehen konnte, war faszinierend, und so beschloss ich, die Menschen um mich herum durch ein Spiel der Verzerrung neu zu imaginieren - losgelöst von den stereotypen, vorgegebenen Vorstellungen der menschlichen Perspektive."
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