Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.07.2019 - Design

Sarah Pines meditiert in der NZZ über die Geschichte von Camp und wie Camp in der heutigen Modeszene wieder ein Comeback feiert: "Der Weg, den der Camp beschritt - von der Aristokratie zuerst zum dekadenten Großbürger, dann zu den Kreativen und schließlich als Businessmodell des Mainstreams -, war am eindrücklichsten an der Met Gala zu sehen. ... Die exklusiven Gäste des amerikanischen Showbiz waren angehalten, in campy Kleidung zu erscheinen. Das Resultat: kostspielige Mode auf einer Skala von schrill-karnevalesk bis fad. 'Intending to be camp is always harmful', hat Susan Sontag schon vor Jahrzehnten geschrieben. Das Problem des Camp war stets die Kluft zwischen der hippen Szene und dem Rest der Gesellschaft. Er wandelte sich, er war immer neu, anders, frivol, aber großzügig und sensibel nur sich selbst gegenüber. Ist Lady Gaga denn ebenso campy wie Oscar Wilde?"

Für das ZeitMagazin plaudert Louis Lewitan mit dem Modedesigner Paul Smith, der überhaupt nur durch einen Unfall zu seiner Profession fand.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.07.2019 - Design

Besprochen wird Sandra Rendgens und Julius Wiedemanns Bildband "History of Information Graphics" (Literarische Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.07.2019 - Design

Kleidung von Neonyt. Bild: Instagram
Völlig begeistert berichtet Marina Razumovskaya von der Berlin Fashion Week: "Die nachhaltige Mode ist in eine neue Phase getreten", jubelt sie in der taz. Großartig fand sie die trotz Vormittagstermin bestens besuchte Präsentation der Neonyt, des Global Hub für Mode, Nachhaltigkeit, Innovation", wo es vor allem um Wasser ging, "denn Wasser ist ein zentrales Thema nachhaltiger Mode. Ein normales T-Shirt aus Baumwolle verbraucht 2.000 Liter Wasser, bis es existiert. (Ein Kilo Rindfleisch 14.000 Liter.) Hauptthema zwei: Denim, der Jeansstoff, der sich so herrlich kombinieren lässt mit eleganten Einsätzen aus anderen Materialien, Wolle, Cord oder Seide. Diese Form der Nachhaltigkeit erinnert mich an das Moskau meiner Jugend. In den 1980ern sah man oft Leute, die sich Röcke aus alten Jeans gemacht hatten und durch genialen Besatz und Einsatz anderer Materialien ganz neue Dinge schufen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.07.2019 - Design

Schautafel der Firma Algalife, die Renana Krebs mitbegründet hat


Auf der Berlin Fashion Week dreht sich alles um Nachhaltigkeit, stellt tazlerin Marina Razumovskaya fest. Die Ideen sind aussichtsreich: "Faire Bio-Baumwolle ist da nur das Altbekannte. Unbekanntere Dinge tauchen auf: etwa die erstaunliche Idee von Renana Krebs, die Mode mit Stoffen und Farben aus Algen macht. ... Oder Stoffe aus Brennnesselfasern, ein Pilotprojekt des Leibniz-Instituts für Agrarechnik und Bioökonomie Potsdam (die wohl noch nicht auf der Neonyt vertreten ist). Dazu kommen neue Techniken, Fasern zu recyclen. Berlin und seine Modemessen sind auf dem guten Weg, zum Pionier für nachhaltige Mode zu werden."

An Würdigungen der DDR-Zeitschrift Sibylle herrschte in den Feuilletons in den letzten Jahren kein Mangel: Sharon Adler erinnert in der Jungle World anlässlich einer Ausstellung im Berliner Willy-Brandt-Haus an das ästhetisch wagemutige Magazin und sprach außerdem mit der Fotografin Ute Mahler. Als Modezeitschrift konnte man sich ganz gut durchlavieren, erklärt sie: "Wir waren privilegiert in dem Sinn, dass wir unsere Arbeit machen konnten, wie wir sie machen wollten. Und das hat damit zu tun, dass die Sibylle, die in einer Auflage von 200.000 erschien, eine Modezeitschrift war, die von den Verantwortlichen nicht wirklich ernst- und wichtig genommen wurde. Ich glaube, die haben sich einfach gedacht: 'Lasst die mal ein bisschen spielen.'" ... Natürlich gab es auch Bestrebungen, alles ein bisschen optimistischer zu zeigen. Dass das Umfeld so grau war, ist uns gar nicht in dem Maße aufgefallen, schließlich haben wir dort gelebt und es war unsere Realität. Manchmal äußerte die Chefredaktion allerdings schon ihre Wünsche und es hieß: 'Warum geht ihr denn nicht mal in die schönen hellen Neubauviertel?'"

Johanna Schmeller hat für die taz in Brüssel eine Ausstellung über Audrey Hepburns Kleiderstil besucht. Deren Filme boten "dem Existenzialismus eine modische Bühne. Hepburn trägt schwarze Rollkragenpullover, Trenchcoats mit auf dem Rücken geschlossenem Gürtel, 7/8-Hosen zu Slippern. Sie begründet einen neuen Frauentyp: kurze Haare statt ondulierter Mähne, definierte Schultern statt Dekolleté."

Weiteres: In der NZZ blickt Sabine von Fischer zurück auf Jonathan 'Jony' Ives Zeit als Chefdesigner von Apple (mehr dazu hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.06.2019 - Design

In der NZZ stellt Sarah Pines fest: Frauen haben keine Angst mehr, dass sich Brustwarzen abzeichnen oder der einst gefürchtete "Cameltoe", wenn sich also die äußeren Schamlippen unter eng anliegenden Hosen abzeichnen. Im Gegenteil: Leggings zeigen alles, und das wird "ausdrücklich gewünscht, bewusst herbeigeführt und selbstbewusst getragen, zumindest aber billigend in Kauf genommen. Es gibt das Hashtag #cameltoetuesday und Unterhosen mit eingenähten Schamlippenkissen zur Verstärkung der Optik. ... Der Camel-Toe ist aggressiv, karnevalesk, ein Statement, ein Affront für den Blick, eine seltsame Provokation, die Männer in den Nicht-Blick zwingt, denn Hinschauen ist ein No-Go, würde Aufdringlichkeit und Anzüglichkeit bedeuten. Der Camel-Toe zeigt, dass sich das Blatt gewendet hat, dass die Vagina dentata nicht mehr nur imaginäre, sondern reale männliche Angstphantasie geworden ist: Willst du enden wie Weinstein oder Levine? Dann schau besser weg."

Alle sind sich einig: Mit Jonathan "Jony" Ives Weggang von Apple geht eine Ära nicht nur der Konzern-, sondern auch der Designgeschichte zu Ende. Zwanzig Jahre lang hat Ive Produktionsdesign und Anmutung der Apple-Produkte geprägt. "Sein Abschied von Apple ist der größte Verlust seit dem Tod des Mitgründers Steve Jobs. Und der größte Glücksfall", schreibt Hannes Schrader auf ZeitOnline, denn "er führte mit seinen Ideen die Produkte zuletzt teilweise so weit, dass die Idee mehr zu zählen schien als das Produkt." Schließlich "machten seine Neuerungen die Geräte zum Teil schlechter: Die flachen iPhones verbogen sich plötzlich in den Taschen ihrer Besitzer, die Akkulaufzeit nahm nicht zu, weil die Akkus, genau wie die Geräte, immer flacher wurden."

Ive und Apple haben sich selbst eine Innovations-Fallgrube gebuddelt, schreibt Jörg Häntzschel in der SZ: Ive "war rastloser Innovator. Gleichzeitig sollte jedes seiner Produkte einen Grad der Perfektion erreichen, der weitere Innovation erübrigte. Darin liegt einer der Gründe dafür, dass die Verkaufszahlen des iPhones in den letzten Monaten erstmals gesunken sind. Die Leute sahen keinen Grund, ein neues zu kaufen. Das alte lief ja noch bestens." Und "mit jedem Schritt hin zu noch konsequenterem Minimalismus reduzierte Ive auch seine Gestaltungsmöglichkeiten."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.06.2019 - Design

Für den Freitag berichtet Jenni Zylka von einem Abend mit Sahra Wagenknecht und Wolfgang Joop, die über "Mode und Politik" diskutierten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.06.2019 - Design

Bei all der mitunter auch etwas geschichtsvergessenen Bauhaus-Seligkeit des laufenden Jubiläumsjahrs genießt es SZ-Kritiker Till Briegleb doch sehr, dass das Museum Marta in Herford mit der Ausstellung "Rebellische Pracht - Design-Punk statt Bauhaus" daran erinnert, dass in der funktionalen Bauhaus-Moderne früher mitunter erheblicher Widerstand geleistet wurde. Zu sehen gibt es wilde Design-Artefakte aus den 80ern, die mit form- und farbenfrohen Experimenten auf den Bürokratismus der 70er rebellierten. Zwar sind die gezeigten Objekte heute auch schon wieder im Kontext ihrer Zeit gefangen, "doch der Aufstand der Objekte trägt ganz klar noch die Energie eines Zeitenbruchs in sich, der sich ähnlich wie im parallel sich entladenden Punk in der Musik zum schlechten Geschmack als neue Ästhetik bekannte. Und als Ideologiekritik. Gesellschaftlichen Gewissheiten begegnete man mit Ironie, der deutschen Effizienz mit Partylaune, der Uniformität mit Selbstdarstellung. ... Man wollte sich möglichst sinnlich absetzen von der Konformität der Masse, ohne sie dabei völlig vor den Kopf zu stoßen."
Stichwörter: Bauhaus, 1970er, 1980er

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.06.2019 - Design

Claude Lichtenstein würdigt in der NZZ die Lampendesignerin Rosmarie Baltensweiler, die gerade im Alter von 91 Jahren mit dem Grand Prix Design ausgezeichnet wurde. Mit ihrer Leuchte Type 600 machten sie die Raumausleuchtung flexibel, als ansonsten noch bieder beschirmte Stehlampen gedimmtes Licht in die Wohnstuben brachten: "Ihr weitgespreizter Metallreflektor war beweglich am gelenkigen Ständer befestigt. Um die Vertikalachse drehbar, schwenkbar, ausbalanciert, glich sie einem auf einem Bein stehenden Flamingo. Um dies zu erreichen, waren technische Finessen notwendig, die nicht kompliziert, aber intelligent waren, etwa eine Gelenkhülse mit innenliegender Zugfeder. Auch der auf die Glühbirne aufgesteckte Gegenreflektor als Blendschutz trug zu ihrer unverwechselbaren Persönlichkeit bei. ... Die nicht alltägliche Kombination aus technischer und fabrikatorischer Einfachheit und Cleverness sollte zur Signatur der Firma Baltensweiler werden."

Außerdem: In der Berliner Zeitung gratuliert Sabine Fuchs dem DDR-Möbeldesigner Rudolf Horn zum 90. Geburtstag.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.06.2019 - Design

Den "Look der Leichtigkeit" suchte, wer in den 60ern zu Mary Quants Entwürfen griff. Im Victoria & Albert Museum in London wird die Modedesignerin nun mit einer Retrospektive gewürdigt, die auch melancholische Untertöne aufweist, so SZ-Kritikerin Kia Vahland: Die Kuratoren trauern "darüber, dass London und Großbritannien eben nicht mehr wirklich Avantgarde sind, nicht mehr den Optimismus der jungen Nachkriegsgeneration versprühen, die klassenübergreifend einen neuen Stil suchte und auch fand." Denn "man konnte sich in diesen kurzen Kleidern und lässigen Anzügen tagsüber im Büro sehen lassen und abends an der Bar, machte im Theater eine ebenso gute Figur wie an Bord eines Schiffes. Nicht die Frau passt sich allen Lebenslagen, allen Rollenerwartungen an und zieht sich dreimal am Tag um, sondern in Quants knalligen Farben, engen Gewändern, karierten Strumpfhosen ist die Trägerin überall der Blickfang, gleich vor welcher Kulisse."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.06.2019 - Design

Paul Jandl schreibt in der NZZ einen Nachruf auf die Krawatte, die nun auch in auf Seriosität bedachten Unternehmen von der Kleiderordnung für die Mitarbeiter gestrichen wurde.
Stichwörter: Krawatte