An PierpaoloPiccioli ist in der Mode kein Vorbeikommen, schreibt Claire Beermann in ihrem Porträt des Modemachers für das ZeitMagazin. Unter ihm "ist das Haus Valentino wieder richtig aufgeblüht. Was seine Entwürfe auszeichnet, ist so simpel wie überraschend: märchenhafte Schönheit, die Frauen nicht zerbrechlich, sondern stark und selbstbewusst erscheinen lässt. Dafür sorgen die kühnen Farbkombinationen - Minzgrün trifft auf Ockergelb, Altrosa auf Korallenrot - und die raumeinnehmenden Silhouetten: aufgeplusterte Ärmel, übereinandergeschichtete Volants, ein Kleid wie eine riesige Wolke in Pink, ein raschelndes Cape in Pastelltürkis, getragen wie ein lässig heruntergerutschter Umhang. Wenn die Valentino-Frau bei Garavani eine Prinzessin war, dann ist sie bei Piccioli eine Königin." (Hier die ganze Herbstkollektion 2019)
Greta Thunberg, fotografiert von Peter Lindbergh für die britische September-Vogue 2019Der Fotograf Peter Lindbergh ist gestorben. In der SZwürdigt Jan Kedves den 1944 im heute polnischen Lezno geborenen, in Duisburg aufgewachsenen Künstler als einen der ganz großen Modefotografen, dessen Frauenporträts immer noch durch ihre Modernität auffallen - weil sie die Mode tragen (oder auch nicht) und nicht umgekehrt, schreibt Kedves: "kürzlich fotografierte er für die September-Ausgabe 2019 der britischen Vogue im Auftrag der Gastredakteurin Meghan Markle fünfzehn Frauen. Auf dem Cover werden sie als 'Forces of Change' bezeichnet: Frauen, die die Welt in die richtige Richtunglenken werden, hoffentlich! Unter anderem: Greta Thunberg. Lindberghs Schwarz-Weiß-Porträt der 16-jährigen Klimaaktivistin ist eine einzige Irritation. Hat man schon mal ein so ernstes Mädchen - im Kapuzenpulli, ohne Make-up, ohne Hairstyling - auf einem Vogue-Cover gesehen? Das sieht tatsächlich nach einer neuen Zeit aus. Eine Ikone für die Welt von 'Fridays For Future'."
Aber wie immer hatte die Sache auch einen Haken, notiert Arno Widmann in der Berliner Zeitung mit Rückblick auf Lindberghs nicht weniger ikonisches Cover für die britische Vogue 1990, das fünf Supermodels als Individuen zeigt: Lindbergh "lehrte uns, die Person zu sehen, nicht das Image. Aber durch ihn lernten wir auch zu begreifen, dass man dem Image nicht entkommt. Man selbst zu sein, wurde jetzt selbst zum Image, zu einem extrem lukrativen dazu. So wurden aus Models mit dem kurzen Durchgang der Vermenschlichung Supermodels, die wichtiger wurden als die Mode, die sie trugen. Nicht weil sie lebende, atmende Menschen waren, wie Lindbergh das sich gedacht hatte, sondern weil ihre 'Natürlichkeit' sich als gigantische Wertsteigerungsmaschine herausstellte."
Die Ausstellung "Bulgari. The Story. The Dream" im Palazzo Venezia und im Castel Sant'Angelo über die italienische Luxus-Schmuck-Schmiede Bulgariregttaz-Kritikerin Brigitte Werneburg zu philosophischen Meditationen an: "Die metaphysischen Lasten von Schmuck, der die Menschheit von Anbeginn begleitete, besonders aber von - mit Heiligkeit und Transzendenz assoziiertem - Gold und Juwelen, hat auch die kapitalistische Marktgesellschaft nicht restlos suspendiert. Dass Bulgari sie in den ästhetischen und konstruktiven Mitteln jener Moderne aufhebt, die wir gerade im Bauhausjahr feiern, im Modul, im Raster und im Materialmix, machte das Unternehmen groß."
Außerdem bespricht Tania Martini einen Bildband über Chanel.
Die Luxusmode interessiert sich für den aus den 70ern berühmten und eigentlich auch ziemlich berüchtigten Afghanenmantel, erklärt Tillmann Prüfer in der Modekolumne des ZeitMagazins. Früher war er "der Pelz der kleinen Leute. Denn im Vergleich zu einem klassischen Pelzmantel waren die mit Lammfell gefütterten Mäntel stets sehr viel günstiger zu haben. So ein Kleidungsstück stand immer auch für einen alternativen Lebensstil. Nun aber ist der Afghanenmantel in der Luxusmode angekommen: Bei Céline gibt es einen mit Lammfell gefütterten Wildledermantel mit kurzen Ärmeln, bei Burberry und Gucci Mäntel mit Ärmelaufschlägen aus Fell. Dass der Lammfellmantel nun wieder so populär ist, liegt wohl auch daran, dass der Pelz der armen Leute der einzige Pelz ist, der heute noch moralisch akzeptabel erscheint."
Ausstellungsansicht "Klimawandel!". Foto: Stefan Lux/MAK Mit Begeisterung streift Viviane Ehrensberger durch eine Ausstellung im Wiener MAK, die mit spekulativem Design gegen den Klimawandel angeht. Auf den ersten Blick überzeugt, wenn nicht gar hingerissen ist sie von der Küchenkuh des Wiener Designstudios EOOS, die aus zerkleinertem Bioabfall Methangas produziert, das gespeichert und zum Kochen verwendet werden soll: "Die Ausstellungsprojekte bestechen nicht zuletzt durch ihre Ästhetik: Sie können dank einer einfachen Anleitung nachgebaut werden, und sollte ein Teil kaputtgehen oder sich abnützen, wäre es leicht zu ersetzen. Nichts ist zugeschweißt, kaschiert oder dekoriert. Das 'Social Vehicle' hat zudem eine Open-Design-Lizenz, was allen Interessierten den Bau, die Reparatur und die Weiterentwicklung des Gefährts ermöglicht. Mit dieser Haltung bildet das 'Social Vehicle' einen diametralen Gegensatz zu aktuellen Design-Tendenzen, wie sie zum Beispiel beim iPhone oder bei den Elektroautos von Tesla vorherrschen, und wirkt in seiner Rohheit erfrischend authentisch."
Außerdem hat der Tagesspiegel ein großes Gespräch mit dem Modedesigner Dirk Schönbergergeführt.
Uta Eisenhardt berichtet in der taz von einem schönen Schatz (und der Bürde, die damit einher geht), den ihr ihre Schwieger-Oma vermacht hatte: Ganze Stockwerke voll mit Kleiderschränken mit Mode aus allen möglichen Jahrzehnten. Einst lebte die Frau in Breslau, dann musste sie in die Provinz: "Den Frust darüber muss Oma mit immer mehr Kleiderbestellungen kompensiert haben, denn damals ging die begüterte Dame nicht ins Luxus-Kaufhaus, sondern zum Schneider. Mit Stoffen und Schnitten aus dem Westen war sie auch zu DDR-Zeiten stets auf der Höhe der Zeit. Selbst die Plastik-Modesünden der Sechziger und Siebziger machte sie mit. Erst nach der Wende - da war ihr Mann gerade gestorben und Oma mittlerweile Mitte siebzig - kleidete sie sich eher pragmatisch in Hose, Bluse und Blazer, alles in gedeckten Farben, möglichst weit und bequem."
Marion Löhndorf würdigt das Schaffen von Kate Moss, die gerade ihr Comeback in einer Kampagne für Alexander McQueen (mehr dazu hier) feiert. "Dass sie der Mode zur Muse wurde, war klar. 'Niemand in Großbritannien beeinflusst den Stil so sehr wie Kate Moss', urteilte die BBC und meinte damit die Art, wie sich das Model privat kleidete", denn "als man sie am Musikfestival in Glastonbury in äußerst knappen Hot Pants mit Gummistiefeln durch den Matsch waten sah, wurde auch diese kühne Kombination zum viel nachgeahmten Look. ... Sie verkörperte 'Cool Britannia', vereinte vieles auf sich, was die rebellische, hedonistische Seite ihres Landes einmal so anziehend machte. Ein bisschen unkonventionell in Aussehen und Habitus - sie scherte sich nicht um das, was erwartet wurde und schicklich war -, ein bisschen dekadent und sehr sexy. Und dabei extrem und anhaltend erfolgreich."
"Mode ist ein schwieriges Geschäft geworden", schreibt Brigitte Werneburg in ihrem taz-Bericht vom Nachwuchsdesigner-Wettbewerb International Talent Supportin Triest. Der Klimawandel hat auch Folgen für die Ressourcen klassischer Kleidungsproduktion, weshalb der Nachwuchs händeringend nach Alternativen Ausschau hält: Noch nie gab es hier so viel Upcycling zu sehen. Etwa Corrina Goutos, die ihre "hybriden Schmuckstücke, gefertigt aus BIC-Feuerzeugen, IT-Abfällen, Plastiktuben und natürlichem Material wie etwa Muscheln" als "Fossilien der Zukunft" bezeichnet. Oder Rafael Kuoto, der "seine grandiosen Stücke ausschließlich aus Stoffen und Materialien fertigt, die von den Herstellern aussortiert wurden. ... Dass Kleidung primär nicht mehr zerlegt wird, um etwa die Morphologie des traditionellen Anzugs in Frage zustellen und neue Formen zu entwickeln, sondern um Reste zu retten und Material und Handwerk achtsam einzusetzen, ist ein wesentlicher Aspekt, der hier deutlich wird. Er unterscheidet aktuelle Entwurfskonzepte von der sogenannten Mode nach der Mode."
Außerdem bespricht Katharina J. Cichosch ein Buch über den Modedesigner Marc Jacobs.
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