Gabriele Detterer porträtiert in der NZZChristien Meindertsma, die derzeit mit einer Ausstellung im Vitra Design Museum in Weil am Rhein gewürdigt wird. Die Designerin hat sich darauf spezialisiert, ihre Arbeiten aus Müll und anderen recycelten Werkstoffen herzustellen.
NZZ-Kritikerin Nana Demand holt sich Beistand für Alltag und Klimaverwirrung vom Designstudio Bless, das seine Arbeiten gerade in einer Ausstellung im Richard-Neutra-Haus in Los Ageles zieht. Zur Kollektion "Climate Confusion Assistance" etwa gehören kuschelige Hängematten aus Kojotenfell: "Gemäß dem Ausstellungstitel 'Neutra Dasein' spürt Bless der modernen Lebensweise des in Wien geborenen Wahl-Kaliforniers Richard Neutra nach und haucht den sonst museal erstarrten Wohnräumen frisches Leben ein. Die Interventionen wirken beinahe urwüchsig, fügen sich nahtlos in die transparente Architektur ein und persiflieren doch deren einst revolutionäres Potenzial: Die Serie 'Worker's Delight' verwandelt Fitnessgeräte in bürotaugliche Arbeitsmöbel und erinnert in diesem Wohn- und Atelierhaus daran, wie ununterscheidbar künstlerisches Ideal und Optimierungszwang mittlerweile geworden sind."
In der NZZglossiert Klaus Bartels über die Etymologie des Worts "Design": "Schauen wir tief ins Designer-Glas, erscheint da im Grunde ein lateinisches signum, 'Zeichen', das im Euro-Wortschatz vielfach fortlebt, so bei uns über ein verkleinerndes sigillum im 'Siegel', sodann über das Verb signare im 'Signieren' und der Lehnübersetzung 'unterzeichnen' sowie, des Kreuzeszeichens wegen, im 'Segnen', schließlich über ein spätes Adjektiv signalis im 'Signal'."
Spaltekande; Entwurf Form: Eva Stæhr-Nielsen, 1932; Glasur: Nathalie Krebs; Ausführung: Saxbo Stentøj, 1937 - 1945. Foto: Punctum/Bertram Kober
Bei Design denkt man immer an Italien, aber Skandinavien ist mindestens genauso wichtig, lernt Tilman Krause (Welt) in einer Ausstellung über dänisches Design im Leipziger Grassimuseum. "Denn noch vor dem allgemeinen Skandinavienboom, für den die Modulmöbel von Ikea aus Schweden oder die groß gemusterten Marimekko-Textilien Finnlands stehen, kam in deutschen Wohnzimmern Dänemark zum Zug. Mit seinen kleinen, beweglichen Teakholz-Sideboards, mit gebogenen Hölzern, die sich so gut zu Stühlen oder Liegen verarbeiten ließen, aber auch mit seinen wie schwerelos wirkenden Polstersesseln und Sofas wehte plötzlich ein frischer Luftzug durch die deutschen Interieurs, die doch damals noch oft im Banne einer stickigen Schutz- und Trutzburgmassigkeit standen."
Reine Harmonie: Ferrari Dino 308 GT4. Foto: Robert Garven / CC Wikimedia Die italienischen Autombildesigner GiorgioGiugiaro, MarcelloGandini und LeonardoFioravanti werden in diesem Jahr 80 Jahre alt (Giugiaro sogar heute). Deren berühmtesten Entwürfe wie der De Lorean DMC-12, der Lamborghini Miura oder der Ferrari 308 waren weniger als Mittel zum Zweck einsetzbar, erklärt Peter Richter in der SZ: "So etwas wollte in andächtigem Abstand angebetet sein wie die SixtinischeMadonna. Oder angestaunt wie die Sixtinische Kapelle. ... Für das italienische Autodesign sind die Sechziger- und Siebzigerjahre offensichtlich die Entsprechung zu der Zeit um 1500 in der italienischen Kunst, als sowohl Raffael wie Michelangelo alt genug waren, um gegeneinander anzutreten."
Wo Giugiaro die Eleganz des harmonisch abgestimmten Objekts suchte, klotzte Gandini mit seinen Lamborghinis ordentlich hin, umreißt Niklas Maak in der FAZ die ästhetische Grundlage eines großen Designerstreits im 20. Jahrhundert. "Die radikale Dramatisierung des Fahrzeugkörpers war Gandini wichtiger als der Eindruck dynamischer Harmonie. Sein erstes Projekt bei Bertone war der legendäre Lamborghini Miura, der, im Gegensatz zu den apollinisch schönen Ferraris, alles andere als klassisch und maßvoll war. Gandinis Lamborghinis waren laut, radikal, exhibitionistisch und den Monstern näher als den Göttern."
Modezeitschriften wie Vogue und Elle entdecken seit geraumer Zeit die Politik, schreibt Ben Trott in der taz, der sich das unter anderen mit der sich wandelnden Medienlandschaft im Online-Zeitalter erklärt, aber auch damit, dass "Frauen und auch queere Menschen eine führende Rolle im Widerstand gegen die reaktionäre Politik der Trump-Regierung und der Alt-Right-Bewegung spielen."
Bild: Affe. Kaj Bojesen. Entwurf: 1951. Foto: Esther Hoyer
Das "filigrane, schwungvolle" Design der dänischen Nachkriegsmoderne, das man derzeit im Grassi-Museum in Leipzig ausgestellt erleben kann, wirkt auf FAZ-Kritiker Andreas Platthaus "wie eine Zivilisationsrettung nach den totalitären europäischen Exzessen". Vor allem die Keramiken haben es ihm angetan: "Knud Kyhns tollender Bär oder Theodor Christian Madsens abstrahierter Tukan, beide aus der Zwischenkriegszeit, sind Meisterwerke der Naturauffassung. Und der schöne Begriff der 'knorpelhaften Ornamentik', den die Ausstellungsmacher für die Vasen von Thorvald Bindesböll gefunden haben, bringt das organische Formverständnis zum Ausdruck, das vom dänischen Design bis 1950 in Gegenbewegung zum internationalen Bauhaus-Ideal der industriellen Klarheit gepflegt wurde."
Cody Wilson wird gerade in 21 Bundesstaaten verklagt, weil er die Anleitung für den 3-Druck einer Pistole ins Internet gestellt hat (mehr bei mashable). Domus hat ein fünf Jahre altes Interview mit Cody aus dem Archiv geholt, in dem dieser erklärt, warum das eine gute Sache ist: "Weil es jeden mit seinen eigenen unsichtbaren Heucheleien konfrontiert. Es geht nicht um Waffen, es geht um Informationen. Ein Typ sagte zu mir: 'Sieh mal, sie lassen mich zwischen einer Welt mit Waffen oder einer Welt mit kontrolliertem Internet wählen, und ich wähle freies Internet, also wähle ich Waffen.' Was sind die logischen Konsequenzen dieser Position? Du wirst nicht in der Lage sein, das zu regulieren. Es ist auf dem Tisch. Man kann eine Waffe drucken, diese dummen Objekte mit ihrer dummen, brutalen, einfachen Körperlichkeit - man wird das immer können. Alles, was ich getan habe, war, die Sichtbarkeit des Themas zu erzwingen. Es sind Institutionen des 20. Jahrhunderts versus Implikationen des 21. Jahrhunderts. Die Leute fangen an, das zu sehen."
In der SZporträtiert Gerhard Matzig den Designer LuigiColani, der gerade Neunzig wird und das krasse Gegenteil deutscher Bahnhofsarchitekten verkörpert: "Denn genau darum geht es dem Designer Colani schon immer: Für das Praktische und Nützliche gibt es überhaupt keinen triftigen Grund, nicht auch formvollendet in ästhetischer Hinsicht zu sein. Im Gegenteil möchte man behaupten: Wenn etwas hässlich ist, ist es vermutlich auch nicht sonderlich praktisch. Zum Beleg dieser These blicke man in das Habitat der Schöpfung. Hier gibt es nur sehr selten etwas, was sich nicht der Evolution gemäß als zugleich naturschön und höchst sinnvoll erwiesen hat. Es ist daher sinnlos, Schönheit und Nützlichkeit, Form und Funktion gegeneinander ausspielen zu wollen. Das ist unter anderem die Lehre des Biomorphismus. Auf dem Gebiet der Gestaltung ist Luigi Colani einer der prägenden Gestalter dieser Lehre..."
Besprochen werden zwei Ausstellungen über 1968 und das Design, beide im Berliner Bröhan Museum (Tagesspiegel) und eine Ausstellung im HfG-Archiv in Ulm über die Schließung der Hochschule für Gestaltung im Jahr 1968 (SZ).
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