Dass das Böse der Nazis gerade deshalb so gruselig ist, weil es prinzipiell in allen Menschen steckt, ist inzwischen schon oft erzählt worden. Nichts Neues hier also, meint in der Wams Jan Küveler über James Vanderbilts Film "Nürnberg". Toll findet er allerdings Russell Crowe als Hermann Göring: "Dramaturgisch klappert es gehörig. Eine Weile sehen wir Rami Malek, bekannt als Freddie Mercury, dabei zu, wie er zwischen Göring und dessen Frau und Tochter beflissen den Postboten gibt. (…) Am Ende weiß sich Vanderbilt nicht anders zu helfen, als auf das gleiche Stilmittel zu setzen, das schon Stanley Kramer bemühte: echte Bilder aus den Konzentrationslagern. Sie werden während des Prozesses eingespielt und verfehlen ihre Wirkung nicht - weder auf die Figuren noch auf die Zuschauer. Und doch beweisen sie in ihrer nüchternen Drastik nicht zuletzt die relative Harmlosigkeit des Films. So bleibt 'Nürnberg' vor allem als schauspielerische Meisterklasse Russell Crowes in Erinnerung, der dafür sogar ein paar Sätze Deutsch gelernt hat."
Wenn man die Welt draußen ausblendet und sich ganz auf die Schönheit der Mode und das amüsante Spiel von Meryl Streep und Anne Hathaway einlässt, dann lässt sich David Frankels "Der Teufel trägt Prada 2" wirklich ganz gut sehen, findet Axel Timo Purr bei Artechock: "Man möchte diesen Film deshalb eigentlich immer wieder in Zeitlupe sehen, ihn gezielt anhalten, um die Momente 'stofflicher' Ekstase voll auszukosten. Das ist natürlich purer Eskapismus, aber einer, der sich seiner selbst bewusst ist. Dazu gehört dann auch nicht nur einfach ein Happy End, sondern ein Märchen-End, in dem nicht einmal die Bösen ganz ganz und gar abgestraft werden. Und vielleicht liegt ja dann darin die eigentliche Modernität dieses Films, ist er doch nicht so ganz aus der Zeit gefallen: in seinem Mut zur totalen, ja fast schon grotesken Unwahrscheinlichkeit. In einer Gegenwart, die von Unsicherheit und Fragmentierung geprägt ist, bietet er eine klare, fast altmodische Antwort: Wir brauchen diese Geschichten. Wir brauchen ihre Überhöhungen, ihre Schönheit, ihre Versprechen". Weitere Besprechungen in FAZ und der BlZ.
Weitere Artikel: Fritz Göttler erinnert in der SZ an "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" von Lotte Reiniger, den ersten Animationsfilm der Kinogeschichte, der vor hundert Jahren erschienen ist. Der Standardfasst die Kritiker am Michael-Jackson-Biopic "Michael" zusammen. Dunja Bialas ist für Artechock auf den Kurzfilmtagen Oberhausen unterwegs.
Besprochen werden die Apple-Serie "Widow's Bay" (Wams), die Netflix-Serie "Should I Marry a Murderer" (taz), die Amazon-Prime-Serie "Das Geisterhaus", basierend auf dem Roman von Isabel Allende (FAZ), der Zürich-Tatort "Könige der Nacht" (FAZ, SZ, FR, NZZ), "Tom und Jerry: Der verlorene Kompass" (SZ), die Thrillerserie "Secret Service" auf Magenta TV (SZ) und die HBO-Serie "Half Man" (NZZ).
Archaischer Ausdruck: "Rose" von Markus Schleinzer mit Sandra Hüller als Mann Auf der Berlinale gefeiert, kommt MarkusSchleinzers "Rose" nun auch regulär ins Kino. Der österreichische Regisseur erzählt von einer von SandraHüller gespielten Frau, die sich im Dreißigjährigen Krieg als Soldat und Mann durchschlägt, in dieser Maskerade zu einem Hof und einer Frau kommt, schließlich aber auffliegt und sich vor Gerichten verantworten muss. "Die größte Stärke" des Films, schreibtPerlentaucher Jochen Werner, "liegt in seinem unbedingten Willen zur Verdichtung. Wo andere Filmemacher der Versuchung des opulenten Historienpanoramas vielleicht nicht widerstanden hätten, inszeniert Schleinzer 'Rose' in gerade einmal 90 Minuten in harten Schwarzweißbildern, die so karg und rau anmuten wie das Leben, von dem sie erzählen, die aber nichtsdestotrotz niemals unzugänglich oder abweisend wirken. Irgendwo zwischen Naturalismus und einer in Dialog wie Off-Erzählung zum Ausdruck gebrachten, eigentümlichen Literarizität gelingt es Schleinzer, alles Dekorative zu vermeiden und zu einem fast archaischen Ausdruck zu finden." Auch Andreas Kilb (FAZ) weiß "den asketischenZauber" dieses Films zu schätzen. Für Daniel Kothenschulte (FR) ist dieser Film "ein neuer Klassiker".
Nach einem Jahr ohne festen Spielort eröffnet das Berliner Kino Arsenal, sicher eines der wichtigsten filmhistorisch orientierten Kinos Deutschlands, am 3. Mai seine neuen Räumlichkeiten im Weddinger Kulturquartier Silent Green, wofür in dem ehemaligen Krematorium der Trauersaal zum Kinosaal umfunktioniert wurde. "Akustisch wegen Gewölbedecke nicht einfach, die Platten an der Decke zeugen davon", schreibt Ekkehard Knörer in der taz. Doch "der erste Eindruck: akustischastrein, optischspektakulär, der ansteigende Raum mit der lichterdurchzogenen Decke geradezueineKino-Skulptur. Der Haupteingang liegt nicht Richtung U- und S-Bahn, sondern zum Kiez. ... Nicht nur im Vergleich mit dem untoten Potsdamer Platz ist das Silent Green ein lebendiger Ort in einem bei allen Gentrifizierungstendenzen, zu denen es selbst unweigerlich beiträgt, noch immer sehr durchmischten städtischen Umfeld." Zum Neustart ist das Kino seit neuestem auch auf der cinephilen Plattform Letterboxdunterwegs.
Außerdem: Dietmar Dath (FAZ) und Marisa Buovolo (NZZ) gratulieren Lars von Trier zum 70. Geburtstag. Besprochen werden UlrichKöhlers Spielfilm "Gavagai" (Perlentaucher, Zeit), DavidFrankels "Der Teufel trägt Prada 2" (FR, Welt, Standard, NZZ, SZ), LutzPehnerts und FerdinandHübners Dokumentarfilm "Scherbenland" über die Geschichte von Berlin-Kreuzberg von den Siebzigern bis heute (taz), KlausFrieds Dokumentarfilm "Friendly Fire - ErichFried" (taz), YasuhitoKikuchis Anime "Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt - Tränen des azurblauen Meeres" (taz), die Autobiografie des Stummfilmpianisten GerhardGruber (Standard), DamianoMichielettos Biopic "Vivaldi und ich" (NZZ), die auf Netflix gezeigte zweite Staffel der Beziehungsdrama-Serie "Beef" ("lustigesKrisenfernsehen, eine stachelige Show, in die man sich reinkuscheln will", schreibt Georg Diez auf ZeitOnline) und die Sky-Serie "The Miniature Wife" (FAZ).
"Rose" von Markus Schleinzer Die SchriftstellerinAngelaSteidele listet in der FAZ ausführlich auf, wie MarkusSchleinzers auf der Berlinale gefeierter Film "Rose" angeblich allzu lax mit der Geschichte umgeht. Steidele sieht in dem Film die Geschichte von CatharinaMargarethaLinck, genannt Rosenstengel, aufgegriffen, die sich im frühen 18. Jahrhundert als Mann ausgab und die letzte Frau war, die wegen "Unzucht" mit einer Frau hingerichtet wurde - eine Geschichte zu der Steidele auch zwei Bücher veröffentlicht hat (hier und dort unsere Notizen). Um mehr als eine lose Anlehnung handelt es sich bei dem Film aber nicht, wie auch Steidele einräumt: "Alles, was die historische Gestalt avant la lettre zu einer Lesbe oder einen Transmann macht, lässt der Regisseur (...) weg. Sein Umgang mit der/dem historischen Rosenstengel gleicht einer homo- beziehungsweise transphoben Farce: durch Unterlassen. Auch wenn in 'Rose' die Geschichte Rosenstengels um achtzig Jahre vorverlegt und der äußere Gang der Handlung einem weiteren berühmten historischen (und erfolgreich verfilmten) Fall entlehnt, dem von MartinGuerre, der sich unter falscher Identität einen Hof erschlich, so übernimmt Schleinzer doch die meisten Motive aus dem Leben von Catharina Linck" und, wie Steidele Schleinzer vorwirft, aus ihren Büchern, aus denen er angeblich Szenen "plagiiert" habe.
tazlerin Arabella Wintermayr sieht in dem Film indessen zwar keinen "Film, der erlöst, aber ein Meisterstück über die Würde der Unbeugsamkeit im Angesicht der Tyrannei der Masse".
Weitere Artikel: In der NZZ porträtiert Silvia Posavec den iranischen Regisseur Ali Asgari, dessen "Divine Comedy" vorerst nur in der Schweiz läuft. Im Filmdienstspricht Katharina Zeckau mit der Dokumentarfilmerin SigridKlausmann und deren Produzenten und Ehemann WalterSittler über deren gemeinsamen Dokumentarfilm "Girl's Don't Cry", in dem anhand von sechs internationalen Porträts die Frage gestellt wird, was es heißt, ein Mädchen zu sein. Critic.dedokumentiert den Einführungsvortrag, den Silvia Szymanski in der von Perlentaucher-Kritiker Tilman Schumacher kuratierten Harald-Reinl-Retrospektive im Berliner Zeughauskino gehalten hat. In ihrer taz-Kolumne fragt sich Valérie Catil, warum Biopics so selten glücken.
Besprochen werden KlausFrieds Dokumentarfilm "friendly fire" über seinen Vater, den LyrikerErichFried ("Erich Fried mit seinen Traumata, Idiosynkrasien, blinden Flecken: Das ist eben auch ein repräsentatives Intellektuellenleben aus dem 20. Jahrhundert", schreibt Tilman Krause in der Welt), ThomasStubers Roadmovie "Der Frosch und das Wasser" (SZ-Kritikerin Sofia Glasl feiert "eine Ausnahme in der deutschen Filmkomödie") und SimónMesaSotos kolumbianische Tragikomödie "Un poeta" (Standard).
Silvia Hallensleben resümiert in der taz das InternationaleFrauenfilmfestin Dortmund/Köln, bei dem das traditionelle Abschlussgespräch der Kamerafrau SophieMaintigneux mit der Preisträgerin zum letzten Mal stattfand. Bert Rebhandl wirft für den Standard einen Blick ins Programm des Crossing-Europe-Festivals in Linz.
"WolframWeimer hat tatsächlich etwas richtig gemacht", schreibt ein bass erstaunter Hanns-Georg Rodek in der Welt: Denn nach vielem Hin und Her trägt der Kulturstaatsminister nun einen Gesetzentwurf zum Umgang mit dem Streamingdiensten ins Parlament, der nach Rodeks Auffassung in der Bezeichnung - "Mediendienste-Investitionsverpflichtungs-Gesetz" - zwar Minuspunkte kassiert, aber ansonsten ansehnlich geraten ist. Die von Weimer einst bevorzugte "freiwillige Verpflichtung" etwa ist vom Tisch. Nur zu Recht, denn "die internationalen Streamer von Netflix über Amazon bis Disney machen in Europa mit ihren Abogebühren Milliardenumsätze, zahlen aber nur minimale Beträge als Steuern", während "die Einnahmen an die amerikanischen Konzernzentralen fließen." Jetzt soll "die Investitionsquote bei für europäische Verhältnisse moderaten acht Prozent liegen und nicht nur die Streamer, sondern auch die Öffentlich-Rechtlichen und andere Plattformanbieter betreffen. Es soll Subquoten geben, so sollen von den acht Prozent mindestens 60 Prozent in neue europäische Werke fließen. 80 Prozent der neuen Werke sollen eine 'deutschekulturellePrägung' aufweisen und mindestens 70 Prozent in Produktionen unabhängiger Filmhersteller investiert werden."
Weitere Artikel: Kira Taszman spricht für den Filmdienst mit dem Regisseur Markus Schleinzer, dessen mit SandraHüller prominent besetztes, zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs situiertes Gender-Drama "Rose" diese Woche anläuft und SZ-Kritikerin Marie Schmidt "staunend über die warme Klarheit dieses Films im Kinosessel" zurückgelassen hat. Christian Schröder empfiehlt im Tagesspiegel eine Berliner Filmreihe im Centrum Judaicum und in der Urania über jüdische Filmemacher im Exil. Valerie Dirk blickt im Standard auf Problemlagen des österreichischenFilmbetriebs. In der NZZ am Sonntag verneigt sich Denise Bucher vor MerylStreep.
Besprochen werden JoschaBongards "Babystar" (taz), RenaudRoches und LaurentHopmans Comicbiografie über George Lucas (taz), Harald Friedls Dokumentarfilm "Wahlkampf" über die österreichische SPÖ (Standard), eine Arte-Doku über EmilieSchindler (FAZ) sowie RichardGadds neue HBO-Serie "Half Man" (FAZ).
Suzannah Mirghanis Film "Cotton Queen" zeigt FAZ-Kritiker Bert Rebhandl über drei Generationen, welche Konflikte auftauchen, wenn ein Geschäftsmann ins matriarchal geführte Baumwollbusiness eines "modellhaften" sudanesischen Dorfes eindringt: "Wenn eine intellektuelle Künstlerin ihren ersten Erzählfilm macht, wird man es ihr nicht verdenken, wenn sie hoch zielt: 'Cotton Queen' deutet ja schon mit dem Titel an, dass es um einen Übergang von Natur- bis zu Verfassungsfragen geht. Und die einbehaltene Baumwolle, die das weibliche Geschlecht beschützen soll, ist bei Suzannah Mirghani auch ein Instrument gegen die Praxis der Genitalverstümmelung. Damit macht sie außerdem deutlich, dass ihre politischen Anliegen über der Tagespolitik liegen - dass 'Cotton Queen' so tut, als würden sich die Untaten der 'Rapid Support Forces' in einer anderen Welt, ja in einem anderen Kosmos ereignen, ist aber wohl auch als erster Schritt eines möglichen Widerstands dagegen lesbar."
Das "Mediendienste-Investitionsverpflichtungs-Gesetz" kommt, weiß Helmut Hartung in der FAZ, ihm liegt der viel diskutierte Gesetzesentwurf vor: Es "besteht für in- und ausländische Unternehmen, die audiovisuelle Mediendienste auf Abruf in Deutschland anbieten, die Pflicht, achtProzent des in Deutschland erzielten Nettoumsatzes, beziehungsweise des auf die Mediatheken entfallenden Programmetats, in hiesige Produktionen zu stecken. ARD und ZDF sind von dieser Zwangsvorgabe ebenso betroffen wie Amazon, Netflix oder Disney+. Bemessungsgrundlage ist der jeweilige Vorjahresnettoumsatz. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sind die Programmkosten des Vorjahres inklusive Ausstrahlungskosten maßgebend." Auch Vorgaben zum Inhalt und zu Rechterückbehalten und zum Rechterückfall gebe es. Sender und Plattformen sind nicht begeistert, so Hartung, zudem entstünden durch nun nötige Kontrollen durch die Filmförderungsanstalt zusätzliche Kosten von über einer Million Euro.
Weitere Artikel: Isabelle Huppert plaudert im Interview mit dem Tagesspiegel über ihren neuen Film "Die reichste Frau der Welt", in dem sie die Milliardärin Liliane Bettencourt spielt. "Perfekt deplatziert" findet Jörg Thomann in seinem FAS-Porträt den Schauspieler MerlinSandmeyer im aktuellen deutschen Film - er spielt mit Vorliebe verschrobene Außenseiter wie den Ladendetektiv Jonas Schulze in der Serie "Die Discounter", im Herbst läuft "Emil und die Detektive" mit ihm als Bösewicht an. Zum nahenden Kinostart von "Der Teufel trägt Prada 2" schaut sich Karen Krüger für die FAS in Mailand um, wo ein Teil des Films gedreht wurde. Ebenfalls in der FAS berichtet Anke Schipp vom Dreh. Jannis Holl schaut sich vor dem Kinostart nochmal den ersten Teil für die FAZ an. Christoph Becker empfiehlt in der FASMstyslav Tschernovs Dokumentation "2000 Meter bis Andriiwka" über den Kriegsalltag der ukrainischen Armee, die in der ZDF-Mediathek zu finden ist.
Besprochen werden außerdem "Rose" von Markus Schreiner mit Sandra Hüller (WAMS) und "Gegen die Zeit", die vorletzte Ausgabe des Wiener Tatorts (FAZ, Spiegel, NZZ, FR).
Einen "Safe Space für Ästhetik" und "einen freien Spielraum für Filmemacher" wünscht sich Rüdiger Suchsland (Artechock) für die Filmkunst anlässlich des Kongresses "Zukunft Deutscher Film", der kommende Woche in Frankfurt stattfindet. "Für alles gibt es Listen zum Abhaken und Vorschriften in der deutschen Filmbürokratie: Greenshooting, GleichstellungundDiversität. Aber von Ästhetik redet fast niemand. Denn sie ist am schwersten zu fassen und lässt sich nicht in Listen und Regularien objektiv festhalten. ... In einer Zeit, in der auf den ersten Blick der Kunst alles erlaubt zu sein scheint, müssen wir fragen, ob und wo im Kino die Radikalität und Provokationskraft eines Fassbinder oder Schlingensief überhaupt noch möglich ist. Oder sind ihr die Gegner ausgegangen? Zu debattieren ist auch, was Kunst heute im Kino überhaupt heißt. Vielleicht kann man die wilden Gesten der Vergangenheit ja nicht endlos weiterführen; vielleicht liegt Radikalität heute im Bewahren und sanfter Zivilität."
Weiteres: Michael Steingruber spricht für den Standard mit JodieFoster, die aktuell in "Paris Murder Mystery" (hier besprochen im Standard) im Kino zu sehen ist. Marcus Hladek blickt für die FR ins Programm des GoEast-Filmfestivalsin Frankfurt und Wiesbaden. Die Zürcher Filmemacherin JacquelineZünd führt mit ihren Filmen "Don't Let the Sun" und "Heat" an "Orte, an denen Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius den Alltag der Menschen bereits vollständig transformiert haben", berichtet Silvia Posavec in der NZZ. Und keine gute Nachricht: Die Anteilseigner von Warner haben laut Agenturmeldung der Fusion mit Paramount zugestimmt.
Besprochen werden ThierryKlifas "Die reichste Frau der Welt" mit IsabelleHuppert (Tsp-Kritiker Andreas Busche erblickt "ein treffendes Zeitbild über eine Klasse, in der Geld jegliche Moral ausgehöhlt hat"), KarimAïnouz' "Rosebush Pruning" (Welt, Artechock, unsere Kritik), Saïd Hamich Benlarbis "Zwischen uns das Meer" (Artechock), JoschaBongards "Babystar" (Artechock), SuzannahMirghanis "Cotton Queen" (Artechock) und SonjaMaria Kröners "Pferd am Stiel" (Artechock).
Viktor Orbáns Wahlniederlage wirkt sich auch auf den ungarischenFilm aus, schreibt Jörg Taszman im Filmdienst. So ist der frühere Regisseur und Orbán-Intimus CsabaKaél - an dem sich "gut festmachen lässt, wie eng Korruption und politische Vetternwirtschaft in Ungarn in den vergangenen 16 Jahren miteinander verflochten waren" - von seiner Position als Leiter des Nationalen Filminstituts sofort zurückgetreten. Dieses "zentralisierte die Filmförderung und unterstützte kaum noch kleinere ungarische Filme, die nicht in den Fidesz-Kanon passten". Und jetzt? "Ungarische Filmemacher wie Kristóf Déak, Benedek Fliegauf oder György Pálfi plädieren in offenen Briefen für eine Neuausrichtung der nationalen Filmförderung und einen Neuanfang. Unabhängige Gremien und Jurys sollen transparent entscheiden. Statt einer einzigen zentralen Förderinstitution soll es wieder mehrere Fördertöpfe geben."
Weitere Artikel: In der SZ porträtiert Andrej Schenk den russischen Lehrer PawelTalankin, der sich gegen Putins Auflagen zu einem nationalistischenSchulunterricht wehrte, deshalb ins Exil ging und als Protagonist des Dokumentarfilms "Ein Nobody gegen Putin" im März mit einem Oscar prämiert wurde. Tobias Sedlmaier plaudert in der NZZ mit Joe Dante, der für eine Retrospektive nach Zürich gekommen ist.
Besprochen werden Saïd Hamich Benlarbis "Zwischen uns das Meer" ("ein gut beobachtetes Drama über Freiheiten und die Schmerzen des Exils, vor allem aber ist der Film großesKinoglück", schwärmt Fabian Tietke im Perlentaucher), KarimAïnouz' Gesellschaftssatire "Rosebush Pruning" (Perlentaucher, critic.de, mehr zum Film bereits hier), ThierryKlifas "Die reichste Frau der Welt" mit Isabelle Huppert (taz, FAZ), die Wiederaufführung von BernhardSinkels "Lina Braake" aus dem Jahr 1975 (taz), AmazingAmezianes Comic-Biografie über StevenSpielberg (FD) und AntoineFuquas Biopic über MichaelJackson (FR, Standard, mehr dazu bereits hier). Außerdem werfen Tagesspiegel und Filmdienst einen Blick auf die wichtigsten Kinostarts der Woche.
Strahlemann ohne Abgründe: Jaafar Jackson, Michael Jacksons Neffe, spiel seinen Onkel Den Regisseur AntoineFuqua kennt man eher von seinen Actionfilm-Spektakeln, mit "Michael" legt er nun ein Biopic über MichaelJackson vor. Dass er die seit 1993 erhobenen Missbrauchsvorwürfe gegen den "King of Pop" darin großzügig ausspart, indem er den Film einfach 1988, auf dem Höhepunkt von Jacksons Ruhm, enden lässt, lässt die Filmkritiker aufschreien. Der Film ist "als Emanzipationsgeschichte gebaut und als Heiligenvita gefilmt", schreibt Kira Kramer in der FAZ. "Der Film kennt Staunen, aber keine Reibung. Er zeigt Verehrung in immer neuen Variationen, als könne man aus hysterischen Zuschauergesichtern schon Erkenntnis gewinnen." Das alles dürfte maßgeblich auf den Einfluss von Jacksons Manager und Nachlassverwalter John Branca zurückzuführen sein, schreibt Jens Balzer auf ZeitOnline. Branca "hat sich im Film ganz unbescheiden ein Denkmal gesetzt: als der Mann, der den geschundenen Kinderstar vom tyrannischen Vater erlöste".
Gerüchten zufolge soll dem Film wohl ein weiterer über Jacksons dunkle Seiten folgen, allein Ueli Bernays von der NZZ fehlt der Glaube angesichts des offensichtlichen Bestrebens der Nachlassverwalter, der Marke Jackson neues, tantiementrächtiges Leben einzuhauchen. Der vorliegende Film "erweist sich nun als seltsam sonnige Hälfte eines verschatteten Ganzen, von dem man nicht weiß, ob es jemals realisiert wird. Der fehlende Teil erzeugt vorläufig jedenfalls eine Art Phantomschmerz. Man hat gewissermassen den Eindruck, es werde einem Dr. Jekyll gezeigt und Mister Hyde vorenthalten."
Joachim Hentschel packt in der SZ das große Granteln: Der Film ist nichts als "ein Marken-Event. ... Ein gut zweistündiges, offenbar mehr als 150 Millionen Dollar teures Jackson-Image-Bewegtbild, ganz im kunsthandwerklichen Stil der berüchtigten Kabelfernseh- und Netflix-Wikipedia-Dramen. Der Stoff, den man in Hotels zum Einschlafen guckt, aber auf Leinwand hochgerechnet. Ein menschenfleischlichesFranchise, in dessen Ruhm sich jede Menge Leute sonnen." Weitere Besprechungen in Welt und Tagesspiegel.
Weitere Artikel: Daniel Gerhardt hebt auf ZeitOnline den Zeigefinger in Richtung der Produzenten der dritten Staffel der HBO-Serie "Euphoria", denen er bei der "Darstellung harter Realitäten" eine "Ästhetisierung und Sexualisierung von Gewalt und Herabwürdigung" vorwirft. In der FAZ gratuliert Maria Wiesner JohnWaters zum 80. Geburtstag. Besprochen werden SimonBaumanns "Wir Erben" (taz), die Arte-Serie "Reykjavík Fusion" (FAZ) und Massoud Bakshis Langzeit-Doku "All My Sisters" (Standard).
Eine schrecklich nette Familie: "Rosebush Pruning" von Karim Aïnouz (Mubi)
Mit KarimAïnouz' "Rosebush Pruning" kommt ein weiterer Vertreter jener Sorte Film ins Kino, die sich in immer exzessiveren Bildern ausmalt, welchen Dekadenzen, Perversionen und Egoismen sich die Reichen den lieben langen Tag hingeben. Der Film basiert auf einem italienischen Film der Sechziger, erklärt David Steinitz in der SZ. "Er mag in seinem deprimierendenNihilismus nicht ganz so konsequent und perfekt durchdacht sein wie beispielsweise die Werke des Großnihilisten Bret Easton Ellis. Aber er steht durchaus in der Tradition von Erzählungen wie 'American Psycho', in denen die Gegenwart ein letztes Aufbäumen der Dekadenz kurz vor dem Untergang ist." Allerdings weiß Aïnouz mit seinem blutrünstigen Bilderbogen wohl wenig anzufangen: "Die antibourgeoise Haltung der italienischen Originalvorlage, ihr sanfter Marxismus sind jedenfalls flöten gegangen. Wer aber stark ästhetisierte Eat-the-rich-Tragikomödien wie 'Saltburn' mag, deren tieferer Sinn es ist, keinen allzu tiefen Sinn zu haben, dürfte auch hier eine mehr als fidele Zeit verbringen."
Weiteres: Valerie Dirk porträtiert im Standard den österreichischen Dokumentarfilmemacher RichardLadkani, der eben einen Film über die indigene Aktivistin JumaXipaia gedreht hat. Tobias Sedlmaier spricht in der NZZ mit der Schweizer Regisseurin NataschaBeller über die Rahmenbedingungen von Dreharbeiten in der Schweiz. In der FAZ gratuliert Dietmar Dath ClaireDenis zum 80. Geburtstag. Marius Nobach schreibt im Filmdienst einen Nachruf auf die Schauspielerin NathalieBaye, die unter anderem für Truffaut vor der Kamera stand.
Besprochen werden JuliaRoeslers "Luisa" über sexuellen Missbrauch in einem Pflegeheim für Behinderte (taz), LeeCronins Horrorfilm "The Mummy" (Standard, unsere Kritik), die dritte Staffel der HBO-Serie "Euphoria" (NZZ) und die ZDF-Serie "Escort Boys" (FAZ).
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