Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.04.2026 - Film

Zahlreiche Festivals und Kinematheken im deutschsprachigen Raum zeigen derzeit iranisches Kino, auch Patrick Holzapfel (Filmdienst) registriert in sich angesichts des Kriegs einen Hunger nach Bildern aus der iranischen Filmgeschichte, um mehr über das Land zu erfahren - und reflektiert dann irgendwann den eigenen und den westlichen Blick auf dieses Kino: "Selbst in den besten Filmen sah ich Aufnahmen, die so wirkten, als wollten sie meinen unwissenden, von Klischees besetzten Annahmen über das Leben im Iran entsprechen. Ich wusste nicht immer, ob dieser Eindruck an mir oder an den Filmen lag. Ich vermag auch nicht zu sagen, ob diese Globalität der Kinosprache ein Wert dieser Kunstform ist oder nicht doch einer kapitalistischen Gleichschaltung der Formen geschuldet ist. Allein die Tatsache, dass ich mir aussuchen kann, diese Filme jetzt zu sehen, um so meine Freizeit zu gestalten, macht mich stutzig. Diejenigen, die belagert und beschossen werden, sind immer allein. Ihre Bilder zu betrachten, ist hilflos bis heuchlerisch. Aber mein Impuls war aufrichtig und vielleicht ist es auch der von Festivals und Kinematheken. Was suchen wir in diesen Filmen? Ich sah Menschen. Ich sah Landschaften. Ich sah Zeit, die vergeht und die still steht. Mir vermittelte sich ein Glauben an eine Moral, die den vorgegeben Gesetzen widerspricht."

Keine Erlösung auf der Leinwand: Sandra Hüller in "Rose" von Markus Schleinzer (Piffl Medien)

Im Standard spricht Valerie Dirk mit dem Regisseur Markus Schleinzer über sein Historiendrama "Rose", in dem Sandra Hüller zur Zeit des 30-jährigen Krieges eine Frau spielt, die sich in Männerkleidung durchschlägt, zu Wohlstand kommt, dann aber doch auffliegt und vor dem Gericht landet. Auf der Berlinale wurde Hüller dafür mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. An Happy-Ends ist er nicht interessiert, sagt der Regisseur, "weil das nicht meinem Weltbild entspricht. Wenn ich Bücher lese oder mir Filme ansehe, die ein vermeintliches Happy End haben, dann mobilisiere ich mich nicht. Filme, Texte, Kunst, Dinge, die mich wütend machen, die verleiten mich eher dazu, die Ärmel aufzukrempeln und zu sagen: Gut, was kann man machen? Ich wünsche mir, dass Erlösung etwas ist, das wir im Alltag, im Zusammenleben erfahren und weniger auf der Leinwand."

Weiteres: Nicolas Basse erinnert in der taz an die Schauspielerin Ruth Albu, die um 1930 in thematisch teils kontroversen Sittenfilmen mitspielte, dann aber vor den Nazis fliehen musste und heute in Berlin so gut wie vergessen ist. Jakob Thaller berichtet im Standard, wie das Wiener Traditionskino Bellaria gerettet werden konnte. Die Agenturen melden, dass die französische Schauspielerin Nathalie Baye im Alter von 77 Jahren gestorben ist. Besprochen werden die Apple-Serie "Only Margo" mit Elle Fanning, Michelle Pfeiffer und Nicole Kidman ("eine der liebenswertesten Serien der jüngeren Zeit", schwärmt Andreas Busche im Tagesspiegel) und Rebecca Zlotowskis "Paris Murder Mystery" mit Jodie Foster (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.04.2026 - Film

Isabelle Huppert, die Verkörperung der Grande Nation (Neue Visionen)

In Thierry Klifas "Die reichste Frau der Welt" spielt Isabelle Huppert die Titelheldin - eine obendrein noch sehr schöne und machtbewusste Industrielle, die in die Fänge eines Erbschleichers gerät. Das "satirische Kolportagedrama" interessiert Bert Rebhandl in der FAS vor allem insofern, da sich von Hupperts Darstellung französischen Geldadels aus vor allem zu allgemeinen Beobachtungen über "das Geheimnis von Isabelle Huppert" kommen lässt: "Sie weiß genau, wie man 'sich trägt', als Verkörperung einer freien Nation, die das, was früher Stand war, in ein Selbstbewusstsein überführt hat, das sich seine Rahmenbedingungen frei wählt. ... Die Rolle der Marianne Farrère ist deswegen von besonderem Interesse für Huppert, weil sich in ihr die lange (und problematische) Geschichte der Grande Nation so deutlich zeigt: eine Frau, die als Erbin auch einer Geschichte des Antisemitismus, der Kollaboration mit dem Faschismus, zutiefst angreifbar ist, die das aber längst versiegelt hat. ... Wenn das revolutionäre Frankreich jemals eine Königin suchen würde: Isabelle Huppert wäre eine natürliche Wahl." Für die SZ bespricht Susan Vahabzadeh den Film.

Außerdem: Josef Schnelle erzählt im Filmdienst von seinem Besuch in der Marilyn-Monroe-Ausstellung in der Cinémathèque Française. Besprochen wird Christian Freis Dokumentarfilm "Blame" über Wissenschaftsfeindlichkeit im Zuge der Corona-Pandemie (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.04.2026 - Film

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Ausgerechnet im Absolutismus herrschten oft "optimale Bedingungen" dafür, dass der "einzelne genial begabte Künstler die Möglichkeiten seines Schaffens" bestens ausnutzen konnte, auch ohne Furcht vor Sanktionen, nimmt Rüdiger Suchsland in seiner Artechock-Kolumne als Erkenntnis aus Martin Warnkes neuaufgelegter Studie "Hofkünstler  - Zur Vorgeschichte des modernen Künstlers" mit. Aber was ist dann mit der Demokratie? Zumindest in ihrer deutschen Variante walten die neofeudalen Gremien. "Was ist gesellschaftlich gewünscht? So ist öffentlich finanzierte Kunst bei uns heute undenkbar, die einer Revolution das Wort redet, den Klimawandel leugnet oder gar die demokratischen Institutionen kritisiert. Besonders deutlich wird das in der Filmkunst. Hier regieren durchaus selbstherrlich die immergleichen Menschen in den Entscheider-Gremien. ... Eine demokratische Form der Fürstenherrschaft. ... Was kann die Demokratie also tun, um ihren Gegnern keine Argumente zu liefern? Sie braucht mehr Mut zur künstlerischen Freiheit. Kunst muss irritieren und provozieren, sie darf die Mehrheit der Bürger ärgern. Demokratische Kunst ist gerade kein Diener des Staates."

Weiteres: Ingrid Weidner empfiehlt auf Artechock die 37. Türkischen Filmtage in München. Elke Eckert wirft für Artechock ein Blick ins Programm der Münchner Filmreihe "Mediterraneo" In Brooklyn hat die Filme- und Serienmacherin Lena Dunham aus ihren Memoiren vorgelesen, berichtet Ann-Kathrin Nezik in der SZ. Rüdiger Suchsland schreibt auf Artechock zum Tod von Mario Adorf (weitere Nachrufe bereits hier).

Besprochen werden Franz Müllers "Das Glück der Tüchtigen" (critic.de, Artechock, unsere Kritik hier), Lee Cronins Horrorfilm "The Mummy" (Perlentaucher), Quentin Tarantinos Viereinhalb-Stunden-Cut seines einstigen Zweiteilers "Kill Bill" (Artechock, Standard, FD), Anna Rollers Verfilmung von Leif Randts Roman "Allegro Pastell" (Artechock, SZ, mehr zum Film bereits hier), Rebecca Zlotowskis "Paris Murder Mystery" (critic.de, SZ), Ben Wheatleys Actionkomödie "Normal" (Artechock, FAZ), Adrian Goigingers "Vier minus drei" (Artechock) und Michael Baumanns "Missing*Link" (Artechock).
Stichwörter: Filmförderung

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.04.2026 - Film

Darf ich Ihnen das Du anbieten? "Das Glück der Tüchtigen" von Franz Müller

Kamil Moll zeigt im Perlentaucher viel Freude an Franz Müllers Komödie "Das Glück der Tüchtigen" über "Liebe und Zusammengehörigkeit" in Beziehungen und Familien unter den Bedingungen des Spätkapitalismus. "Im gegenwärtigen deutschsprachigen Komödienkino sind die Filme Franz Müllers schon seit Jahren solitär", sein "Humor speist sich aus dezent ineinandergreifender Beobachtungsakribie und sprachlicher Präzision: Wann drehte sich zuletzt schon ein deutscher Film um den spezifisch teutonischen Unterschied zwischen Siezen (das Ausdruck von neckischer Neugierigkeit und Flirt sein kann) und Duzen (das zum Druckmittel wird, wenn es top-down festgelegt wurde)? ... In einem beschwingten, unaufdringlichen Komödienton zeigt 'Das Glück der Tüchtigen', dass es für ein als gelungen empfundenes Leben mehr bedarf als nur Betriebsamkeit." Für die FR bespricht Daniel Kothenschulte den Film.

Das absolute Damals: "Allegro Pastell" von Anna Roller

Anna Rollers gleichnamige Verfilmung von Leif Randts Roman "Allegro Pastell" auf Grundlage eines Drehbuchs des Schriftstellers wirkt auf NZZ-Kritiker Jens Balkenborg "seltsam aus der Zeit gefallen", weil die Welt der sich nicht festlegend wollenden Millennials aus dem Jahr 2018 eine Pandemie und einen russischen Angriffskrieg später kaum mehr zugänglich und zeitgenössisch wirke. "Jenes Gefühl des 'absoluten Jetzt' des Romans gerinnt in Rollers Verfilmung zu waschechter Nostalgie. Der Film ist, was Jerome tunlichst vermeiden will: ein Blick in eine gar nicht allzu fern zurückliegende Vergangenheit, mehr: in eine andere Welt. ... Diese Millennial-Version des so klassischen wie universellen Verliebte-verpassen-sich-irgendwie-Topos lässt in ihrer Distanziertheit und gutbürgerlichen Leere lange kalt", liefert aber immerhin durch seine Optik "das schön gefilmte absolute Damals". Für den Filmdienst hat Kamil Moll mit Leif Randt gesprochen.

Katja Nicodemus spricht mit Isabelle Huppert in der Zeit über die aktuellen Filme der französischen Schauspielerin und über deren Urgroßmutter, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Paris eine angesehene Modemacherin war. Dass Huppert mit allen dreht, die im Rahmen des internationalen Autorenkinos Rang und Namen haben, hat mit ihrer persönlichen Neigung zu tun, sagt sie: "Was diese Autorinnen und Regisseure verbindet, ist Intelligenz, Radikalität in der Ästhetik. Wahrhaftigkeit in der Emotion. Wir sprechen hier von Künstlern, die keine Konzessionen machen. So wie auch der koreanische Regisseur Hong Sang-soo, der für mich einer der ganz Großen ist. ... Es war nicht besonders wahrscheinlich, dass ich in meinem Leben mit Hong Sang-soo Filme machen würde. Und das Schöne ist, dass sein Kino genau das feiert: die Macht der Begegnung und des Zufalls."

Weiteres: In der FR empfiehlt Daniel Kothenschulte die Frankfurter Filmreihe "Pink Moments" mit Beiträgen aus der queeren Filmgeschichte. Der Regisseur Dominik Graf erinnert sich in der Zeit an Kindheitsmomente mit Mario Adorf. Valerie Dirk empfiehlt im Standard das Wiener Festival Cine Latino.

Besprochen werden Ben Wheatleys Actionkomödie "Normal" ("beeindruckend unterhaltsam", schreibt Fabian Tietke in der taz), Christian Freis Dokumentarfilm "Blame" über Corona-Verschwörungsthesen (taz), Douglas Wolfspergers Dokumentarfilm "Denn dieses Leben lebst nur du" über queere Menschen auf dem bayerischen Land (Tsp), Adrian Goigingers "Vier minus drei" (SZ), die DVD-Ausgabe von Herbert Ross' Krimikomödie "The Last of Sheila" von 1973 (taz), Peter Farrellys auf Amazon gezeigte Komödie "Balls Up" mit Mark Wahlberg und Sacha Baron Cohen (SZ), die von den Duffer Brothers co-produzierte Netflix-Horrorserie "Something Very Bad Is Going to Happen" (SZ) und Alberto Meronis Tessiner Komödie "Frontaliers Sabotage" (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.04.2026 - Film

Das weibliche Gesicht der Gen Z: Zendaya in The Drama

2026 ist das Jahr von Zendaya, schreibt Tobias Sedlmaier in der NZZ. Gerade lief das kontrovers diskutierte Arthaus-Beziehungsdrama "The Drama" mit ihr an, später im Jahr folgen mit Denis Villeneuves "Dune 3" und Christopher Nolans "The Odyssey" zwei oscarschwere Autorenfilm-Blockbuster, die langerwartete dritte Staffel von "Euphoria" ist auch eben angelaufen und als "das weibliche Gesicht der Gen Z" gilt sie eh seit paar Jahren. Mit einigem Geschick ist es ihr gelungen, sich vom Kinderstar-Image zu emanzipieren, ohne in die Absturz-Falle zu tappen: "Stattdessen überzeugte sie mit einer strategisch-ehrgeizigen Rollenwahl - und immensem Talent. Trotz ihrer jugendlichen Ausstrahlung ist Zendaya eine überraschend reife Darstellerin, die zwischen Zerbrechlichkeit, Intensität und Stärke changiert und auch die Abgründe nicht scheut. Mit einem Gesicht, in dem sich in jeder Szene etwas Neues spiegeln kann: Wut, Schmerz, Freude flackern ebenso schnell auf, wie sie wieder verschwinden können. Als Schauspielerin kann Zendaya ein wandelndes Enigma sein. In ihrer Karriereplanung weiss sie jedoch exakt, wohin sie geht."

Weiteres: Marian Wilhelm stimmt im Standard auf das Porn Film Festival in Wien ein. Tilman Spreckelsen meldet in der FAZ, dass in den Beständen eines Wanderkinobetreibers in den USA mit "Gugusse et l'Automate" ein bislang verschollen geglaubter Film des Effektekino-Pioniers Georges Méliès aufgetaucht ist, den die Library of Congress nun restauriert hat.



Besprochen werden Adrian Goigingers "Vier minus drei" (Tsp, Welt), Rebecca Zlotowskis "Paris Murder Mystery" mit Jodie Foster (Tsp), Ben Wheatleys Actionfilm "Normal" (Standard), Carla Simóns "Romería" (NZZ, unsere Kritik) und Anna Rollers gleichnamige Verfilmung von Leif Randts Roman "Allegro Pastell" (FAZ).
Stichwörter: Zendaya

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.04.2026 - Film

Mit einer Retrospektive der Filme von Hara Kazuo legt die Dokumentarfilmwoche Hamburg das Augenmerk auf eine rigoros subjektive Position, "die in ihrer kompromisslosen Radikalität mit nichts davor Gesehenem zu vergleichen war", schreibt Wilfried Hippen in der taz. So etwa in "The Emperor's Naked Army Marches On" (1987), ein damals auch im Berlinale-Forum gezeigtes Porträt des früheren Soldaten Kenzo Okuzaki, der im Zweiten Weltkrieg einer vom japanischen Kaiser rigoros verheizten Einheit angehörte und sich später "zum militanten Anti-Establishment-Aktivisten" wandelte, der auch vor einem Attentat nicht zurückschreckte. "Mitte der 1980er Jahre begann diese Ein-Mann-Armee eine neue Kampagne, in der Kenzō die Kriegsverbrechen damaliger japanischer Offiziere an den eigenen Soldaten aufdecken wollte. ... Okuzaki besuchte zusammen mit Angehörigen der Opfer diese Offiziere und Mitglieder der Erschießungskommandos und drängte sie zum Teil mit Gewalt dazu, ihre Verbrechen zu gestehen. Zwei Filmstunden lang folgt Hara Kazuo dem Kriegsveteranen und zeigt dabei zutiefst verstörende Aufnahmen, etwa wie dieser einen über 70-jährigen Schwerkranken mit Fußtritten malträtiert. Der Filmemacher enthält sich dabei in Bildwahl und Montage jeder Wertung und erzeugt so ein tiefes Unbehagen, das noch um ein Vielfaches verstärkt wird, wenn die alten Kameraden zu reden beginnen." Mehr zum Film in dieser ausführlichen Besprechung auf Cineaste.

Rebecca Zlotowski erklärt im taz-Interview mit Arabella Wintermayr, warum sie bei ihrer (mit Jodie Foster prominent besetzte) französischen Krimikomödie "Paris Murder Mystery" für eine Sequenz auf Experimente mit Künstlicher Intelligenz zurückgegriffen hat. "Der Impuls kam aus einem Artikel über ein Studio, das künstliche Erinnerungen erzeugt - etwa für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und keine Bilder aus ihrer Vergangenheit haben, oder für Alzheimer-Patienten, bei denen kleine visuelle Impulse Erinnerungen anstoßen können. Diese Idee hat mich sehr bewegt: dass ein 'künstliches' Werkzeug etwas so Intimes wie unser Unterbewusstsein berühren kann. Gleichzeitig erzeugt diese Technologie ja noch keine perfekten Bilder - im Gegenteil, sie sind oft fragmentiert, fast kubistisch, ein wenig wie bei Pablo Picasso oder Francis Picabia."

Weiteres: Die französischen Zeitungen diskutieren hitzig über Xavier Giannolis Film "Strahlen und Schatten", der von der Kollaboration während des Zweiten Weltkriegs erzählt, berichtet Marc Zitzmann in der FAZ: Kern des Aufregers ist dabei die in dem Film wohl nur ungenügend widersprochene These, dass "Antifaschisten die eigentlichen Faschisten sind" - eine Position, die auch die radikale Rechte Frankreichs und ihre Verbündeten am Rand des bürgerlichen Lagers aus einschlägigen Interessen derzeit in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit trägt. Susanne Gietl führt im Filmdienst durch das Werk des österreichischen Filmemachers Adrian Goiginger. Indien trauert um Asha Bhosle, die Stimme Bollywoods, berichtet Natalie Mayroth in der taz (mehr zu Bhosles Tod bereits hier). Besprochen wird Ugo Bienvenus französischer Animationsfilm "Arco" (Standard, mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.04.2026 - Film

Die Stimme Bollywoods ist verstummt: Asha Bhosle ist gestern im Alter von 92 Jahren gestorben. Bekanntlich singen die Stars in Bollywood in den Musicalszenen ja nicht selbst - und Bhosle war die weibliche Stimme schlechthin. Über 12.000 Songs soll sie in ihrer viele Jahrzehnte umfassenden Karriere aufgenommen haben. "Ihre Abwesenheit ist schwer zu beschreiben, denn diese Ikone gehörte nie nur einer einzigen Ära an", schreibt Sakshi Salil Chavan auf Outlook India. "Ihre Stimme konnte auf je leichte Weise flirten, ächzen, provozieren und trösten. Generationen haben sie als ihre eigene beansprucht: von den Liebhabern des Schwarzweißkinos bis zu den Zuhörern im Streaming-Zeitalter. Es gibt nur sehr wenige Künstler, deren Arbeit sich weiterhin so zeitgenössisch und präsent anfühlt und Bhosle gehörte in diese seltene Kategorie."

Aishani Biswas führt auf Outlook India anhand ausgewählter Beispiele durch Bhosles Karriere. Mit diesem Stück von 1971 etwa wurde sie "zur Stimme der Rebellion":



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Am besten liest man die im Band "Berufung: Kritiker" versammelten Texte des 2021 verstorbenen Filmkritikers Hans Schifferle wohl wirklich auf einem Roadtrip durch die USA, schreibt Lukas Foerster auf critic.de - und hat kurzerhand genau das getan. Während er Phoenix, Arizona, Las Vegas, Malls und andere genuin amerikanische Orte besucht, offenbart sich ihm Schifferle, der letzte Rock'n'Roller der Filmkritik, der für die SZ genauso schrieb wie für Underground-Zeitschriften, als ein Vertreter der rettenden Kritik: "Das Kino, das ist bei Schifferle und seiner Generation der vor allem Münchener (aber wie ich von Mannes' dichtem, geschickt insbesondere die filmkritikhistorischen Kontexte des Schaffens Schifferles erschließendem Vorwort gelernt habe, teils auch Kölner) Filmkritik stets stark von Hollywood her gedacht. Hollywood nicht als kulturindustrielle Hegemonialmacht freilich, die 'unser Unterbewusstsein kolonialisiert' (Wim Wenders), sondern als, wie es in einem Text über Bill Condons James-Whale-Biopic 'Gods and Monsters heißt, 'eine surrealistische american beauty, die zwischen Kino und Wirklichkeit liegt, zwischen Erinnerung und Begehren'. In eben diesem Sinne sind die USA immer noch mehr Kino als jedes andere Land der Welt."

Weiteres: Martin Dahms porträtiert in der FR den spanischen Regisseur Santiago Segura, der in seiner Heimat mit seinen Komödien über den tollpatschigen Ermittler Torrente die Massen ins Kino lockt, im Ausland aber weitgehend unbekannt ist. Besprochen werden Olivier Assayas' "Der Magier im Kreml" (Tsp, unsere Kritik), Jonah Hills auf Apple gezeigter Film "Outcome" (SZ) sowie ARD- und Arte-Dokus zum 40. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.04.2026 - Film

Volker Schlöndorff (SZ), Josef Schnelle (Filmdienst) und Hanns-Georg Rodek (Welt) schreiben Nachrufe auf Mario Adorf (weitere Nachrufe hier). Im Standard empfiehlt Bert Rebhandl die Claire-Denis-Retrospektive im Filmarchiv Austria in Wien. Und Dlf Kultur hat eine "Lange Nacht" über Alexander Kluge von 2010 wieder online gestellt.

Besprochen werden Anna Rollers Adaption von Leif Randts Roman "Allegro Pastell" (FAS), Barbara Pachl-Eberharts "Vier minus drei" (FAS) und John Patton Fords "How to Make a Killing" (SZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.04.2026 - Film

Mario Adorf, 2011 (Bild: Siebbi, CC BY-SA 3.0)
Die Feuilletons trauern um den großen Mario Adorf. "Ein deutsches Boomerleben ist nicht möglich, ohne diesen Schauspieler in vielen, in sehr vielen Rollen gesehen zu haben", versichert Gunda Bartels im Tagesspiegel: "Kraft, Naivität, Körper, Klugheit, Komik. Mit diesen Eigenschaften bleibt Mario Adorf lange eine singuläre Erscheinung im bundesdeutschen Kino und Fernsehen." Und was für eine ungeheure Bandbreite sein Werk umfasst: Er spielte "kleine Banditen und große Bosse, Killer und Kommissare, den 'Führer des Faschismus', Benito Mussolini, und den Philosophen des Kommunismus, Karl Marx", schreibt Christine Dössel auf Seite Drei der SZ. "Rollen im Theater, im Fernsehen und im Kino, im europäischen wie in Hollywood. Er drehte mit Sam Peckinpah, Claude Chabrol und Billy Wilder, hatte Filmpartnerinnen wie Claudia Cardinale, Sophia Loren, Ursula Andress, Hildegard Knef. Er war einer der wenigen deutschen Schauspieler mit der Kompetenz und Aura eines Weltstars." 

Adorf war "die Seele und das Herz" des deutschen Films in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, beobachtet Daniel Kothenschulte in der FR. Ihm glückte es, "alle vermeintlichen Gegensätze der deutschen Filmgeschichte" zu überbrücken, vom Unterhaltungsfilm zum Neuen Deutschen Film bis hin zum Autoren-Fernsehen der Achtzigerjahre: "Das volle Haar, die dicken Augenbrauen, die markanten Schnurr- oder Vollbärte blieben dabei ein Markenzeichen seiner früh erwachsenen Männlichkeit, die er virtuos mit Ausdruck füllen konnte, wobei seine sonore, mit viel Luft versetzte Stimme oft bis unter die Haut zielte." Damit "holte er alle Zwischentöne aus seinen Figuren." Der "Augenblick der Schwäche" gehört zu den zentralen Aspekten in Adorfs Spiel, erklärt Georg Seeßlen auf ZeitOnline: "Es wäre eine Anthologie zusammenzustellen von Mario Adorfs schauspielerischen Essays über Panik, Verzweiflung und Ratlosigkeit. Über den inneren Zusammenbruch eines Männlichkeitsbildes." Adorf übernahm "mit Vorliebe die komplexen Figuren der Gegenspieler und Verlierer", schreibt Jenni Zylka in der taz. "Dabei bereicherte er sämtliche Charaktere um eine ihm eigene, haptische Menschlichkeit", in der sich "die Isolation und Verlorenheit des Ausgestoßenen" zeigt. Dabei "umgab ihn eine Aura aus eruptiver Kraft und kindlicher Naivität", erinnert sich eine wohlwollende Pamela Jahn in der NZZ

Von ziemlich eruptiver Kraft waren insbesondere Mario Adorfs in Deutschland kaum bekannte Ausflüge in den italienischen Kriminalfilm der Siebzigerjahre. Was er in "Der Mafia-Boss - Sie töten wie Schakale" (1972) ohne Stuntman, Netz und doppelten Boden abfeuerte, hat man selten gesehen (laut diesem immer noch sehr lesenswerten Gespräch im Film Comment hat er sich dabei drei Rippen gebrochen - man glaubt es sofort): 



Weitere Nachrufe in Welt, Standard und FAZ. NZZ und ZeitOnline bringen Bildstrecken.

Außerdem: Andreas Busche blickt für den Tagesspiegel auf die gestern bekannt gegebenen Wettbewerbsfilme in Cannes: Mit Valeska Grisebachs "Das geträumte Abenteuer" und Sandra Hüller (als Erika Mann!) in Paweł Pawlikowskis "Vaterland" ist diesmal auch eine kleine deutsche Delegation vertreten. Margret Köhler spricht für Artechock mit Olivier Assayas' über dessen neuen (im Perlentaucher und auf Artechock besprochenen) Film "Der Magier im Kreml". Im Standard spricht Valerie Dirk mit İlker Çatak über dessen Berlinale-Gewinner "Gelbe Briefe". Ella Rendtorff wirft für die taz einen Blick ins Programm des Human Right Film Festivals in Berlin. Lothar Müller berichtet in der SZ von der Beerdigung Alexander Kluges in Berlin auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof. Sonja Zekri (SZ) und Hubert Spiegel (FAZ) gratulieren dem Filmemacher Adolf Winkelmann zum 80. Geburtstag.

Besprochen werden die Wiederaufführung von Yüksel Yavuz' "Kleine Freiheit" aus dem Jahr 2003 (critic.de), Guillaume Cailleaus und Ben Russells Dokumentarfilm "Direct Action" (critic.de, Artechock), John Patton Fords "How to Make a Killing" (Artechock), Koen Mortirs "Skunk" (Artechock) und Oliver Hermanus' "The History of Sound" (critic.de, ArtechockSZ).
Stichwörter: Adorf, Mario

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.04.2026 - Film

Die tiefe Zukunft verspricht Hoffnung: "Arco" von Ugo Bienvenu

Ugo Bienvenus französischer Animationsfilm "Arco" über einen Jungen aus der tiefen Zukunft, der nach einer Zeitreise im späten 21. Jahrhundert landet, das kurz vor dem ökologischen Kollaps steht, begeistert nach der Academy, die den Film bereits für einen Oscar nominiert hatte, auch die Filmkritiker, die sich an die Filme des japanischen Großmeisters Hayao Miyazaki erinnert fühlen. "Schon durch die Lichtstimmung und die Offenheit der Räume verspricht die weiter entfernt liegende Zukunft Hoffnung", schreibt Stefan Stiletto im Filmdienst, "und wie bei Miyazaki traut sich auch Bienvenu, immer wieder poetische Szenen einzuflechten, die eine mögliche harmonische Koexistenz von Mensch und Umwelt zeigen". "Die plakative Zweidimensionalität des Formats wird ernst genommen", schreibt Dietmar Dath in der FAZ. "Tiefe ist hier keine Actionkulisse, sondern anziehende Eigenheit der Gedanken und Gefühle von Figuren. Deren Handlungshorizont heißt in 'Arco' zweimal 'Zukunft' - die Fernzukunft lockt, die Nahzukunft schillert dagegen eher böse am Bildrand, ein Flimmerskotom am Ende aller Optionen; die Kamera hat Migräne, die sich dem Publikum als psychologische Spannung mitteilt." tazler Alexander Kloß freut sich jetzt schon "auf Bienvenus nächstes Wunderwerk".

Kleine Gesten und Blicke: "Wanda" von und mit Barbara Loden

Im Perlentaucher schreibt Patrick Holzapfel über Barbara Lodens "Wanda", heute ein Klassiker des unabhängigen US-Films der Siebziger, der seinerzeit aber fast untergegangen wäre und langfristig auch nur anhand einer einzigen, zufällig aufgestöberten Filmkopie überliefert wurde. Jetzt kommt der Film über eine driftende Frau aus der Unterschicht, gespielt von Loden selbst, erstmals in die deutschen Kinos: "Es ist ein feministischer, ein humanistischer Aufschrei, der bei seinem ursprünglichen Release in den 1970er Jahren in den USA mitunter wütende Reaktionen hervorrief. Pauline Kael ... bezeichnete die Hauptfigur als 'ignorant slut' und spiegelte damit die Enttäuschung einer feministischen Generation, die andere Narrative für Frauen wollte. Tatsächlich ist diese Wanda ein Opfer. Sie ist eine ungebildete Frau, eine derjenigen, die schlecht ausgestattet ins Leben gestartet sind. Der Unterschied zu den Diskursfilmen, die heute mit feministischem Aufbegehren realisiert werden, besteht darin, dass Wanda ein Mensch ist und keine Figur. Sie soll nichts repräsentieren. Sie ist einfach nur. Sie präsentiert keine Lösungen. Da ist nur ein vages Bewusstsein für die Ungerechtigkeit ihrer Situation. Es drückt sich in einer Fluchtbewegung aus, in kleinen Gesten und Blicken."

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Außerdem: Für die SZ spricht Gabriela Herpell mit Olivier Assayas über dessen gleichnamige (in Filmdienst und Welt besprochene) Verfilmung von Giuliano da Empolis Roman "Der Magier im Kreml", an dem den Regisseur gar nicht so sehr "die Geschichte Wladimir Putins und die Geschichte des postsowjetischen Russlands" interessiert hat, sondern "die Reflexion über Macht. ... Da hat jemand wirklich begriffen, wie Propaganda heute funktioniert." Elmar Krekeler porträtiert in der Welt den Schauspieler Eren M. Güvercin. Der Besuch der Kölner Ausstellung mit Arbeiten der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama lohnt sich auch für Filmfreunde, schreibt Daniel Kothenschulte im Filmdienst, denn dort zu sehen ist mit dem 23-minütigen Film "Kusama's Self-Obliteration" auch "eines der bedeutendsten Filmdokumente über Kusamas US-amerikanische Schaffenszeit", über dessen nicht restfrei geklärte Urheberschaft - zugeschrieben wird der Film dem Experimentalfilmer Jud Yalkut - sich der Filmkritiker sehr viele Gedanken macht.

Besprochen werden Oliver Hermanus' "The History of Sound", der 2025 schon in Cannes für Aufsehen sorgte (FR, Zeit Online), Julia Ducournaus "Alpha" (Standard, unsere Kritik) und "All We Ever Wanted" der Debüt-Langfilm des einstigen Kritikers Frédéric Jaeger (Filmdienst).