Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.04.2025 - Kunst

Artur Riedel: Frau mit Wasserball, 1932. Sammlung Suter, Basel.

Im Chemnitzer Museum Gunzenhauser gibt es derzeit mit "European Realities" eine Ausstellung von "Weltrang" zu sehen, verspricht Andreas Platthaus (FAZ), der gleich 190 Künstler des Realismus' aus 22 Ländern kennenlernt, die auf je ganz eigene Weise auf die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zwanziger- und Dreißigerjahre reagierten. Wer kennt etwa den im Spanischen Bürgerkrieg exekutierten Maler Torsten Jovinge oder den in einem stalinistischen Schauprozess in Tiflis erschossenen Maler Romans Suta? Zu sehen ist hier aber auch, wie in den Dreißigerjahren der künstlerische Realismus dann in jene "idealisierende Darstellungsform" kippte, "die Nationalsozialisten wie Kommunisten gleichermaßen begeistern sollte, exemplarisch vorgeführt an Gerhard Keils 'Turnerinnen' von 1939. Wenn mit Ernst Nepos Porträt einer vierköpfigen Musterfamilie das 1929 gemalte Werk eines später federführenden österreichischen NS-Kunstfunktionärs neben den malgestisch ähnlichen 'Drei Kindern' (1926) des als 'entartet' gebrandmarkten und trotzdem von Rudolf Heß geschätzten Georg Schrimpf hängt, ist das eine jener Konstellationen, die der Chemnitzer Ausstellung besonderen Reiz verleihen."

Vor fünfzehn Jahren wurde der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi verhaftet, der heute bestens von eigenen Werken leben kann. Anlass für das FAS-Feuilleton, auf sieben Seiten über Original und Fälschung nachzudenken: Jonathan Guggenberger lässt sich von Liz Haas und Luzius Bernhard vom Kunst-Team UBERMORGEN und der Silicon-Valley-Aussteigerin und Netzkünstlerin Gretchen Andrew erklären, wie subversiv heute noch die absichtliche Verwischung von Original und Fake sein kann: "Online ist es supereinfach, mit Kopien oder Fälschungen zu täuschen", sagt Andrew. "Interessanter ist es aber, Kunst zu machen, die Systeme untergräbt, Technologie herausfordert. In meiner Arbeit richtet sich der Witz auf das System selbst, nicht auf einzelne Personen. Frühe Netzkunst tendierte dazu, das Publikum in die Irre zu führen, aber das Irritieren von Systemen - wie das der Kunstwelt oder die, die definieren, was ein Original ist - ist viel mächtiger."

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Außerdem: Der Kunsthistoriker Peter Geimer erinnert an die Fälschungen des Niederländers Han van Meegeren, der seit den 1930ern sieben falsche Vermeers, darunter eines an Hermann Göring, verkaufte. Anhand des "Handbuchs für Kunstfälscher" des Malers und Kunstfälschers Eric Hebborn erklärt Geimer, wie die perfekte Fälschung selbst Kunsthistoriker täuscht. Niklas Maak fragt sich im Aufmacher, was der Kunstmarkt eigentlich angesichts rapide wachsender Fälschungen tut. Mark Siemons überlegt mit Theorien von Hans-Ulrich Gumbrecht, Markus Gabriel und Peter Sloterdijk, wie aus Fälschungen Kunst wird. Tobias Rüther erinnert daran, wie Wolfgang Herrndorf als Maler, der vor allem alte Meister imitierte, scheiterte. Laura Helena Wurth besucht das Berliner Rathgen-Forschungslabor, das älteste Museumslabor der Welt, das Bilder auf ihre Echtheit prüft. Der Medienwissenschaftler Roland Meyer beschreibt die Enteignung der Künstler durch KI, die gleichzeitig dazu dient, Geschichte umzuschreiben (mehr in 9p).

Weitere Artikel: Nie gab es eine Ausstellung mit Bildern des jüdischen Malers Frank Auerbach, der als Kind vor dem Holocaust von Berlin nach London fliehen konnte, in seiner Geburtsstadt zu sehen. Die Galerie Michael Werner widmet Auerbach nun eine erste Ausstellung in Berlin, an der der im vergangenen Jahr im Alter von 93 Jahren gestorbene Maler noch mitwirkte, wie Max Dax im Welt-Gespräch mit dessen Biografin Catherine Lampert erfährt: "Nachdem er Reisen nach Deutschland jahrzehntelang vermieden hatte, war Frank von der Idee regelrecht begeistert, mit 93 Jahren ein erstes Mal in seiner Heimatstadt auszustellen." Für den Tagesspiegel wirft Christiane Meixner einen Blick auf das kommender Berliner Gallery Weekend.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.04.2025 - Kunst

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Der britische Turner-Preisträger Antony Gormley ist vor allem für seine monumentalen Skulpturen bekannt, aber auch sein Frühwerk, das der Londoner White Cube derzeit in der Ausstellung "Witness is at" zeigt, ist beunruhigend aktuell, meint Eddy Frankel im Guardian, die hier zwischen Erbsen, Bananen und Granaten aus Blei auch die frühen körperförmigen Statuen betrachtet: "Eine liegt mit dem Gesicht nach unten und gespreizten Beinen auf dem kalten Beton, eine andere zieht die Knie an die Brust und vergräbt den Kopf in den Armen. Bei der größten, einer schreitenden Figur in der Mitte des Raums, wurde der Kopf gegen ein riesiges, 5 m langes Gebäude ausgetauscht. Jedes Werk ist aus Blei, und die Schweißnähte wirken wie riesige Narben auf ihren Körpern. (...) Es sind Werke, die von tiefer Angst und Paranoia geprägt sind. Das Blei, das das Fleisch dieser Körper ersetzt hat, ist das Material des Krieges. Sie sind jetzt menschliche Munition, Kugeln, die darauf warten, abgefeuert zu werden, Schilde, die bereit sind, geopfert zu werden. Sie kauern in Angst oder liegen auf dem Bauch und warten auf ihre unvermeidliche Vernichtung."

Weitere Artikel: Wo bleibt hierzulande eine große Überblicksausstellung zum "Novecento", jener der Neuen Sachlichkeit nahe stehenden Künstlergruppe, die sich 1923 in Italien gegründet hatte, fragt sich Bernhard Schulz im Tagesspiegel. Immerhin der Mailänder Palazzo Reale richtet einem ihrer Vertreter, dem Maler Felice Casorati, nun eine Schau aus, dessen Bildnisse in ihrer "monumentalen Darstellung weit über das neusachliche Ideal des Berufsmenschen hinausgehen", so Schulz. Ingeborg Ruthe macht sich in der FR Gedanken, wer für das Kanzlerinnen-Porträt von Angela Merkel in Frage käme: "Rosemarie Trockel, Conny Maier, Corrine Wasmuth? (…) Es fallen Künstlernamen aus der ostdeutschen Hemisphäre: Neo Rauch? Oder Rosa Loy, Angela Hampel, Cornelia Schleime, Doris Ziegler? Es gebe viele gute Malerinnen, so Merkel im Radio."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.04.2025 - Kunst

Bild: Cathrin Hoffmann, Our Bodies Know, 2025, Öl auf Leinen, 190 x 180 cm

Mit Céline Ducrot und Cathrin Hoffmann gibt es in der Ausstellung "Hardest Kind of Soft" in der Kunsthalle Gießen gleich zwei aufstrebende Malerinnen zu entdecken, die sich der Digitalisierung widmen, freut sich Florian Heimhilcher in der FAZ. Ihm gefällt vor allem die Kontrastierung von Ducrots überwiegend grauen, hyperrealistischen Bildern isolierter Frauen im Handylicht mit Hoffmanns surrealistisch-amorphen Figuren: "Die deutschiranische Künstlerin platziert in ihren fließenden Formen stellenweise Lippen, eine Nase oder ein Auge, die darüber informieren, dass es sich hier einmal um Menschen gehandelt haben könnte. So denkt Cathrin Hoffmann, wie Céline Ducrot, die Implikationen des digitalen Zeitalters, des 'Posthumanismus', konsequent zu Ende. In ihrer Bildsprache sind das zumeist rötlich kolorierte Wesen, die in einem Widerspiel von Horror und surrealer Groteske um die Aufmerksamkeit der Betrachter buhlen. Vergeblich versuchen sie zu gefallen, indem sie gestisch all ihre eigenartigen Körperformen präsentieren. … Dass ihre Figuren trotz aller Irrealität weiblich sind, enthält die traurige Prognose, dass selbst im digitalen Posthumanismus Frauen den männlich geprägten Blickregimen unterworfen bleiben."

Wappnet euch, ruft uns Marc Hoch in der SZ zu, denn die Fotografien der Amerikanerin Francesca Woodman, die 1981 im Alter von nur 22 Jahren Suizid beging, drohen die Betrachter in ihrer physischen Sogkraft zu verschlingen. Achtzig ihrer Arbeiten stellt die Wiener Albertina nun aus und Hoch versucht, sich nicht von der "rohen Explizitheit" der vielen nackten Selbstporträts ablenken zu lassen, ging es Woodman doch um viel mehr als um "Selbstdarstellung": "Sie durchschaute den voyeuristischen Blick von Männern und machte in ihren Fotos die Betrachtung des weiblichen Körpers als ein Fetisch-Objekt zum Thema - etwa, wenn sie sich wie ein zum Verzehr bestimmtes Lebensmittel in ein Küchenregal legte. Wenn sie ihren Körper mit Wäscheklammern traktierte, um auf diese Weise den erotischen Blick zu entlarven, oder wenn sie sich selbst in eine Museumsvitrine presste, aufgenommen in einer wieder abschüssigen Perspektive. Da thematisierte sie wie in der 'House'-Serie das Gefangensein der Frau in einer jahrtausendealten Blick-und-Rollentradition."

Weitere Artikel: Die Zeit erscheint heute mit einer "Zeit-Kunst-Sonderausgabe" und die sieht so aus: Flankiert von acht ganzseitigen Werbeanzeigen wird zum Thema "Das bin auch ich" jeweils ein ebenfalls ganzseitiges - bisher nicht gezeigtes - Bild von Elizabeth Peyton, Rineke Dijkstra, Yayoi Kusama, Tyler Mitchell und Günter Uecker gedruckt, letzterer wird zudem von Florian Illies und Giovanni di Lorenzo in seinem Düsseldorfer Atelier besucht, wo der 95-jährige über seine Kindheit im Krieg, seine Jugend in der DDR, Spiritualität und den Urgrund seiner Kunst aus Nägeln spricht. Für die taz spricht Hilka Dirks mit Mitgliedern des Berliner Aktionsraums Spoiler über das Berliner Sellerie Weekend, das als Plattform für die Off-Kunstszene dienen soll. In der FAZ schreibt Nikolaus Bernau den Nachruf auf die Berliner Galeristin Kristin Feireiss, die mit der Berliner Galerie Aedes das zeitgenössische Bauen prägte.

Besprochen werden die Gruppenausstellung "Freeing the Voices" im Kunsthaus Graz (Standard), die von der Pincault Collection in Venedig initiierten Ausstellungen "Tatiana Trouvé. The Strange Life of Things" im Palazzo Grassi" und "Thomas Schütte. Genealogies" in der Punta della Dogana (Tsp), die Ausstellung "Aufbruch 1800. Kunst und Gesellschaft der Berliner Klassik" im Schloss Neuhardenberg (FAZ) und die Ausstellung "Para-Moderne. Lebensreformen ab 1900" in der Bundeskunsthalle Bonn (taz, mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.04.2025 - Kunst

Tavares Strachan, There Is Light Somewhere. Jah Rastafari with Rice Field
(Stacked with Pineapple, Shield and Football), 2023,
Foto: Marc Blower. Courtesy the artist and the Hayward Gallery

Hans-Joachim Müller streift für die Welt durch eine Ausstellung, die die Kunsthalle Mannheim Tavares Strachan widmet. Gelegentlich arbeitet sich der an den postkolonialen Diskurs andockende bahamaische Künstler für Müllers Geschmack zu penetrant an der abgelehnten weißen Tradition ab. Besser gefallen ihm Strachans Arbeiten da, wo sie ästhetischen Eigensinn beweisen: "Im stärksten Raum der Ausstellung verteilt er eine Gruppe bronzener Black-People-Büsten, deren starre, archaisch strenge Gesichter allesamt von opulent fantasievollen Schwarzhaar-Frisuren gerahmt werden. Dass hinter jedem Figurensockel ein Bildquadrat an der Wand hängt, mit schwarzem Kraushaar monochrom bedeckt, ist eine feine ironische Anspielung auf den Absolutheitsanspruch der abstrakten Malerei. Den ausdrücklichen Hinweis auf die 'kosmische Spiritualität' der orgiastischen Frisuren darf man sich getrost ersparen. Wenn eines den Bauplan dieses Werks bestimmt, dann ist es das gänzlich unspirituelle Vertrauen in die Zeichenfähigkeit der Kunst."

Ebenfalls in der Welt macht sich Gesine Borcherdt Gedanken darüber, wie es passieren konnte, dass der Verein der Freunde der Nationalgalerie in Berlin 2024 eine Arbeit Jumana Mannas gekauft hat; einer Künstlerin, die nach dem 7. Oktober in den sozialen Medien ihrer Freude über die Hamas-Morde in Israel freien Lauf gelassen hatte. Stellung beziehen möchte auf Nachfrage niemand: "Auf die Frage, ob Jumana Mannas Äußerungen vor dem Kauf diskutiert wurden, hieß es von verantwortlicher Seite des Museums, die Kaufentscheidung sei vor dem 7. Oktober getroffen worden - ganz so, als hätte man sie dann nicht mehr hinterfragen können. Weiter hieß es, dass man bei den vielen Erwerbungen nicht alle Inhalte prüfen könne. Zudem wolle man als Museum nicht spalten, sondern zusammenführen und allen Stimmen Raum geben. Man wundert sich: Ein Museum hat keine Zeit, sich mit Künstlern und ihren Kontexten zu beschäftigen, zu denen heute zwangsläufig Einträge in sozialen Medien gehören? Und wie klappt Zusammenführung durch Gewaltverherrlichung? Auch auf die Frage, ob Mannas Posts dem Museum bekannt waren, hieß die Antwort nein - ohne nachzufragen, wie die Inhalte der Posts lauteten."

Weitere Artikel: Alexander Menden porträtiert in der SZ den britischen Maler William Turner, der dieses Jahr seinen 250. Geburtstag feiern würde. Robert Maruna wiederum porträtiert im Standard die Malerin und Bildhauerin Anna Schachinger. Lisa-Marie Berndt besucht für monopol die Art Dubai.

Besprochen werden "It's Just a Matter of Time. Sammlung Deutsche Bank im Dialog" im PalaisPopulaire, Berlin (taz), die Schau "Mit Trümmern Träume Bauen" über die Rolle der Kunstämter beim Wiederaufbau Berlin nach 1945 in der Kommunalen Galerie Berlin (Tagesspiegel), die Xanti Schawinsky gewidmete Schau "Play, Life, Illusion" in der Kunsthalle Bielefeld (taz) und Tata Ronkholz' Fotoausstellung "Gestaltete Welt" in der Kölner Photographischen Sammlung (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.04.2025 - Kunst

Ausstellungssansicht Tea and Dry Biscuits. Eine Jubiläumsausstellung. Georg Kolbe Museum, 2025, Foto: Enric Duch 

"Tea and Dry Biscuits" soll es zur Trauerfeier Georg Kolbes nach dessen Tod im Jahr 1947 gegeben haben, entsprechend benannt ist die Ausstellung zum 75. Gründungsjubiläum des Berliner Georg Kolbe Museums, weiß Martin Conrads (taz). Die Schau fokussiert auf Kolbes Rolle während des Nationalsozialismus: Kolbe war zwar kein NSDAP-Mitglied, seine Arbeiten ließen sich aber "leicht von der Propaganda des Nationalsozialismus vereinnahmen", entnimmt Conrads der Museumswebsite: "Dass sich der figürliche Ausdruck seiner Arbeiten ab 1933 veränderte und fortan eher NS-Idealen entsprach, zeigt etwa der ausgestellte Gips-Entwurf zum Denkmal 'Opfer der Arbeit' von 1938/39." Kolbes Skulpturen werden in Bezug gesetzt mit Arbeiten teils noch lebender Künstler, die sich mit seinem Werk auseinandersetzten, etwa der Ost-Berliner Fotograf Christian Borchert: Der "hatte 1987 den Auftrag erhalten, Arbeiten des Bildhauers im öffentlichen Raum zu dokumentieren, in West-Berlin und der Bundesrepublik. Die Fotos zeigen indirekte Blicke auf Kolbes Skulpturen - und den Westen. Sie demontieren Heroisches, denunzieren Kolbe aber nicht - ein Blick, der dem kuratorischen Gestus der Ausstellung entspricht."

Kurdisches Flüchtlingslager, Işıkveren, Türkei, 1991 © Michael Kerstgens 2025

Viel Verfall und Zerstörung sieht Sylvia Staude im Fotografie Forum Frankfurt, das dem Dokumentarfotografen Michael Kerstgens derzeit die Ausstellung "Out of Control" widmet. Kerstgens fotografierte Thüringen nach der Wende, den Bergarbeiterstreik in den Achtzigern in Großbritannien - und reiste auch in die zusammenbrechende Sowjetunion und "beobachtete dort 'The Final Winter', den letzten Winter 1990/91 der UdSSR. Soldatenmütter, die ihre Söhne verloren haben, protestieren in Moskau. Die Bilder strahlen eine Art stiller, farbloser Verzweiflung ab. Und dann fährt der Fotograf noch weiter, zu einem kurdischen Flüchtlingslager in der Türkei, wo in trostloser Landschaft, unter kahlen Bäumen kleine Zelte aufgeschlagen sind. Kinder sind trotzdem interessiert an ihm."

Weitere Artikel: Im Standard denkt der Kunsthistoriker Thomas D. Trummer nach der Lektüre von Philipp Hübls Essay "Kunst als moralisches Statussymbol" über den Zusammenhang von Kunstverständnis und politischen Einstellungen nach. In der FAZ freut sich Frauke Steffens, dass die New Yorker Frick Collection nach fünfjähriger Renovierung wiedereröffnet. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "From Rembrandt to Vermeer, Masterpieces from the Leiden Collection" im H'Art-Museum in Amsterdam (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.04.2025 - Kunst

Bild: Aus Pascal Sgros Serie "Cherry Airlines" (2024) Pascal Sgro

Ästhetisch überzeugen die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erzeugten Fotografien, die im Rahmen des Photo Brussels Festival im dortigen Hangar gezeigt werden, den in der FAS rezensierenden Kunsthistoriker Peter Geimer zwar nicht. Als "Momentaufnahme des noch tastenden Umgangs" der bildenden Kunst mit KI findet er die Ausstellung aber durchaus spannend: "Im Recycling der historisch überlieferten Bilder entstehen solche, die es auch gegeben haben könnte - eine 'alternative Vergangenheit', so die Ausstellungsmacher, nicht unwahrscheinlich, aber fiktiv. Welcher veränderte Umgang mit dem Bestand existierender Bildarchive zeichnet sich etwa ab, wenn Alexey Yurenev mithilfe der KI Fotografien aus dem Zweiten Weltkrieg in surrealistisch anmutende Collagen umwandelt?" Dass der Katalog KI ein Instrument nennt, "das die Lücken der Archive überbrückt", sieht Geimer skeptisch.

Andreas Gursky, "Eisläufer" (2021) © Andreas Gursky / ARS, 2025 Courtesy: Sprüth Magers

Zum Nachdenken über die "Möglichkeit der Zeit- und Ortsverschiebung in der Kunst" lässt sich auch Dirk Peitz (Zeit Online) anregen, und zwar dank Andreas Gursky, der in der New Yorker Galerie Sprüth Magers seine monumentalen Fotografien Reproduktion von Gemälden großer Meister gegenüberstellt. Etwa seine Arbeit "Eisläufer" von 2021, die er mit "Winterlandschaft mit Eisläufern" (1565) von Pieter Bruegel dem Älteren konfrontiert. Beide Bilder scheinen "einander zu erkennen …, eben über weite zeitliche und geografische Distanz hinweg; und Gurskys Methode ließ sich schon immer als Malerei mit den Mitteln der Fotografie und der Bildnachbearbeitung verstehen. Außerdem ist es eh viel interessanter, sich entlang dieser Beispiele von Bilderpaaren Gedanken darüber zu machen, wie das individuelle und das kollektive Bildergedächtnis beschaffen ist; was da alles eingesickert ist an Motiven, die sich auch doppeln."

Weitere Artikel: Im Aufmacher des SZ-Feuilletons denkt Peter Richter über das Hofporträt von Tizian über Trump bis hin zum Passbild nach. In der FR begibt sich Stephan Klemm auf die Spuren des Hasen in der Kunstgeschichte. Besprochen wird die Ausstellung "Doppelkäseplatte. 100 Jahre Sammlung" zum 20-jährigen Jubiläum des Kunstmuseums Stuttgart (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.04.2025 - Kunst

Johann Adam Meisenbach, Tanzende am Lago Maggiore bei Ascona (um Rudolf von Laban), 1914 © Kunsthaus Zürich, Bibliothek, Nachlass Suzanne Perrottet, 1990, Foto: © Erben Johann Adam Meisenbach

Dem Anspruch, die ganze Bandbreite der Lebensreform-Bewegung abzubilden, kann auch die Ausstellung "Para-Moderne" in der Bonner Bundeskunsthalle nicht gerecht werden, räumt Alexander Menden in der SZ ein. Ein großes Verdienst der Schau aber ist, dass sie neben Werken von Klimt, Kirchner oder Kupka und Verweisen auf berühmte Anhänger wie Hermann Hesse auch die Kehrseite der Bewegung auf dem Monte Verità in den Blick nimmt: "So wird das an wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichtete Streben nach Gesundheit in einer Zeit vor der Entdeckung von Antibiotika konterkariert durch eine homöopathische Esoterik, deren Erbe bis heute in der Ablehnung von Schulmedizin und Impfskepsis spürbar ist. ... Esoterik ist es denn auch, die, gepaart mit völkischen Tendenzen, schließlich in noch tiefere Abgründe führt. Gerade der intensive Körperkult, der im 'Lichtgebet' betitelten, blond gelockten Akt des Malers Fidus seinen emblematischen Ausdruck fand, sollte sich als Einfallstor für rassenideologische und eugenische Ideen erweisen."

In einem weiteren Artikel in der SZ zeichnet Peter Richter nicht nur nach, wie jener Fidus genannte Jugenstilkünstler Hugo Höppener, dessen Bilder unter anderem eine an Hakenkreuzen reiche Esoterik verbreiteten, in kalifornischen Kommunen gefeiert wurde. Richter erinnert auch daran, wie schwer sich die Deutschen mit dem ambivalenten Erbe der Lebensreformbewegung tun. So wollte der Kulturhistoriker Janos Frecot seinen umfangreichen Nachlass dazu deutschen Staats- oder Universitätsbibliotheken vermachen, aber: "keine hat sich rangetraut ... Keine einzige. Die schiere Angst vor den politischen Kontaminationen des Materials ist spektakulär. Als wäre das von deutschen Institutionen oder deutschen Gehirnen irgendwie prinzipiell nicht verarbeitbar, dass auf demselben Sachgebiet halt einerseits der Bio-Supermarkt wurzelt, anderseits aber auch rechtsdrehendes Blut-und-Bodenturnen. Am Ende hat stattdessen die Universitätsbibliothek von Stanford zugeschlagen."

Weitere Artikel: Nicholas Potter, der Journalist, der von Aktivisten bedroht wird, weil er sich auf die Seite Israels stellt (mehr im heutigen 9Punkt), porträtiert in der taz die streng jüdisch orthodoxe Jerusalemer Galeristin Noa Lea Cohn, deren Art Shelter Gallery bislang der einzige Raum für bildende Kunst für die ultraorthodoxe Community Haredim ist - und die Pate für die derzeit auf Arte verfügbare Serie "Shtisel" stand. In der FAZ huldigt Paul Ingendaay der Schönheit von Rogier van der Weydens "Kreuzabnahme" im Prado in Madrid.

Besprochen werden die Ayoung Kim-Ausstellung "Many Worlds Over" im Hamburger Bahnhof (taz), die Ausstellung "Mit Trümmern Träume bauen", die sich dem Wiederaufbau in Deutschland nach 1945 widmet, in der Kommunalen Galerie Berlin (taz) und die Ausstellung "Unsichtbare Arbeit" im Polnischen Institut in Berlin (Tsp).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.04.2025 - Kunst

Sylvia Staude unterhält sich in der FR mit Larissa Förster, der neuen Direktorin des Frankfurter Museums Weltkulturen. Unter anderem geht es um die derzeit vieldiskutierte Restitutionsfrage. Und auch darum, ob es so etwas wie eine Begegnung auf Augenhöhe zwischen den Kulturen überhaupt geben kann. Förster sieht hier durchaus Schwierigkeiten: "Das absolute Gleichgewicht wird nie möglich sein, schon aus ökonomischen Gründen. Und aus Gründen des Visa-Regimes zum Beispiel. Ich habe lange in Namibia gearbeitet, ich kann an der namibischen Grenze mit meinem deutschen Pass und ohne ein Visum aufschlagen und kann das Land betreten. Das ist für Namibier weltweit ganz anders, besonders in Deutschland. Es ist eine Utopie, dass wir wirklich unter gleichberechtigten Bedingungen miteinander sprechen, Ausstellungen oder Projekte aushandeln. Gegen die Rahmenbedingungen können wir oft nichts tun, aber die Art und Weise, wie wir Gespräche führen, einander zuhören, wie wir Deutungen und Entscheidungen denjenigen in die Hände legen, deren Vorfahren dieses kulturelle Erbe hergestellt haben, die können wir als Museum schon gestalten."

Das Kunsthaus Göttingen ist vorläufig gerettet, freut sich Alexander Menden in der FAZ. Nachdem zuletzt, auch aufgrund lokalpolitischer Querelen, alle Zeichen auf Insolvenz und Abwicklung standen, scheint der Fortbestand des Hauses vorläufig gesichert. Unter anderem dank der Umstellung des Betriebs auf Ehrenamt und einer inhaltlichen Ausrichtung, die weniger unter Elitismusverdacht steht - bald stellt Bryan Adams in Göttingen eigene Fotografien aus. Jedenfalls, hofft Menden, könnte sich bald "auch in der Düsteren Straße zeigen, dass klug gestaltete Kulturangebote kein Subventionsgrab sind, sondern ein Katalysator innerstädtischer Revitalisierung."

Weitere Artikel: Georg Imdahl porträtiert in der FAZ den spanischen Aktionskünstler Santiago Sierra. Ferial Nadja Karrasch spricht mit dem amerikanischen Künstler Tavares Strachan auf monopol über kritische Kunst in trumpistischen Zeiten.

Besprochen werden Yukinori Yanagis Schau "Icarus" im Mailander Pirelli HangarBicocca (monopol), Annette Fricks Ausstellung "Take A Walk On The Wild Side" im CFA, Basel (monopol) und Ting-Jung Chens Soloschau "Here on the Edge of the Sea We Sit" in der daadgalerie in Berlin (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.04.2025 - Kunst

Pen, brown ink and wash, black ink and wash and crayon on cardboard. 15.8 x 22.2 cm. Maisons de Victor Hugo, Paris / Guernsey. Photo: CCØ Paris Musées / Maison de Victor Hugo.

NZZ-Kritikerin Marion Löhndorf versinkt in der Royal Academy of Arts in London in den "meist hingetuschten, dunklen Visionen von imaginären Schlössern, Monstern und Meereslandschaften", die der französische Schriftsteller Victor Hugo zu Papier brachte - nicht als Text, sondern als Zeichnung. Denn nach dem tödlichen Bootsunfall seiner Tochter Léopoldine versank der Dichter in eine schwere Depression, erzählt Löhndorf, zehn Jahre lang schrieb er nicht, sondern zeichnete: "Immer wieder kommt Victor Hugo auf das Wasser zurück, auf kenternde Schiffe, Stürme auf dem Meer. 'The Lighthouse at Casquets' (1866) ähnelt keinem Leuchtturm, sondern einer am Meer gelegenen Wendeltreppe zur Hölle. Hugo selbst nannte sich einen 'homme océan', einen Mann des Meeres." In einem Bild "von 1850, das einen gigantischen Pilz über einer apokalyptischen Landschaft zeigt, verwendete er Tinte, Kohle, Kreide und Gouache. In anderen arbeitete er mit verlaufenden Tintenflecken, er verwendete Schablonen und collagenhafte Elemente - eine Briefmarke etwa - und seine eigenen Fingerabdrücke."

Besprochen werden eine Ausstellung mit Werken von Christina Dimitriadis: "J'ai perdu mon Euridice - Ach, ich habe meine Eurydike verloren" in der Schwartzschen Villa in Berlin (tsp) und die Ausstellung "Abstrakt Konkret - Materie Licht und Form" mit Fotografien von Kilian Breier in der Alfred Ehrhardt Stiftung in Berlin (FR).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.04.2025 - Kunst

Henri Matisse's Marguerite au chat noir (1910) © Centre Pompidou; MNAM-CCI; Dist. GrandPalaisRmn


Eine Ausstellung, die nur die Bilder zeigt, die Vater Matisse von seiner Tochter Marguerite gemalt hat - das klingt für FAZ-Kritiker Peter Kropmanns erstmal öde, ist in der Ausstellung "Matisse et Marguerite - Regards d'un père" im Pariser Musée d'Art Moderne aber als Wanderung durch Matisses gesamte Schaffensbreite spannend gelungen, versichert er. Rund vierzig Jahre sind umfasst und zeigen, "wie unermüdlich und dabei erstaunlich wandlungsreich der Vater seine Tochter dargestellt hat. So sehen wir sie mit niedergeschlagenen Augen beim Lesen oder fürchten wir uns fast vor ihrem eindringlichen Gegenüber: Unter etwas schweren Lidern schaut sie bisweilen provozierend aus mandelförmigen dunklen 'yeux revolver', wie sie ein erfolgreiches Chanson besingt - der Blick, der töten kann. (…) Im Januar 1945 zeigt der Künstler, wie sein Augenstern nun auf ihn wirkt: müde, dabei, erlebtes Grauen zu verarbeiten und sich zu erholen. Ihr mit einem Hauch Kohle gezeichnetes Porträt ist verschwommen und erinnert an das Turiner Grabtuch. Damals war es erst wenige Monate her, dass sie sich Partisanen des Widerstands angeschlossen hatte und dann von der Gestapo gefoltert sowie in einen Eisenbahntransport verladen wurde."

Weitere Artikel: Bernhard Schulz denkt für Monopol darüber nach, was ein wiederentdecktes Wandgemälde von Gerhard Richter für dessen Werk bedeutet. Timo Feldhaus unterhält sich für die Berliner Zeitung mit Juergen Teller über dessen Auschwitz-Fotografien (unsere Besprechung).

Besprochen werden: Die beiden Berliner Yoko Ono-Ausstellungen "Music of the Mind" im Gropius-Bau und "Dream Together" in der Neuen Nationalgalerie (FR), "Elegante Blüten. Darstellung von Flora und Fauna in der Kunst Japans" im Berliner Humboldtforum (Zeit Online) und "Supernovas!" mit Kunstwerken des bahamischen Künstlers Tavares Strachan in der Kunsthalle Mannheim (Taz).