Miquel Barceló: Neuf demi tomates, 2010. Bild: Galerie Bruno Bischofsberger.
Gegen Anflüge von Winterdepression empfiehlt Alexandra Wach für Monopol den Besuch von "Miquel Barceló: Vida y Muerte" im Museum Küppersmühle in Duisburg. Zwischen Darstellungen von Speis und Trank geht es dekadent zu, es "tauchen verrottende Früchte inmitten des rauschhaften Genusses auf, jede Menge Schädel, menschlich und tierisch, die Lust am Essen ist offenbar nicht ohne den Drang zu töten zu haben. (…) vielleicht sollte man sich nach den Aufbrüchen von Transavanguardia, Figuration Libre und den Neuen Wilden einfach noch einmal von der erdigen Materialität dieser Malerei verführen lassen, der Reverenz an Licht und die sich ständig ändernden Farben des Meeres. Entwaffnend sinnlich sind auch die unkonventionellen Materialien wie Vulkanasche, Algen, Sedimente und hausgemachte Pigmente. So lässt sich die winterliche Trübsal des Nordens ertragen."
Weiteres: Der Kunstwissenschaftler Matthias Bruhn macht sich im Spiegel online-Interview über digitale Bilder in Zeiten von KI Gedanken.
Besprochen wird: Wie sich wohnen künstlerisch gestalten lässt, von "Poverty Porn" bis Herrenhaus, erkundet die Taz in der Ausstellung "Our House" in der Frankfurter Villa Giersch (Taz), "Robert Longo" in der Wiener Albertina (FR), "Böse Blumen. Baudelaires 'Fleurs du Mal' und die Kunst" in der Sammlung Scharf-Gerstenberg (Tagesspiegel) und die SZ begibt sich nach Weimar, um in Erfahrung zu bringen, wie das eigentlich war, mit Goethe und Caspar David Friedrich in der Ausstellung "Caspar David Friedrich. Goethe und die Romantik in Weimar" im Schiller-Museum Weimar.
Im Monopol-Magazin spricht der syrische Künstler Tammam Azzam, der mit Collagen aus Kriegsruinen bekannt wurde, über das Kunstschaffen unter Assad: "Wenn du in Syrien lebst, gibt es etwas in dir, was dein eigenes Verhalten konstant beobachtet, um nicht zu riskieren, festgenommen zu werden. Es war jedoch immer einfacher, visuelle Kunst zu machen, als zu schreiben, weil es weniger konkret ist als Worte. Allerdings gab es auch unendlich viele Künstler, die bis zu diesem Moment ins Gefängnis gekommen sind. Am Ende war es dem Regime egal, welche Kunst du gemacht hast, aber es war niemals egal, wenn sie kritisch war."
Weitere Artikel: In der tazerinnert Hili Perlson an das vor fünfzig Jahren aus dem Oratorio di San Lorenzo in Palermo gestohlene Caravaggio-Gemälde "Die Geburt Christi mit den Heiligen Laurentius und Franz von Assisi", das an Platz zwei der meistgesuchten Kunstwerke weltweit steht. Seit 2010 werden immer neue zeitgenössische Künstler gebeten, für die Stelle des geraubten Gemäldes ein eigenes Werk zu schaffen, dieses Jahr wird es von Michelangelo Pistoletto kommen, so Perlson: "Pistolettos Neuinterpretation des Caravaggio-Gemäldes, so viel hatte der Künstler vorab der taz verraten, wird seine ikonische Spiegelmalerei aufgreifen. Auf einer großen spiegelnden Fläche soll eine Kopie des Engels aus dem originalen Gemälde angebracht werden." Das Neuköllner Kulturzentrum Oyoun soll schon bis Ende des Jahres ausziehen, meldet Susanne Memarnia in der taz. In der FAZ denkt Stefan Trinks über Darstellungen der Geburt Christi in einem ruinösen Palast-Stall nach. Ebenfalls für die FAZ besucht Kerstin Holm das von dem ehemaligen Spiegel-Korrespondenten Norbert Kuchinke gegründete russisch-orthodoxe Kloster in Götschendorf in der Uckermark, wo zwar Russen, Ukrainer und Belorussen zusammen leben und beten dürfen - dafür mischt sich das Moskauer Patriarchat in der Frage der künstlerischen Gestaltung ein.
FAZ-Kritikerin Gina Thomas freut sich über die Erneuerungen, die das Turiner Museo Egizio zur Feier seines zweihundertjährigen Bestehens vorgenommen hat. Die beeindruckende Sammlung altägyptischer Kunst, die das Museum beherbergt, erscheint so in neuem Licht, lobt sie: "Im neugestalteten Saal der Könige ruft die Symbiose von Architektur und Präsentation den Gang von der Finsternis ins Licht hervor, der im altägyptischen Glauben den täglichen Sonnenlauf mit dem Lebenszyklus gleichsetzt. Bislang waren die von hohen Sockeln herabblickenden Götter und Könige in einer für die Olympischen Winterspiele von 2006 konzipierten, hollywoodartigen Darbietung des Szenenbildners Dante Ferretti wie Bühnenstars im Rampenlicht platziert. Nun ist der Hollywood-Kitsch einer Bulthaup-Ästhetik gewichen. Durch Fenster im freigelegten Gewölbe, von denen keiner gewusst hatte, dass es sie überhaupt gab, fällt Tageslicht auf die Skulpturen, wie einst in Karnak."
Olga de Amaral in der Fondation Cartier. Ausstellungsansicht
Eine begeisterte Christiane Meixner stellt im Tagesspiegel die 92-jährige kolumbianische Künstlerin Olga de Amaral vor, deren textile Kunstwerke gerade in der Fondation Cartier in Paris ausgestellt sind. In Europa ist sie kaum bekannt - selbst schuld, meint Meixner in Richtung der Europäer, die Weben für weniger anspruchsvoll halten als Bildhauern. "Ihr gestischer Duktus ist das Flechten oder Weben, die Techniken werden mit jedem Jahrzehnt ausgefeilter. Farben liefern die Textilien selbst. All das macht sie jenen abstrakten Bildern ähnlich, mit denen sich die Künstlerin während ihres ersten Aufenthalts in den USA um 1955 beschäftigte. Zurück in Kolumbien, kombinierte sie ihre experimentellen Erfahrungen mit dem traditionellen textilen Wissen ihrer Heimat. ... Ein Teil der Werke hängt in chronologischer Reihenfolge an den Wänden, der andere schwebt an unsichtbaren Fäden von der Decke. Diese Arbeiten strukturieren den Raum: Man läuft sie ab, sieht Vorder- wie Rückseiten und das Licht, das bei locker gewebten oder geflochtenen durch die Muster scheint. So entsteht eine magische Atmosphäre."
In "Bilder und Zeiten" (FAZ) versucht der in Deutschland lebende russische Maler Nikolai Estis zu erklären, warum er es hasst, seine Bilder zu verkaufen: "Ich erinnere mich an die Worte eines erfolgreichen Kollegen, der, zu Besuch in meinem Atelier und abermals einer Reihe neuer Bilder ansichtig, auszurufen pflegte: 'Mach mal halblang, mein Lieber! Du hast doch die alten noch gar nicht an den Mann gebracht!' Das ist ein mir gänzlich fremder Zugang. Für den meinen habe ich freilich keine Erklärung, nur ein Gefühl, das mir sagt: Irgendwann wird jemand kommen, vielleicht der wichtigste aller Kunstrichter, und fragen: 'Wer bist du? Was stellst du dar?' Und dann werde ich alles vorlegen, was ich je geschaffen habe, und sagen: 'Das ist, was ich bin.' Vielleicht aber kommt dieser Jemand eigentlich mit jedem neuen Menschen in mein Atelier."
Weitere Artikel: Karen Krüger (FAZ) spaziert durch den renovierten Vasari-Korridor der Uffizien, ein Fluchtweg und zugleich "ein Zeugnis für die Macht und den Einfallsreichtum der Medici und ein Renaissance-Bauwerk, wie Leonardo da Vinci es sich nicht kühner hätte vorstellen können". In der taz scheint Sophie Jung recht zufrieden mit der neuen Leiterin der Documenta, Naomi Beckwith.
Besprochen werden außerdem eine Ausstellung "Weißes Wüstengold" im Hamburger Museum am Rothenbaum zum hundertjährigen Jubiläum des Chilehauses, für die der Architekturtheoretiker Alfredo Thiermann die Salpeter-Bergwerke fotografierte, die der Hamburger Kaufmann Henry B. Sloman Anfang des 20. Jahrhunderts in der Atacama-Wüste bauen ließ (FAS), eine Schau zu "Skulptur und Farbe in Spaniens Goldenem Zeitalter" im Prado (FAZ), Alexej Tchernyis Papierdioramen in der Grimmwelt Kassel (FAZ) und eine Ausstellung mit psychiatrischen Tierbildern in der Heidelberger Sammlung Prinzhorn (FAZ).
Wie man mit verschiedenen Masterclasses für Verständigung und gegen den Boykott jüdischer und israelischer Künstlerinnen und Künstler einsetzt, erfährt Eugen El im Monopol-Gespräch mit Stella Leder, der Mitbegründerin der Jüdischen Kunstschule Berlin. Kunstschaffende wie David Adika und Hilla Toony Navok sollen die Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und Israel intensivieren: "In erster Linie laden wir Künstler ein, weil wir sie interessant finden - wir wollten sozusagen keinen Raum der Marginalisierten schaffen, sondern einen interessanten, anziehenden und offenen Raum. Gleichzeitig wollen wir etwas gegen den extremen und massiven Boykott von israelischen Künstlerinnen und Künstlern nach dem 7. Oktober tun. Die Kunstwelt funktioniert ja sehr stark über Netzwerke, die den Zugang regeln. Wir glauben, dass es zumindest in den nächsten Jahren darauf ankommt, neue Netzwerke zu bauen - und dass jüdische und israelische Künstlerinnen und Künstler auch jüdische Netzwerke in der Kunstwelt brauchen, weil sie sonst völlig ungeschützt diesem Sturm an Boykott und Antisemitismus ausgesetzt sind."
Weiteres: Rembrandt hat Konjunktur, stellt die SZ in den Ausstellungen "Rembrandts Amsterdam" im Städel-Museum Frankfurt und "Rembrandt - Hoogstraten. Farbe und Illusion" im Kunsthistorischen Museum Wien fest.
Anonym: Planteur d'homme, um 1790. Der Menschenpflanzer. Bibliothèque nationale de France, Paris. Foto: Bnf, Paris
Dass sich die in der Ausstellung "Böse Blumen" in der Berliner Sammlung Scharf-Gerstenberg gezeigten Werke auf Charles Baudelaires "Blumen des Bösen" beziehen, vergisst Andreas Kilb (FAZ) mitunter, so variantenreich wird die Blumenmetaphorik hier in Werken von Odilon Redon über Rene Magritte bis Gundula Schulze-Eldowy umgesetzt: "Der Explosionspilz vom Abwurf der Atombombe auf Nagasaki hat hier ebenso seinen Platz wie der Feuerball, der am 11. September aus dem Südturm des World Trade Center schießt, oder die bizarre Anmut der KI-generierten Ansicht einer Covid-19-Viruszelle. Das aktuellste Schreckensbild hat Wahkil Kohsar vor einem Schönheitssalon in Kabul aufgenommen: Das Frauengesicht auf dem Eingang ist mit Schwarzstift übermalt, ein Sicherheitsschloss verdeckt die Nase. Das Laster ist hier verboten, die Sprache der Engel auch." In der tazstaunt auch Hilka Dirks, wieviel Abgründiges, Krankes, Verfallendes hier zusammengetragen wurde, etwa eine "berührende Installation von Fatoş İrwen aus vertrockneten Pflanzen und den Haaren ihrer Mitgefangenen, die die kurdische İrwen bei einem ihrer Gefängnisaufenthalte in der repressiven Türkei sammelte."
Naomi Beckwith, stellvertretende Direktorin und Chefkuratorin des New Yorker Guggenheim Museums, wird die Leiterin der Documenta 16. "Wiederkehrendes Thema ihrer Ausstellungen und Lehrtätigkeit ist die Wirkung Schwarzer Kultur in der zeitgenössischen Kunst", lässt uns Nicola Kuhn im Tagesspiegel wissen - und atmet auf: "Mit Beckwith ist eine allseits abgesicherte Kuratorin gewählt: kein unberechenbares Team wie zuletzt Ruangrupa, das Kollektiv aus Indonesien, sondern eine klare Verantwortungsträgerin, verankert im westlichen Establishment, die mit institutionellen Strukturen umzugehen weiß und als Frau wie Person of Color unausgesprochene Proporz-Erwartungen erfüllt. ... Die Documenta geht auf Nummer sicher: bloß keine Experimente mehr aus dem Globalen Süden. 'Wie kann man Krisen überleben und weitermachen?', fasste Beckwith ihr zehnseitiges Konzept zusammen, mit dem sie sich gegen vier weitere Kandidaten durchsetzte, die zur finalen Vorstellung in den letzten drei Tagen nach Kassel angereist waren. 'Kunstschaffende sind Meister der Improvisation. (…) Sie entwickeln Möglichkeiten der Imagination', lautet ihr Rezept."
In der FAZ ist auch Stefan Trinks zufrieden: "Beckwith erscheint als Chefkuratorin eines der drei großen New Yorker Museen pragmatisch-verlässlich, was positiv gemeint ist, da es in ihrem Fall eine gepflegte Diskussionskultur sowie einen weiten Blick auf Black Culture umfasst, betrachtet in westlichen ästhetischen Kategorien der Kunstgeschichte, die es, wie sie mehrfach betonte, für die Documenta hochzuhalten gilt - und gerade nicht ein durchgängig politisierter, postkolonialer, alles Tradierte einreißender und einseitig parteiischer Blick aus dem 'globalen Süden', wie es zuletzt Ruangrupa als Documenta-Kurator tat. Zwar wolle sie ebenfalls die globale Mehrheit einbinden und dem Süden eine Stimme geben, so Beckwith. Das höchst kontroverse Kollektiv bekam dennoch einen Seitenhieb ab, als sie betonte, dass sie, um jeglichen Rassismus und Antisemitismus auszuschließen, nach intensiven Vorfeldgesprächen mit den ihr gut bekannten Künstlern deren in Kassel präsentierte Arbeiten allesamt kennen werde." "Eher ein 'Zurück zu alter Stärke' als ein völliger Neustart", kommentiert Saskia Trebing im Monopol Magazin. In der SZ begrüßt Jörg Häntzschel, in der Welt Marcus Woeller und in der taz Sophie Jung die Entscheidung.
Weitere Artikel: Nach knapp dreißig Jahren haben sich die Erben des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer geeinigt, meldet Adrienne Braun im Tagesspiegel. Anna Schneider, die bisher am San Francisco Art Institute und am Haus der Kunst München Ausstellungen kuratierte, wird neue Leiterin des Potsdamer Minsk, meldet Ingeborg Ruthe in der Berliner Zeitung.
Besprochen werden eine Ausstellung der Otto-Mauer-Preisträgerin Cäcilia Brown im Wiener Jesuitenfoyer (Standard) und die Ausstellung "Schwerelos" des argentinischen Künstlers Leandro Erlich im Kunstmuseum Wolfsburg (Tsp).
Ingeborg Ruthe begeistert sich in der Berliner Zeitung für David Schnells Kunst, die derzeit im Berliner Mies van der Rohe Haus ausgestellt wird. Die farbigen Muster, mit denen der Maler arbeitet, rufen Assoziationen an Drohnenflüge wach und regen auch ansonsten die Fantasie an: "Sind es Kartenhäuser? Farbstarke Halluzinationen von sicheren Behausungen, von urbanen Gebilden? Optische Täuschungen von (bedrohten) sozialen Gesellschaftsformationen, von Nachbarschaft? Kaum saugt der Blick sich fest an den wie schwebenden Bodenplatten im Gemälde 'Diorama', hat man das Gefühl, in die Tiefe hinabzustürzen, in eine Krypta. Doch dann fangen einen die vertikalen Strukturen oben auf, nachtdunkel die einen, kirchenfensterartig wie hinterleuchtet die anderen. Es ist, als brausten Orgelklänge auf einen herab."
Yelizaveta Landenberger streift für die FAZ durch das Museum für zeitgenössische Kunst Krakau. Thomas Steinfeld bespricht in der SZ ein Buch des Kunsthistorikers Willibald Sauerländer über den Barock-Maler Nicolas Poussin. In der taz Nord wiederum bespricht Bettina Maria Brosowsky einen Katalog, der die Arbeit des BraunschweigerMuseum für Photographie sowie dessen Trägervereins würdigt. Ferial Nadja Karrasch denkt auf monopol darüber nach, weshalb die Museen plötzlich Künstlerinnen aus der DDR entdecken.
Besprochen werden eine Hans-Haacke-Ausstellung in der Frankfurter Schirn (Tagesspiegel), die Esel-Ausstellung "Einfach unentbehrlich" im Neuen Museum Berlin (taz), die Schau "Arte Povera: Giovanni Anselmo, Mario Merz, Giuseppe Penone" in der Berliner Konrad Fischer Galerie (taz Berlin), die Ausstellung "Alberto Giacometti - Surrealistische Entdeckungen" im Max Ernst Museum Brühl (NZZ) und Bethan Hughes' Ausstellung "Hevea Act 6: Ein elastisches Kontinuum" im Tiroler Kunstpavillon (Standard)
Im Tagesspiegel-Interview erzählt die Berliner Künstlerin Chiharu Shiota, deren Webarbeiten gerade in Paris und Prag zu sehen sind, von ihrem Studium bei Marina Abramović, dass sie eigentlich Malerin werden wollte ("Weben ist für mich wie Malen in der Luft") und was sie über die aktuellen politischen Debatten in der Kunstwelt denkt: "Es hat Auswirkungen auf mein Leben, aber keinen direkten Einfluss auf meine Arbeit. Meine Kunst ist nicht politisch, sondern beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen von Leben und Tod. Meine Arbeit beginnt mit einer persönlichen Erfahrung oder Emotion, aber ich möchte sie zu etwas Universellem ausweiten, mit dem sich Menschen identifizieren können. Ich möchte den Fokus von mir auf ein kollektives Wir verlagern."
Während die Berliner Kulturwelt vor den neuen Sparmaßnahmen erzittert, geht es dem Metropolitan Museum of Art in New York prächtig, freut sich Hannes Stein in der Welt. Direktor Max Hollein kann in einer Pressekonferenz nicht nur große Erfolge vorweisen, sondern stellt auch wichtige Zukunftsprojekte vor, wie einen größeren Umbau des Gebäudes: "Keinen Zweifel lässt der Direktor daran, dass das Metropolitan Museum unter seiner Leitung gar nicht daran denkt, sich unpolitisch aus dem Streit der Welt zu stehlen. 'Wir stehen in Opposition zum Nationalismus', sagt Hollein. 'Wir feiern Kulturen, die zusammenkommen.' Man kann seine Ankündigungen wie folgt zusammenfassen: Das Metropolitan Museum baut in großem Stil um, und es geht in den Widerstand."
Besprochen werden die Ausstellung "Carpaccio, Bellini und die Frührenaissance in Venedig" in der Staatsgalerie Stuttgart (Welt), die Ausstellung "Gert und Uwe Tobias - Das Blaue vom Himmel" in der Kunsthalle Tübingen (FAZ), eine Werkschau von Miriam Cahn, die in Abwesenheit der Kaiserring der Stadt Goslar 2024 erhalten hat, im Mönchehaus Goslar (taz) und die Ausstellung "The More It Hurts, the Less It Shows" mit Werken von Kiriakos Tompolidis in der Galerie Judin in Berlin (FR).
Nick Cave, Devil as Child, Portait of a Devil, Devil's Last Dance, 2020-2024 Collection museum Voorlinden, photos: Courtesy the Artist and Xavier Hufkens, Brussels Wenn Nick Cave sagt, er habe sich eigentlich schon immer mehr als Bildender Künstler denn als Musiker gefühlt, ist das nicht nur leeres Gerede, versichert Stefan Trinks in der FAZ. Davon kann man sich in Museum Voorlinden im niederländischen Wassenaar überzeugen. Hier wird Caves Keramik-Figuren-Zyklus "The Devil - A Life" gezeigt, für die er sich an den vierzehn Kreuzwegstationen der Passion Christi sowie an mittelalterlichen Antichrist-Zyklen orientiert hat - sich aber eigentlich selbst darstellt: "Zu Beginn ist der Teufel ein ganz normaler Mensch, doch bleibt von der anfänglichen Unschuld nach Eintritt in den Krieg nicht viel übrig. Der endgültige Bruch in der Vita dieses Satans von nebenan ist der Tod des ersten Sohnes, den Cave eine 'Devastation' nennt, eine Verheerung. Die überwiegend in durchscheinendem Weiß glasierte und nur zart farbig gefasste Keramik 'Devil kills his first child' soll man auf ihn selbst beziehen. Verstörender noch: Indem Cave das Werk nicht '... kills his first son' nennt, kann man in den Titel auch hineinlesen, dass es nur das erste getötete Kind in einer längeren Reihe sein wird. Tatsächlich fehlen Cave heute zwei Kinder, weil er in Momenten nicht hingeschaut habe, in denen die Söhne ihn gebraucht hätten, wie er sagt."
Besprochen wird eine Ausstellung der "Beach Portraits"-Serie der niederländischen Fotografin Rineke Dijkstra im Frankfurter Städel-Museum (FR).
Außerdem: Ursula Kastler nimmt für die NZZ eines der letzten Selbstporträts des französischen Impressionisten Gustave Caillebotte unter die Lupe. Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Caillebotte. Peindre les hommes" im Musée d'Orsay in Paris (NZZ).
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